Offenburg Umdenken bei Rollenbildern

Auftakt zum Girls’ und Boys’ Day an der Hochschule Offenburg (von links): Prorektor Klemens Lorenz, Regina Geppert, Referent Armin Krohe-Amann, Wolfgang Schreiber und Christine Luchner von den Klosterschulen Offenburg Foto: Suwa Wortwahl Foto: Lahrer Zeitung

Mädchen für Technik- und Jungs für soziale Berufe begeistern – dieses Ziel verfolgen der Girls’ und der Boys’s Day. Bei einer Auftaktveranstaltung in der Hochschule Offenburg wurden nun Eltern, Betriebe und Schulen für das Thema sensibilisiert.

Offenburg (red/ljö). Schüler der Klassen fünf bis zehn aller Schularten im Ortenaukreis sind aufgerufen, den Girls’ und Boys’ Day am 28. April zur Erkundung von Berufen zu nutzen. Dazu fand am 24. Februar eine Impulsveranstaltung in der Hochschule Offenburg statt. Die Bündnisse Girls’ und Boys’ Day hatten Eltern, Lehrer, Ausbildende sowie pädagogische Fachkräfte aus der Jugendarbeit und Schulsozialarbeit eingeladen, sich im Vorfeld über die Ziele des Aktionstags zu informieren.

"Wir suchen nach wie vor Firmen, die den Schülern Plätze anbieten", sagte die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Offenburg, Regina Geppert. Mädchen sollen am Girls’ Day in gewerblich-technische Berufe schnuppern können, Jungen dagegen sollen für den Einstieg in sozial-pädagogische und pflegerische Berufe gewonnen werden.

Der Leiter der Tübinger Fachstelle Jungen- und Männerarbeit "Pfunzkerle", Armin Krohe-Amann, zeigte bei dem Treffen anhand einer Studie die Wirkung dieser Zukunftstage für Mädchen und Jungen als Baustein für die berufliche Orientierung auf. Er kam laut einer Mitteilung zu dem Fazit, dass vor allem an der Nachhaltigkeit des Informationstags gearbeitet werden müsse.

Eltern kommt Schlüsselrolle zu

Dazu gehörten vor allem eine bessere Vorbereitung der Jugendlichen in den Schulen als auch eine Nachbereitung in Form einer mehrmaligen Teilnahme an dem Aktionstag, um mehrere Berufe erkunden zu können. Dazu zählt Krohe-Amann auch die Girls’-Day-Akademie in Offenburg. Dort wird den Mädchen während des gesamten Schuljahrs eine vertiefende Berufsorientierung angeboten.

Eine Schlüsselrolle sah der Referent bei den Eltern: "Sie können ihre Töchter bestärken, einen technischen Beruf zu wählen." Damit zielte der Diplompädagoge auch auf den "gesellschaftlichen Kernprozess", der zunächst ein Umdenken bei der Frauenrolle erfordere. So könnten Erziehungszeiten für Kinder von beiden Geschlechtern übernommen werden und dürften sich nicht negativ auf die berufliche Karriere auswirken.

Wie Krohe-Amann berichtete, könnten sich 41 Prozent der Schülerinnen einen technischen Beruf vorstellen. Aber diese positive Resonanz schlage sich noch nicht in den Ausbildungszahlen nieder. Jungs seien im sozial-pädagogischen und pflegerischen Berufsumfeld aber "deutlich willkommener als Mädchen in sogenannten Männerberufen".

Der Prorektor der Hochschule Klemens Lorenz hatte eingangs von Aktivitäten berichtet, um mehr Frauen für die sogenannten Mint-Studiengänge (Mathematik, Ingenieure, Naturwissenschaften, Technik) zu gewinnen. Dazu diene auch das "Start-Ing"-Semester, in dem Frauen verschiedene Studiengänge kennenlernen und Praktika absolvieren können.

In der Ortenau gibt es den Mädchen-Zukunftstag seit 2004, den für Jungen seit 2011. Zu den Bündnispartnern zählen neben der Hochschule Kommunen, Kreis, Agentur für Arbeit, Schulamt, Bildungsregion und "BBQ Berufliche Bildung". "Wir wollen junge Menschen begleiten, nach ihren Fähigkeiten und Neigungen aus der Vielfalt von Berufen auszuwählen, sodass sie erfolgreich im Berufsleben sein können", betonte Regina Geppert. Vor allem Erzieher seien dünn gesät. Und es gebe immer weniger Lehrer an Grundschulen.

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