Offenburg "Wir brauchen starken Standort Lahr"

Übernächste Woche fällt die Entscheidung, wie es mit den Kreis-Kliniken ab 2030 weitergeht. Die Weichen sind gestellt. Doch was bedeutet das für die Standorte Lahr und Ettenheim konkret? Landrat Frank Scherer gibt einige Einschätzungen.

Lahr/Ettenheim. Alle öffentlichen Info-Veranstaltungen zur Klinik-Zukunft sind vorüber, die Positionen klar. Nun hat am 24. Juli der Kreistag das letzte Wort, welche Krankenhäuser ab 2030 mit welchen Funktionen und Kompetenzen in Dienst bleiben. Wir geben nach einem Gespräch der Lahrer Zeitung mit Frank Scherer als oberstem Chef der Klinik Antworten.

Wie geht die Entscheidung am 24. Juli aus?

Landrat Scherer hofft, "dass die Sachargumente greifen". Er kann aber von einer breiten Zustimmung ausgehen, nachdem sich schon der Krankenhausausschuss für das Vier-Häuser-Modell ausgesprochen hat.

Wie lange ist das Krankenhaus Ettenheim als Portalklinik sicher in Betrieb?

Im ungünstigsten Fall, wenn die sogenannte Überprüfungsklausel keine Änderung ergeben sollte, noch bis "mindestens Ende der 20er Jahre". Also noch gut zehn Jahre. Sollte sich die Situation in Ettenheim erheblich verbessern, wird neu verhandelt.

Was passiert mit den 77 Ettenheimer Betten?

Diese werden jedenfalls zum größten Teil in Lahr hinzukommen. Dort gibt es derzeit 411 Planbetten. Nach dem Plan der Agenda 2030 sollen es in Lahr dann 433 bis 480 Betten sein. "Wir werden voraussichtlich insgesamt im Ortenau-Klinikum in 2030 keine weiteren Betten reduzieren", sagt Scherer. Lahr sei derzeit vom Platzangebot her überlastet, Ettenheim durchschnittlich nur zu 64 Prozent ausgelastet.

Wenn der Klinik-Plan beschlossen ist: Wann wird entschieden, wie die medizinischen Abteilungen aufgeteilt werden?

Das wird noch eine Weile dauern. "Wir haben zum Glück ja Zeit", sagt Landrat Scherer. Bis mindestens Ende kommenden Jahres werde es gehen, bis die Details ausgearbeitet sind, wo was und wie am besten aufgehoben sein könnte. Hausübergreifend, mit allen Chefärzten und Pflegedirektoren werde man nach den medizinisch-fachlich besten Lösungen suchen und den Kreisgremien zur Entscheidung vorlegen. "Das wird aber auch in den Folgejahren ein fortlaufender Prozess sein, denn das Gesundheitswesen ist schnelllebig."

Welche Rolle spielt da Lahr?

"Wir sind auf Lahr als Standort der Maximalversorgung angewiesen", versichert Scherer. "Das ist kein Lippenbekenntnis". Lahr werde ein Haus der Maximalversorgung, also in der höchsten Versorgungsstufe für die Bevölkerung.

Was wird in Lahr investiert?

Aktuelle grobe Berechnungen sprechen von bis zu 80 Millionen Euro bis zum Jahr 2030, bis die neuen Strukturen geschaffen sind.

Muss Lahr um medizinische Abteilungen bangen?

Da gibt es in Lahr offenkundig Sorgen. Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller sprach schon von "Verteilungskämpfen". Die Debatte um die Klinik-Apotheke, die für Lahr verloren ging, hat dies gezeigt. Doch Lahr hat auch Schwerpunkte, die klar für eine Aufwertung und einen Ausbau sprechen. Etwa die Psychosomatik oder die Kardiologie.

Wird es in Offenburg und Lahr Doppelstrukturen geben?

Ja, sagt Scherer. Einige notwendige Bereiche werde es in beiden großen Häusern geben, in Offenburg und Lahr. Etwa die Geriatrie. Unnötige Doppelangebote werde man zwar abzubauen versuchen. Doch manche müssten einfach sein, allein der Größe des Landkreises wegen.

Erwartet er einen Wettstreit um Klinik-Bereiche?

Er hoffe nicht, meint er. Doch er weiß natürlich, dass da immer auch politisch einiges mitschwingt, wenn ein medizinischer Fachbereich aus einer Stadt abgezogen wird. Er appelliert: "Wir stehen jetzt nicht vor einem Wettkampf, wer was bekommt. Das sollten wir sachlich und medizinisch fachlich klären, mit der jeweils besten Lösung für die Patienten."

Gibt es genug Vertrauen zwischen den Beteiligten?

"Das Thema Gesundheitsversorgung ist hochemotional, das ist klar", sagt Scherer. Doch er wolle alles dafür tun, dass die Zusammenarbeit "so konstruktiv wie möglich" klappe, auch nach der Kreistagsentscheidung. Er hoffe, dass "wir alle die Kraft haben, einer sachlichen Argumentation zu folgen". Und dass am Ende das Vertrauen nicht auf der Strecke bleibe.

Behält Lahr seine Krankenhausküche?

Das ist offen. Derzeit gibt es laut Scherer im Verbund sechs Küchen. Zwei in Offenburg, weitere in Lahr, Wolfach, Achern und Oberkirch. Ettenheim wird über Lahr versorgt. Durch eine Zusammenlegung der Küchen ließe sich Geld sparen, hatte es beim Infoabend in Lahr geheißen. Andererseits sieht Scherer eigene Küchen auch als einen Aspekt der Patientenzufriedenheit. Ob und wenn ja, welche Küchen dicht machen, werde erst später entschieden. "Das schauen wir uns in Ruhe an, es gibt hierzu weder konkrete Überlegungen noch einen Zeitplan“, sagt Scherer. „Zunächst geht es um die Weiterentwicklung der medizinischen Bereiche."

Wie schluckt Scherer den geballten Ärger, der ihm etwa aus Ettenheim entgegenschlug?

"Beleidigungen, Beschimpfungen und Bedrohungen, das nimmt man schon mit", sagt er. Vor allem, weil doch klar sei, dass weder die Kreistagsmitglieder noch er selbst einen persönlichen Vorteil davon habe, wenn Krankenhäuser geschlossen werden müssten. "Wir werden mit dieser Zukunftsplanung unserer politischen Verantwortung gerecht, denn wenn wir jetzt nicht handeln, drohen in den nächsten Jahren unkontrollierte Schließungen oder Privatisierungen."

Die endgültige Entscheidung über die Klinik-Zukunft trifft der Kreistag am Dienstag, 24. Juli, im Offenburger Landratsamt. Die öffentliche Sitzung beginnt um 14 Uhr. Es wird mit zahlreichen Zuhörern gerechnet. Tipp: früh kommen!

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