Potenzial auch in der Ortenau Wenig Vertrauen in die Geothermie

Jonas Köhler

Energie: Regionalverband informiert über Vor- und Nachteile der Technik / Potenziale auch in der Ortenau

Die Tiefengeothermie als Methode zur Energiegewinnung ist umstritten. Anwohner befürchten Erdbeben, Fürsprecher halten die Technik für ungefährlich. Diskussionen gibt es auch in der Ortenau. Der Regionalverband hat zum Dialog geladen.

Ringsheim - Rund 40 Gäste, darunter Politiker, Wirtschaftsvertreter und Bürger, erlebten am Mittwochabend in Ringsheim eine kurzweilige Veranstaltung. Der Regionalverband Südlicher Oberrhein hat in gut zwei Stunden über die Vor- und Nachteile der Tiefengeothermie als Methode zur Energiegewinnung informiert. Durch den Abend führte Christoph Ewen vom Forum Energiedialog. Er sorgte dafür, dass die Vertreter der verschiedenen Standpunkte in den Dialog kamen.

Notwendig für den Klimaschutz

Als erster Referent stellte Johannes Herrmann von "Fridays for Future" Karlsruhe die Notwendigkeit erneuerbarer Energien heraus. "Die Existenz unserer Spezies steht auf dem Spiel", sagte er im Bezug auf die Klimakrise und sich häufende Extremwetterereignisse. Auf die Tiefengeothermie bräuchte es eine andere Sichtweise. Sie sei ein "Geschenk", da sie sowohl für Wärme als auch für Strom sorgen könne. Gebäudeschäden durch Erdbeben seien im Vergleich zu der globalen Krise das geringere Problem.

Wissenschaftliche Perspektive

Für das Karlsruher Institut für Technologie referierte Thomas Kohl. Er hob hervor, dass es im Oberrheingraben – und damit auch in der Ortenau – "ein Potenzial internationalen Ausmaßes" für Tiefengeothermie gebe. Die Erdbeben, wie eines im Dezember 2020 bei Vendenheim in Frankreich, werden ausgelöst, wenn Spannungsfelder im Untergrund angebohrt werden. In Vendenheim hätte aufgrund der geringen Durchlässigkeit nicht gebohrt werden dürfen. Dennoch gebe es wenige Alternativen zur klimaneutralen Energiegewinnung. Aus Vorfällen sollte gelernt werden, um das Risiko für Erdbeben und Schäden zu minimieren.

Zulassung von Projekten

Axel Brasse, Leiter der Landesdirektion am Regierungspräsidium, erklärte, dass Bohrungen erst zugelassen werden, wenn anhand physikalischer Daten das Potenzial erkennbar ist. Gebaut werde eine Anlage erst, wenn auch eine "Erkundungsbohrung" erfolgreich sei. Zudem werde die Zuverlässigkeit des Unternehmens geprüft und sichergestellt, dass weder Beschäftigte, noch Unbeteiligte zu Schaden kommen. Bergschäden, zum Beispiel sich absinkende Flächen, dürfte es nur begrenzt geben und auch nur dort, wo es niemandem schade. Die Unternehmen müssten zudem gewährleisten, dass sie für eventuelle Schäden auch aufkommen können.

 Kritik der Anwohner

Hans Roser, Leiter der Bürgerinitiative gegen Tiefengeothermie in der Region, gab einen Überblick über die verschiedenen Vorfälle der vergangenen Jahre und erklärte, dass es beim Beben in Vendenheim alleine auf deutscher Seite 537 Schadensfälle gegeben hätte. Risse in den Gebäuden seien nicht hinnehmbar. Die Vorfälle hätten gezeigt, dass man den ausführenden Firmen nicht trauen könne, da diese sich nicht immer an die Abmachungen hielten.

Standpunkt der Betreiber

Sebastian Homuth von der "Deutschen Erdwärme" stimmte Roser zu, dass es Kritik geben müsse an Unternehmen, die nicht ordnungsgemäß arbeiten. Er betonte aber, dass Bürger keine Schäden an ihren Häusern hinnehmen müssten, wenn die Firmen sich an wissenschaftliche Daten und politische Vorgaben hielten.

Stimmen der Zuhörer

Aus den Reihen der Zuhörer gab es neben den Bedenken an der Integrität der Unternehmen auch die Befürchtung, den durch Geothermie erzeugten Strom nicht bezahlen zu können. Homuth entgegnete, dass Geothermie-Strom wettbewerbsfähig sei.

Fazit

Moderator Ewen fasste am Ende die Diskussion zusammen. Die Potenziale für klimafreundlichen Strom in der Region sollte man nicht verschwenden. Jedoch müssten Betreiber aus Fehlern lernen, um Erdbeben und daraus entstehende Schäden zu vermeiden. Es gehe darum, das Vertrauensverhältnis zu den Bürgern wieder aufzubauen, dann könne Tiefengeothermie als Strom- und Wärmequelle von der Bevölkerung akzeptiert werden. Ein klarer Dialog sei erforderlich.

So funktioniert die Technik

In etwa drei Kilometern Tiefe ist das Wasser im Oberrheingraben teilweise bis zu 165 Grad heiß. Die Wasserreservoirs werden bei der Tiefengeothermie angebohrt. Das heiße Wasser wird an die Oberfläche gepumpt, wo es dann zur Stromerzeugung genutzt werden kann oder dem Wärmenetz hinzugefügt wird. Das abgekühlte Thermalwasser wird wieder zurück unter die Erde geleitet, wo es sich erneut aufwärmen kann. Die Geothermie zählt dadurch neben Wind-, Wasser oder Solarkraft zu den erneuerbaren Energiequellen und funktioniert, ohne dabei CO2 auszustoßen und funktioniert wetterunabhängig. 

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