Zehn Jahre Outlet-Center Roppenheim Chef berichtet: “Deutsche geben mehr Geld aus“

Marco Armbruster und Felix Bender
Das Outlet Roppenheim beim Grenzübergang Iffezheim ist optisch einem elsässischen Dorf nachempfunden. Vor der Corona-Krise kamen rund zwei Millionen Besucher im Jahr. Foto: Outlet-Center

Das elsässische Marken-Outlet in Roppenheim hat am 25. April zehnten Geburtstag. Geschäftsführer Christophe Girard blickt im Gespräch mit unserer Zeitung zurück, berichtet, was die Kunden besonders schätzen, und wagt einen Blick in die Zukunft

Roppenheim - Das elsässische Marken-Outlet in Roppenheim hat am 25. April zehnten Geburtstag. Vor Corona besuchten rund zwei Millionen Gäste pro Jahr das Einkaufsdorf. Geschäftsführer Christophe Girard blickt im Gespräch mit unserer Zeitung auf die vergangenen zehn Jahre zurück, berichtet, was die Kunden besonders schätzen, und wagt einen Blick in die Zukunft.

Herr Girard, wie viele Ihrer Kunden sind eigentlich Deutsche?

Jahrelang waren immer so 37 bis 38 Prozent der Besucher Deutsche. Über die Corona-Zeit ist die Zahl etwas geschrumpft auf 30 Prozent.

Corona haben Sie also zu spüren bekommen?

Wir waren während Corona durch die Grenznähe benachteiligt, weil wir eben einen hohen Anteil deutscher Kunden haben: Im ersten Quartal 2021 ist unser Umsatz im Vergleich zu 2019 um 37 Prozent zurückgegangen. Dies hing einerseits an den eineinhalb Monaten Schließung des Centers, aber auch an der geschlossenen deutsch-französischen Grenze nach der Wiederöffnung des Outletcenters. Nachdem die Grenze wieder offen war, konnten wir das Umsatzniveau von 2019 erreichen.

Wie viele Ortenauer sind unter ihren Kunden?

Das ist schwierig zu sagen, denn wir erfassen beim Einkauf nicht die Herkunft unserer Kunden. So viel lässt sich jedoch sagen: Etwa zehn Prozent der deutschen Kunden, die unseren Newsletter abonniert und sich als VIP-Kunden registriert haben, kommen aus der Ortenau. Übrigens genauso viele wie aus dem Landkreis Rastatt. Unser Einzugsgebiet liegt etwa zwischen Freiburg und Mannheim. Wir wissen, dass die Kunden bereit sind, eine bis eineinhalb Stunden zu fahren, um zu uns zu kommen.

Und wie viel Umsatz bringen die Deutschen?

In normalen Zeiten machen die deutschen Kunden etwa 45 Prozent unseres Umsatzes aus. Im Schnitt geben sie mehr aus als die Franzosen. Allerdings richten sich unsere Rabatt-Aktionen – etwa Winter- oder Sommerschlussverkäufe – auch eher nach den französischen Ferien. Das kann das Bild etwas verzerren, weil die Deutschen häufig erst zum Einkaufen kommen, wenn die Aktionen schon vorbei sind.

Wie viel Menschen arbeiten eigentlich in Roppenheim?

Wir haben zwischen 600 und 700 Mitarbeiter – etwas mehr an Weihnachten und im Sommer. Die deutschen Mitarbeiter kann man an einer Hand abzählen.

Welche Warengruppen sind besonders gefragt?

Die stärksten sind die Sport-, Outdoor-Marken und Jeans. Wer wegen dieser drei kommt, kauft aber häufig auch darüber hinaus ein. Während Corona haben wir zudem beobachtet, dass Kunden Haushaltswaren verstärkt nachgefragt haben – die sind aber nicht unsere Zugpferde.

Werden die großen Marken eigentlich extra für den Outlet-Verkauf produziert?

Extra für den Outlet-Verkauf zu produzieren, ist in Frankreich verboten – das wäre unlautere Konkurrenz. Wir haben das in unseren Verträgen mit den Marken auch noch mal ausgeschlossen. Wir kontrollieren das regelmäßig, indem wir die Preise auf den Etiketten mit den normalen Marktpreisen vergleichen.

Und was zieht die Menschen neben den Marken nach Roppenheim?

Grund Nummer eins ist das Preis-Leistungsverhältnis. Auch dass unser Outlet-Center optisch an ein elsässisches Dorf angelehnt ist, macht uns attraktiv. Es gibt keinen Autoverkehr, man kann die Kinder laufen lassen. Ein wichtiger Grund für deutsche Kunden ist sicher auch, dass in den Boutiquen überwiegend Menschen arbeiten, die Deutsch sprechen. Außerdem gibt es kostenlose Bus-Shuttles von der deutschen Seite.

In Deutschland fiel jüngst die Maskenpflicht. Wie ist die Lage in Frankreich?

Bei uns in Frankreich fielen bereits am 14. März alle Restriktionen. Verbindliche Auflagen gibt es nicht mehr. Manche Verkäufer und Kunden tragen in den Shops weiter freiwillig Masken, aber es ist nicht mehr Vorschrift.

Ihnen steht ein zehnter Geburtstag ins Haus. Wenn Sie zurückblicken: Was hat sich in der Zeit getan?

Da kommt mir zunächst die Steigerung von 1,3 Millionen im ersten Jahr auf zwei Millionen Besucher 2019 in den Sinn. Ich finde, es ist uns zudem gelungen, eine gute Mischung aus Kontinuität und Veränderung zu finden. Zwei Drittel der Marken aus dem Anfangsjahr sind noch da, die anderen wechselten. Eine gewisse Veränderung muss sein, sonst wird es den Kunden langweilig. Während der Pandemie haben wir keine Marke verloren. Unser Wunsch, dass wir ein Center werden, in das auch viele Deutsche kommen, hat sich erfüllt.

Anfangs gab es von Einzelhandel und Kommunen Widerstand. Wie ist es heute?

Die starken Spannungen in beiden Ländern haben mit den Jahren deutlich abgenommen. Ich spreche gerne von einer friedlichen Co-Existenz und gegenseitigem Respekt. Wir haben keinerlei Interesse, Spannungen zu erzeugen. Man hat auch zwei, drei Jahren nach der Eröffnung gemerkt, dass kein einziges Geschäft in Baden-Baden, Straßburg oder Hagenau wegen uns schließen musste.

Wir rutschen aktuell von einer Krise in die nächste. Spüren Sie schon, dass die Kauflust zurückgeht?

Unser Eindruck ist, dass es bei der Anreise aufgrund der hohen Benzinpreise eine gewisse Zurückhaltung gibt. Die Menschen kommen etwas seltener und kaufen dann eher mehr auf einmal. Während Corona haben wir beobachtet, dass die Kunden überlegter einkauften, damit rechnen wir nun auch wieder. Mit unseren günstigen Angeboten sind wir auf jeden Fall krisenfester als andere, auch gegenüber dem Online-Handel.

Und wie wird das zehnjährige Bestehen gefeiert?

Wir haben uns bewusst gegen eine große Feier an einem festen Datum entschieden. Stattdessen haben wir geplant, das Einkaufserlebnis über das ganze Jahr hinweg schöner zu gestalten. In jeder Jahreszeit wollen wir den Kunden etwas Besonderes bieten. Dafür wird unter anderem der Künstler Pierre Estève für den Frühling Blütengirlanden aus recycelten Materialien installieren. Im Sommer, Herbst und Winter wird es besondere Aktionen geben – Genaues verraten wir aber noch nicht.

Was ist für die Zukunft geplant? Gibt’s Marken, die neu dazukommen sollen?

Im Sommer sollen tatsächlich zwei bis drei neue Marken dazukommen. Das ist aber noch nicht spruchreif, deswegen kann ich noch nicht mehr sagen. Bei bestehenden Boutiquen wird es aber deutliche Modernisierungen und Vergrößerungen geben – beispielsweise erweitern Puma und Hugo Boss aktuell ihre Boutiquen, um dann Anfang Mai wieder zu eröffnen. Unser großes Ziel ist es, wieder auf das Vor-Corona-Niveau zu kommen.

Gibt es Expansionspläne?

Nein. Das macht auch keinen Sinn. Die Fläche wurde von Beginn an großzügig geplant. Es gibt bei uns 105 Shops, unsere Fläche ist absolut ausreichend.  

  • Bewertung
    4