Offenburg Wasserstoffzug: Die Weichen für die Zukunft stellen

Ortenau - In der Ortenau soll der Schienenpersonennahverkehr (SPNV) zukünftig emissionsfrei sein. Aus diesem Grund wurde gestern bei einer Sonderfahrt der weltweit erste Wasserstoff-Triebzug auf der Fahrt von Offenburg nach Freudenstadt getestet.

Es weht ein kalter Wind am Mittwochmorgen auf Gleis 4 am Offenburger Bahnhof. Doch der "Stargast" des Tages ist schon in Sichtweite. Um kurz nach 11 Uhr ist es dann soweit. Der Coradia iLint der Firma Alstom, der weltweit erste Wasserstoff-Triebzug für den Regionalverkehr, fährt vor. Die geladenen Gäste, unter denen sich viele Kommunalpolitiker befinden, sowie die Medienvertreter dürfen in den Zug mit dem Brennstoffzellenantrieb einsteigen. "Schön warm hier drin", heißt es direkt aus dem Kreis der Mitfahrer nach Freundstadt im Schwarzwald.

Pünktlich um 11.24 Uhr setzt sich der blaue Zug in Bewegung – sanft und leise. Denn das ist einer der Vorteile des Fahrzeugs des französischen Transportunternehmens Alstom. Der zweite und in der heutigen Zeit wohl noch wichtigere: Der Zug fährt komplett emissionsfrei, das einzige Abfallprodukt, wenn man es denn so nennen mag, ist Wasser.

Gemeinsam mit Alstom organisiert hat die erste Fahrt ihrer Art in Baden-Württemberg die Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG (SWEG), die das Netz in der Ortenau betreibt. Noch in diesem Jahr wird das Netz dann vom Land neu ausgeschrieben. Im Rahmen einer zweiten Ausschreibung können sich allerdings zuvor Firmen mit Konzepten für emissionfreie Mobilität bewerben.

Region als Vorreiter für den ganzen Südwesten

Und diese soll im Ortenau-Netz, wo etwa die Hälfte der Strecke noch keine Oberleitung hat, laut Ausschreibung klimafreundlich sein. Sprich: Diesellokomotiven sollen ersetzt werden. Ob durch Züge mit Wasserstoff- oder Batterieantrieb ist allerdings noch nicht klar. "Es ist eine technologieoffene Ausschreibung", erklärt Uwe Lahl, Ministerialdirektor im Verkehrsministerium. Aller Voraussicht nach wird aber wohl in der Ortenau der erste Zug mit Brennstoffzellen- oder Batterieantrieb im Südwesten fahren.

Das freut natürlich auch Landrat Frank Scherer, der am Mittwoch zu den Fahrgästen gehörte. "Es ist ein hervorragendes Fahrgefühl", sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Und: "Ich glaube, dass diese Technologie eine Chance hat." Denn mit 1000 Kilometern Reichweite pro Tankfüllung komme der iLint genausoweit wie ein Dieselzug und eigne sich daher auch für längere Strecken ohne Oberleitung, wie Alstom Geschäftsführer für Deutschland und Österreich, Jörg Nikutta, erklärt.

Eine Kostprobe dafür gab der Zug seiner Firma, der bisher als Pilotprojekt im eher flachen Niedersachsen fährt, am Mittwoch. Denn auch die steigende Strecke von Offenburg nach Freudenstadt meisterte der Zug ohne Probleme und mit dem nötigen Komfort. Und auch eine weitere Feuertaufe besteht der Zug ohne Probleme: Es ist die erste Fahrt durch Schnee. "Jetzt muss ich mal noch ein Bild von meinem Zug im Schnee machen", ist Nikutta in Freudenstadt begeistert und zückt sein Handy. Gut möglich, dass er davon schon bald mehr als genug machen kann.

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