Ortenau Tagesmütter dürfen nicht betreuen

Ortenau - Notbetreuung im Kindergarten, Homeoffice und Kurzarbeit treffen nicht nur Eltern. Auch die meisten Tagesmütter dürfen in Corona-Zeiten ihre Pflegekinder nur in Notfällen betreuen. Das sorgt nicht nur bei den Betreuern für Kopfzerbrechen.

Tagesmütter dürfen nur Notbetreuung anbieten 

"Auch viele Tagesmütter in der südlichen Ortenau dürfen aktuell immer noch keine Kinder betreuen. Zeitweise durften nur sechs bis acht Tagesmütter eine Notbetreuung anbieten, inzwischen sind es immerhin etwa 27 Tagespflegepersonen, die dort circa 65 Tageskinder betreuen", erzählt Sabine Knäble, die beim Diakonischen Werk für die Tagespflege in der südlichen Ortenau zuständig ist und ihr Büro am Doler Platz in Lahr hat. Die Tagesmütter bekämen vom Jugendamt dann eine Ausnahmegenehmigung für ein bestimmtes Kind, wenn die Voraussetzungen für eine Notbetreuung gegeben sind. Das sei etwa der Fall, wenn die Eltern eine Präsenzpflicht bei der Arbeit hätten.

Insgesamt gebe es 46 aktive Tagesmütter und zwei Tagesväter, die selbstständig sind und eine Pflegeerlaubnis haben. Wegen der wochenlangen Beschränkungen fehlen den meisten die Einnahmen.

Landratsamt übernimmt 80 Prozent der Ausfälle 

"Das Betreuungsverbot ist für die Tagesmütter und -väter natürlich ein finanzieller Einbruch und für viele eine Existenzbedrohung. Einige haben deshalb auch schon den Rettungsschirm der Regierung in Anspruch genommen, bevor das Landratsamt entschieden hat, 80 Prozent der Ausfälle zu übernehmen", so Knäble weiter.

Dennoch sei die Lage sowohl für die Tagesmütter als auch für die Kinder schlimm. "Die meisten Tagesmütter betreuen im Schnitt drei Kinder gleichzeitig, deshalb ist das Verhältnis ähnlich einer Familie sehr eng." Viele Kinder vermissten laut Knäble ihre Betreuungsperson, die sich sonst fast täglich um sie kümmert, wenn die Eltern arbeiten und beruflich eingespannt sind. Auch die Ausbildung neuer Tagesmütter sei zunächst ausgesetzt worden. "Erst vor Kurzem sind die Pflichtstunden für die Ausbildung von 160 auf 300 Stunden erhöht worden.

Hohe Nachfrage, aber kaum Tagesmütter

Rund 45 Personen warten nun darauf, dass sie ihre Qualifizierung erhalten", berichtet Knäble. Somit gibt es gerade keine neuen Tagesmütter, die Nachfrage sei aber weiterhin hoch: Die Vorlaufzeit, um sein Kind bei einer Tagesmutter betreuen lassen zu können, liege etwa zwischen drei und sechs Monaten. "Viele Eltern sind wegen Corona natürlich verunsichert und fragen zunächst nicht nach einem Platz. Wer aber in den nächsten Monaten auf eine Betreuung angewiesen ist, kann das jetzt schon jederzeit abklären", so Knäble.

Flexible Betreuung ist für viele wichtig

Immer mehr Mütter oder Väter würden eine Anfrage bei der Kindertagespflege stellen, weil sie die familiennahe Betreuung gut finden oder einfach auch auf flexible Betreuungszeiten angewiesen seien. Dass die Tagesmütter die rund 180 Pflegekinder in der südlichen Ortenau noch nicht wieder betreuen dürfen, sei auch aus anderen Gründen für die Betreuer und Eltern eine schwierige Situation: "Die Tagesmütter sehen die Not und Verzweiflung der Eltern, die vielleicht im Homeoffice sind und trotzdem arbeiten müssen, dürfen aber, selbst wenn sie wollten, die Kinder vorerst nicht wieder aufnehmen", erklärt Knäble das Dilemma. Ob die Betreuung bald wieder fortgesetzt werden kann, entscheidet das Landratsamt.

Kleine Gruppen sind von Vorteil

Ein Vorteil der Tagesmütter seien die kleinen Gruppen und die Betreuung bei der Tagesmutter zu Hause. Bei den Betreuungskindern sei das Einhalten von Hygiene- und Abstandsregeln aber nahezu unmöglich: "Berührungen, Umarmungen und Körperkontakt sind besonders bei den ganz Kleinen sehr wichtig", sagt Knäble. Den Tagesmüttern gehe es aktuell wie den Erziehern, sie freuten sich, hoffentlich bald wieder "ihre" Kinder zu sehen und mit ihnen spielen zu dürfen.

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