Personalmangel schadet Branche Lahrer Wirte brauchen Hilfe

Der bisherige Lahrer Dehoga-Chef Andreas Feißt (links) gratulierte Martin Feger, der zu seinem Nachfolger gewählt wurde. Foto: sl

Gastronomie: Personalmangel wirkt sich mittlerweile in verkürzten Öffnungszeiten aus

Lahr - Die Dehoga-Kreisstelle Lahr hat einen neuen Mann an der Spitze: Martin Feger, Inhaber des "Grünen Baum" in Burgheim. Der 53-Jährige übernimmt die Verantwortung in Zeiten, die für die Branche kaum schwieriger sein könnten.

Der Lockdown hat die Gastronomie schwer getroffen, und jetzt leiden die Inhaber unter akutem Personalmangel, wie Doris Hertweck von der Freiburger Dehoga-Geschäftsstelle bei der Hauptversammlung im Eventhaus Vetter verdeutlichte: Im Vorjahr hätten die Gastrobetriebe in Baden-Württemberg 17 Prozent ihres Personals verloren, ein Negativ-Trend, der ungebrochen ist, von Januar bis Juli 2021 sei die Mitarbeiterzahl um weitere 20,7 Prozent zurückgegangen.

Viele Beschäftigte mussten sich in den Monaten des Lockdowns neue Wege suchen, sich etwas dazuzuverdienen. Manche sind auch nach den Wiedereröffnungen nicht zurück in die Cafés und Restaurants gekehrt – sondern haben ihre neuen Anstellungen, außerhalb der Gastronomie und ihrer teils unbequemen Arbeitszeiten, zu schätzen gelernt. Statt zu kellnern, sitzen sie nun zum Beispiel an Supermarktkassen.

Rund die Hälfte der Gastronomen kann nur noch begrenzt öffnen

Von diesem Problem seien auch praktisch alle rund 120 Mitgliedsbetriebe der Dehoga-Kreisstelle Lahr betroffen, die den alten Landkreis Lahr umfasst, so der neue Vorsitzende Martin Feger in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Der Schwund sei so groß, dass rund die Hälfte der Restaurants auf Grund von Personalmangel nur noch begrenzt aufmachen können.

Feger selbst hat im "Grünen Baum" seit acht Wochen zwei Ruhetage – Sonntag und Montag. Zuvor hatte es keinen Ruhetag bei ihm gegeben. Der Personalmangel ließe ihm keine andere Wahl, verdeutlicht der neue Vorsitzende der Dehoga-Kreisstelle.

Der neue Dehoga-Chef befürchtet, dass künftig noch mehr Betriebe in und um Lahr bei den Öffnungszeiten Abstriche machen müssen. Der Personalmangel zeige sich aber auch in der Reduzierung von Angeboten. Das erkenne man an einer verkleinerten Speisekarte – oder wenn ein Restaurant plötzlich keinen Mittagstisch mehr anbietet.

Im Lockdown haben sich viele ehemalige Gastronomie-Mitarbeiter neue Jobs gesucht – und haben nicht vor, zurückzukehren. Und das müssen sie auch nicht, denn es sind begehrte Arbeitskräfte, wie Feger betont: "Menschen, die in der Gastronomie arbeiten, sind flexibel, belastbar und können schnell denken."

Sein Rezept gegen den Mitarbeitermangel? Feger hebt die Ausbildung hervor – die Betriebe müssten sich ihr Personal selbst heranziehen. Es gebe ja auch gute Gründe für den Gastroberuf, "man hat mit Menschen zu tun, es ist abwechslungsreich und man erhält ein direktes Feedback auf seine Arbeit." Darüber hinaus stehe den Beschäftigten praktisch die ganze Welt offen – denn in dieser Branche würden überall Mitarbeiter gesucht.

Informationen zu Andreas Feißt:

Andreas Feißt, Koch aus Seelbach, war 20 Jahre Chef der Lahrer Dehoga-Kreisstelle, will mit 60 Jahren nun aber kürzertreten. In seiner Abschiedsrede kam er auf die LZ-Berichterstattung über die laxen 3 G-Kontrollen in einigen Lahrer Gasthäusern zu sprechen. Die LZ habe niemanden denunziert, sondern auf ein Problem aufmerksam gemacht, so Feißt. Es sei "eine Katastrophe", dass manche Wirte ihre Gäste nicht nach dem 3G-Nachweis fragen. Dieses Verhalten schade der Branche. Mehr dazu in dem Artikel am Fuß dieser Seite.

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