Offenburg Weihnachtsmarkt: Fast so, als wäre nichts gewesen

Straßburg - Tausende Gäste besuchen heuer den 450. Straßburger Weihnachtsmarkt. Ein Jahr nach dem Anschlag, bei dem fünf Menschen starben, haben die Behörden die Sicherheit verschärft. Dennoch wirkt das bunte Treiben fast normal.

An einem der Zugänge zur Grande Île – die Straßburger Altstadt-Insel in der Ill – bilden sich am Montagnachmittag Warteschlangen. Der Grund: An deren Anfang wollen freundliche Kontrolleure in gelben Westen in die Taschen und Rucksäcke der Besucher sehen. Jacken müssen geöffnet werden, abgetastet wird niemand. An 16 Brücken haben die Behörden Kontrollbereiche eingerichtet. Mehr als 400 Kameras behalten die Besucher im Blick.

Bis zu 15 Minuten Wartezeit müssen Besucher einplanen

Die Wartezeit hängt stark vom Besucherstrom ab, fünf bis 15 Minuten sollten Besucher jedoch einplanen. Die Kontrolle selbst läuft zügig ab: Ein kurzer Blick und es ist vorbei – niemand wollte an diesem Nachmittag in die Taschen hineinfassen. Hinter den Kontrolleuren stehen bewaffnete Polizisten und sichern den Eingangsbereich.

Der Markt selbst ist groß, gut besucht und vor allem international: Neben Französisch unterhalten sich Besucher auf Deutsch und Englisch, auch Italienisch und Spanisch hört man häufig. Viele der Gäste kommen aus Asien. An markanten Punkten bleiben immer wieder Besucher stehen, so zum Beispiel beim großen beleuchteten Portal in der Rue du Vieux-Marché-aux-Poissons. Es begrüßt die Besucher in Straßburg – der "Hauptstadt von Weihnachten". Dort und vor dem Münster bilden sich Menschenansammlungen. Fast jeder will einen Schnappschuss mit nach Hause nehmen.

Sieht man sich um, so wirkt das lebendige Markttreiben, als wäre die Attacke im vergangenen Jahr nicht geschehen. Und doch: "Wir haben schon ein flaues Gefühl", erklärt eine Touristin aus Braunschweig gleich nach den Kontrollen gegenüber unserer Redaktion. Sie war bereits im Sommer mit ihrem Ehemann in Straßburg, nun wollen sie sich den Weihnachtsmarkt ansehen. "Wir fühlen uns durch die Kontrollen aber gut geschützt", meint ihr Mann.

Und tatsächlich: Immer wieder fallen die Sicherheitskräfte auf. Manche sehen aus wie Armee-Angehörige, andere tragen nur gelbe Westen und Namensschilder. Auch die Polizei läuft in Vierer-Gruppen durch die Gassen zwischen den Verkaufsständen – betont lässig. Ihre Gesichter wirken dabei angespannt, auf Fragen reagieren sie aber sehr freundlich. Nur fotografiert werden die Uniformträger nicht gerne.

Alternative Motive gibt es zu Hauf: Entlang der Grand Rue oder der Rue de Maroquin sind die Fronten der Häuser aufwendig dekoriert. Über die Straße spannen sich Lichtergirlanden, in den Platanen am Ufer der Ill scheinen große, orange-gelbe Sterne. Aus vielen Türen klingt Weihnachtsmusik.

Bewaffnete Polizei patrouilliert auf Straßen und Plätzen

"Vollkommen sicher ist man nie", findet die Elsässerin Caroline Hauser. Bereits im vergangenen Jahr hatte sie in den Tagen nach den Anschlägen mit unserer Zeitung gesprochen. Sie selbst sei noch nicht auf dem Weihnachtsmarkt gewesen, Freundinnen hätten ihr aber von vielen Bewaffneten berichtet. "Vergangenes Jahr waren die Sicherheitskräfte auch da und trotzdem konnte der Anschlag stattfinden", so die Elsässerin. Seit dem Attentat habe sie in der Stadt manchmal ein mulmiges Gefühl gehabt. Trotzdem: Sie habe es sich vorgenommen, noch auf den Weihnachtsmarkt zu gehen, so Hauser.

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