Pandemie-Erfahrungen Hornberger Seniorinnen berichten von schwieriger Zeit

Die Erleichterung nach dem Ende des Lockdowns war Gertrud Straub groß. Foto: Kornfeld

Etwas Normalität ist im Stephanus-Haus in Hornberg wieder eingekehrt, viele Senioren und Mitarbeiter sind geimpft. Doch was bleibt in den Köpfen zurück, welche Erinnerungen bleiben?

Hornberg - Zwei Seniorinnen haben dem Schwarzwälder Boten von der schwierigen Zeit berichtet.

Sie bekomme sowieso keinen Besuch sagt Johanna Argast zunächst, das habe also keinen großen Unterschied gemacht. Sie bezeichnet sich eher als Einzelgänger. Doch dann fährt sie fort: "Die Freunde konnten nicht kommen, das hat gefehlt".

Lob für die Mitarbeiter des Hauses

Johanna Argast war nicht infiziert und auch in ihrem Wohnbereich war niemand betroffen, daher konnte sie zum Essen immer in den Speiseraum gehen. Sie lobt den Einsatz der Mitarbeiter des Stephanus-Hauses und ganz besonders eine FSJlerin, die in ihrem Bereich eingesetzt war: "Sie hatte immer zwölf Stunden Dienst, aber es gab nie ein Nein, wenn ich einen Wunsch hatte". Johanna Argast ist zufrieden, dass sie wieder einkaufen gehen kann, das sei eine Abwechslung, die sie schätzt.

Etwas anders sieht es bei Gertrud Straub aus. Sie war selbst infiziert und konnte ihr Zimmer drei Wochen lang nicht verlassen. "Zuerst habe ich nur gedacht, mit mir ist etwas nicht in Ordnung, dann wurde durch den Test festgestellt, dass ich Corona habe", erzählt sie. "Ich hoffe, dass ich bis dahin niemanden in der Gruppe angesteckt habe." Sie selbst habe nicht viel gemerkt, habe "ein bisschen Erkältungssymptome, aber kein Fieber gehabt".

Die Appetitlosigkeit habe ihr zu schaffen gemacht. "Ich habe nicht mehr gerne gegessen, dabei hat mir Andrea manchmal vier oder fünf Sachen vorgesetzt. Aber es war ihr unmöglich, mich zum Essen zu bewegen".

Andrea, das ist Mitarbeiterin Andrea Furtwängler-Joos. Jetzt stehen bei Gertrud Straub eine Packung Schokoküsse auf dem Tisch, diese möchte sie noch am gleichen Tag essen um zuzunehmen.

Die Seniorin bezeichnet sich selbst als sehr kommunikativ und geht gern unter Menschen: "Eigentlich bin ich immer gut drauf, aber in der Zeit der Pandemie war ich ein bisschen depressiv und sogar aggressiv", schildert sie die damalige Situation und lacht dabei ein klein wenig. "Ich konnte ja nur die vier Wände angucken und habe es kaum ausgehalten". Sie habe alles mögliche überlegt, um heraus zu kommen. Die Krankheit habe alles, was ihr noch möglich gewesen wäre, unmöglich gemacht. Sie sei "zu Tode betrübt gewesen". Andrea Furtwängler-Joos habe ihr sehr geholfen in der Zeit.

Gertrud Straub ging als erstes nach draußen

Gertrud Straub erzählt, dass sie einen Schlaganfall hatte und danach sehr an sich gearbeitet hat. Die 91-Jährige kann auch dank einer guten Therapeutin wieder Hand und Fuß gebrauchen.

Sie war dann die erste, die wieder nach draußen durfte: "Ich war ein anderer Mensch, ich konnte wieder einkaufen gehen!", erinnert sie sich. Noch einmal möchte Gertrud Straub so eine Zeit, wie die, in der sie wegen der Corona-Pandemie nicht hinaus durfte, nicht erleben, sagt sie. Darum mache ihr die Delta-Variante Angst – "Angst, dass es noch einmal von vorne los geht". Also passt sie gut auf und hält alle Hygienemaßnahmen ein. Sie habe beim Einkaufen beispielsweise immer zwei Masken dabei, erzählt sie.

Im März dieses Jahres erfolgte die erste Impfaktion durch ein mobiles Impfteam. Verwendet wurde Biontech. Die Quote lag bei 89 Prozent. Bis zu dem Zeitpunkt hatten sich 18 Bewohner und zehn Mitarbeiter des Hauses waren mit Corona infiziert. Fünf Bewohner starben innerhalb kürzester Zeit (wir berichteten), ein weiterer später. Kurz vor der Impfaktion hatte die Tagespflege wieder geöffnet.

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