Ottenheim Rehkitz in Ottenheim gerettet

Ottenheim - Erstmals hat die Jägervereinigung Offenburg einen kreisweiten neuen Service zur Rehkitz-Rettung getestet. So konnte unter anderem zwischen Meißenheim und Ottenheim junges Tier gerettet werden.

Wärmebildkameras erkennen Rehkitze im hohen Gras 

Dank des Einsatzes moderner Wärmebild-Technik können Wiesen vor dem Abmähen begutachtet und so Kitze, die im hohen Gras versteckt sind, gerettet werden. Erstmals wurde diese Rettungsaktion auch im Ortenaukreis, zwischen Ottenheim und Meißenheim, getestet – die Verantwortlichen zeigten sich zufrieden.

Kitze werden zwischen Mitte Mai und Mitte Juni nach der Geburt bevorzugt in hohem Gras abgelegt, wenn sich die Muttertiere auf Nahrungssuche begeben. "Problematisch ist, dass die kleinen Kitze kaum wahrnehmbar sind. Bei nahender Gefahr ducken sie sich tief in Grasmulden und bleiben regungslos. Wenn Wiesen im Frühjahr gemäht werden, sind die Kleinen gegen Mähwerke jedoch chancen- und schutzlos", erläuterte Kreisjägermeister Georg Schilli aus Gengenbach am Rande der Rettungsaktion. Bundesweit kämen bis zu 100 000 Kitze durch dieses so genannte Vermähen zu Tode. An diesem Punkt möchte die Jägervereinigung Offenburg mit dem neuen Service-Angebot nun ansetzen.

Kommunikation mit Jagdpächter und Landwirt ist wichtig 

Bei der Kitzrettung kommt eine mit Wärmebildkamera ausgestattete Drohne zum Einsatz. Im Vorfeld sei zur besseren Koordinierung des Einsatzes Kommunikation mit Jagdpächter und Landwirt wichtig. Bei der Premiere ergab sich eine reibungslose Zusammenarbeit mit dem Ottenheimer Landwirt Martin Reitter und dem Meißenheimer Jagdpächter Reiner Meidinger.

Zu befliegende Wiesen müssten bis zum Abend vor der Mahd gemeldet werden, da der Drohneneinsatz nur zu bestimmten Zeiten sinnvoll sei. Schillis Jagdkollege Martin Hetzel erklärte: "Mithilfe der Kamera kann man in den frühen Morgenstunden genau den Temperaturunterschied zwischen umgebendem Gras und einem warmen Kitzkörper erkennen. Je mehr sich das Gras durch Sonnenschein erwärmt, desto schwieriger wird das."

Ein Reh konnte durch die Aktion gerettet werden 

Bei der "Rettungspremiere" war Schilli als Drohenpilot im Einsatz, Hetzel begutachtete den Bildschirm und dirigierte fünf Helfer auf der rund vier Hektar großen Wiese in Richtung auffälliger Punkte, die zu untersuchen waren. Die enge Absprache brachte auch Erfolg: Während der gut einstündigen Aktion konnte tatsächlich ein Rehkitz gerettet werden. Die Fundstelle wurde optisch gesichert, so dass der Landwirt sicher darum herum mähen konnte. Gerettete Kitze werden nach der Mahd wieder frei gelassen und durch ihre Mütter gefunden. "Das Angebot ist aktiver Tierschutz", sagte Kreisjägermeister Wolfgang Lauer aus Lahr, der ebenfalls als Helfer bei der Aktion beteiligt war.

Die Verantwortlichen zeigten sich mit der Premiere zufrieden. "In der Schweiz, im Bodensee-Umland und in Norddeutschland ist diese Technik schon länger verbreitet. Wir beginnen jetzt auch damit. Es bedarf noch etwas Zeit, die Technik etwas besser zu beherrschen, aber der Ansatz ist sinnvoll. Wir wollen das gerne auch zukünftig weiter ausbauen", fasste Schilli zusammen.

Die Kitzrettung der Jägervereinigung Offenburg ist vom Renchtal über Offenburg bis ins Vordere Kinzigtal geplant. Anfragen nimmt Kreisjägermeister Georg Schilli unter Telefon 0179/­9 74 24 14 entgegen.

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