Offenburg "Wir lassen uns nicht ausspielen"

So ging es los: 500 Schüler beteiligten sich im Januar 2019 mit Schulstreik an einer Demonstration vor dem Rathaus Offenburg. Archivfoto: Röckelein Foto: Lahrer Zeitung

Offenburg. Am ersten Schulstreik in Offenburg am 18. Januar 2019 beteiligten sich 500 Teilnehmer. Sie blieben dem Unterricht fern, um für einen Wandel in der Klimapolitik zu demonstrieren. Damit war die Bewegung "Fridays for future" auch in der Ortenau angekommen. Wie das Jahr aus Sicht der Bewegung gelaufen ist und was im Jahr 2020 kommen wird, erzählt Sprecherin Jana Schwab unserer Zeitung im Interview.

Frau Schwab, "Fridays for future" ist jetzt rund ein Jahr in der Ortenau aktiv. Worauf sind Sie m Rückblick besonders stolz?

Wir sind seit einem Jahr aktiv und werden das auch weiterhin sein. Dadurch haben wir das Thema in das öffentliche Bewusstsein gebracht und die Politik ordentlich unter Druck gesetzt. Besonders stolz sind wir auf den 20. September mit 2000 Menschen auf der Straße, alleine in Offenburg und die Gründung des Ortenauer Klimabündnisses. Somit haben wir viele Organisationen in der Ortenau gebündelt, um gemeinsam noch mehr Menschen zu erreichen und endlich die Politik hier vor Ort zum Handel zu zwingen.

Gab es auch Aktionen, die nicht gut liefen? Oder auch einfach nicht gut ankamen?

Aktionen direkt nicht, aber was wir gelernt haben ist das wir Forderungen auch hier vor Ort aufstellen müssen. Klimaschutz muss auf allen Ebenen anfangen. Wir müssen unser e Forderungen konkreter formulieren, sonst gelingt es den Verantwortlichen immer wieder, sich rauszureden. Ein oder zwei Bäume zu pflanzen, ist zwar schön, reicht aber leider nicht. Die wichtigste Erkenntnis ist aber, dass wir uns nicht gegenseitig ausspielen lassen von der Politik. Es gibt Umweltbewegungen und die sozialen Bewegungen. Wir brauchen eine soziale ökologische Wende. Es darf nicht sein, dass wir uns zwischen der Umwelt und den Menschen entschieden müssen. Den Kapitalismus sauberer oder grüner anzustreichen reicht nicht. Wir müssen grundlegend Strukturen und Prozesse verändern. Somit müssen wir diejenigen zur Umkehr bewegen, die seit Jahren soziale Rechte und wirklichen Umweltschutz verweigern, um die Lebensqualität auch hier in der Ortenau für alle zu verbessern.

Wie ist der Kampfgeist nach einem Jahr?

Wir sind enttäuscht, trotz großem Protest und Rückhalt der Bevölkerung ist noch nichts getan worden, aber so einfach machen wir es ihnen nicht, das wir einfach aufgeben. Mit dem Ortenauer Klimabündnis sind wir größer geworden und motivierter den je. Wir wollen den Druck auf die Politik weiter erhöhen, damit unsere Forderung nach einem 30-Euro-Monatsticket endlich umgesetzt wird.

Wie viele Aktive zählen Sie in der Ortenau?

Das variiert ständig, aber pro etwas größerer Stadt sind es zwischen fünf und 15 Leuten.

Wie sieht die Organisationsstruktur aus?

Es gibt die einzelnen Ortsgruppen in Lahr, Kehl, Offenburg und Achern, die sich unabhängig voneinander regelmäßig treffen. Ab und zu werden bei Treffen gemeinsame Aktionen in der Ortenau besprochen. Mit dem Klimabündnis holen wir noch weitere Organisationen ins Boot, aber auch Einzelpersonen. Dort gibt es ebenfalls regelmäßige Treffen für Aktionen. Dazu ist jeder eingeladen.

Welche großen Ziele haben Sie für das Jahr 2020?

Wir wollen endlich die Verkehrswende hier vor Ort einleiten. Dafür müssen Fahrradwege besser ausgebaut werden und auch der Nahverkehr braucht bessere Taktungen. Das Wichtigste ist aber, dass der Nahverkehr für alle bezahlbar wird. Unserer Hauptforderung ist ein 30-Euro- Monatsticket für alle. Damit wir das erreichen, müssen wir den Druck erhöhen. Wir wollen das gemeinsam mit dem Klimabündnis machen und planen Straßenfeste, kreative Aktionen und weitere große Demonstrationen, an denen sich jeder beteiligen kann.

Gibt es schon konkrete Termine für Aktionen?

Am 7. März in Offenburg, wollen wir mit einer Auftaktdemonstration die Verkehrswendekampagne starten. Dabei soll diese Demo möglichst bunt und kreativ werden. Wir planen die B 33 in Haslach voraussichtlich an einem Sonntag im Mai oder Juni autofrei zu gestalten mit einem Straßenfest.

Wie sind sie über die Ortenau hinaus vernetzt?

Bundesweit durch Telefonkonferenzen und "Whats-App-Gruppen". Wir haben auch Kontakte nach Straßburg.

Haben Sie schon einmal Greta Thunberg getroffen? Was halten Sie von ihr?

Nein, habe ich nicht. Ich halte sie für sehr mutig. Nicht jeder traut sich, sich mit 16 Jahren hinzustellen und den Regierungschefs der Welt zu sagen, dass sie versagt haben.

Was halten sie eigentlich von der Aktion des WDR-Kinderchors, die unter dem Stichwort "Umweltsau" zur Diskussion seht?

Es ist Satire. Ob das jetzt zu übertrieben war oder nicht, darüber kann man aus meiner Sicht gerne diskutieren, letztlich ist Satire genau dafür da. Ich persönlich finde es aber wieder amüsant zu sehen, wie die AfD bei solchen Themen sich echauffiert. Besonders von Stefan Räpple ist es bekannt, dass er solche Themen dann einfach ausnutzt. Auch bei diesem Fall zeigt sich das deutlich. Leute, die Greta als behindert bezeichnen, sind jetzt dieselben, die sich über die Umweltsau aufregen. Das ist scheinheilig.

  Fragen von         Marco Armbruster

Greta Thunberg gilt als Vorbilder der weltweiten Jugendbewegung "Fridays for future", die durch Schulstreiks Aufmerksamkeit und Bekanntheit erlangt hat. Gemeinsam mit Wissenschaftlern haben sie konkrete Forderungen an die Politik. Das gemeinsame Ziel: Mehr Einsatz für den Klimaschutz angesichts des von Menschen gemachten Klimawandels.

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