Prekäre Wirtschaftslage Ortenauer Unternehmen haben große Sorgen

Jonas Köhler
Vor allem die Bauwirtschaft blickt aufgrund der hohen Rohstoffpreise pessimistisch in die Zukunft. Foto: Stache

Nach Ende des Lockdowns hatten die Unternehmen der Region auf eine Erholung der Wirtschaftslage gehofft. Doch der Krieg in der Ukraine bewirkt das genaue Gegenteil: Energie- und Rohstoffpreise sowie der Fachkräftemangel bereiten große Sorgen.

Ortenau – "Eigentlich gingen wir davon aus, auf dem Weg der Erholung zu sein", sagte Dieter Salomon, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein. Erneut hat die IHK mehr als 700 Unternehmen aus verschiedenen Branchen nach ihrer Geschäftslage und ihrer Prognose für die Zukunft gefragt. Das Ergebnis: allgemeine Verunsicherung und Sorge – ausgelöst durch den Ukraine-Krieg und seine Folgen – und eben keinen Aufschwung nach dem Corona-Lockdown.

Nur die Gastronomie ist im Aufschwung

Bei der letzten IHK-Umfrage im Januar war die Grundstimmung positiv. Die Unternehmen sahen sich im Aufschwung, lediglich die Gastronomie-Branche litt noch stark unter der Pandemie. Diese gibt nun eine deutlich bessere Geschäftslage an, die anderen Branchen jedoch sind nicht so gut gestimmt und sorgen sich vor allem vor der Zukunft, wie aus dem Bericht hervorgeht. "Der Nachholbedarf bei privatem Konsum wird durch den Krieg eingeschränkt", erklärte Salomon. Die Menschen seien durch die hohe Inflationsrate und die Energiepreise verunsichert und würden mit großen Ausgaben warten. Aus Sicht der Unternehmen komme der weiter bestehende Fachkräftemangel hinzu. "So einen Rückgang der Geschäftserwartungen gab es zuletzt zu Beginn der Pandemie", zog Salomon den Vergleich.

Die allgemeine Wirtschaftslage sei zwar im "Ist-Zustand noch nicht dramatisch", so Salomon, es seien aber "dunkle Wolken am Himmel" zu erkennen. Alles deute daraufhin, dass sich die Wirtschaft auf eine Rezession vorbereiten muss. Nur noch 64,4 Prozent aller befragten Unternehmen sehen ihre finanzielle Lage als unproblematisch an. Als größten Risikofaktor nannten rund 80 Prozent aller Unternehmen die Energie- beziehungsweise Rohstoffpreise. Einen so hohen Wert bei einem einzelnen Risikofaktor habe es in den vergangenen zehn Jahren bei der Umfrage noch nie gegeben, so Salomon.

In der Ortenau gehen 19 Prozent der Betriebe von einer Besserung ihrer Geschäftslage aus. Im Januar waren es noch 27 Prozent. Im Gegensatz dazu hat die die Anzahl der Betriebe, die einen konjunkturellen Abschwung erwarten, von 13,2 Prozent auf 30,8 Prozent mehr als verdoppelt.

Was die Krise für ein Unternehmen bedeuten kann, machte exemplarisch Andreas Schneider, Geschäftsführer der Schwarzwaldmilch deutlich. Er sprach davon, dass zum einen die Produktion von Milch teurer wird, da höhere Energiekosten höhere Preise für Dünger und Treibstoff bedeuten. Aber auch beim Verpacken der Milchprodukte gebe es Probleme. Schraubverschlüsse, Tetra-Packs, Becher, Glas, das alles werde derzeit immer teurer. Auch an den Produktionsstandorten schlagen sich die gestiegenen Energiepreise nieder.

Schneider fasste die Problematik für die Unternehmen unter drei Punkte zusammen: Kostenfaktor, Verfügbarkeit von Material und Verfügbarkeit von Personal. "Aus der Restriktion heraus muss man Antworten finden", sagte er. Einen Teil können Unternehmen durch Optimierung ausgleichen. Einen anderen Teil müssen unter Umständen die Verbraucher zahlen.

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