Offenburg Türsteher leidet sehr an Folgen der Tat

Viele Aspekte der Tat hatte das Landgericht im Prozess abzuwägen. Foto: Hatmann Foto: Lahrer Zeitung

Der Prozess zu einer Auto-Attacke vor einer Kehler Shisha-Bar im August 2018 endete mit einem rechtskräftigen Urteil, aber nicht mehr zur Anklage "versuchter Mord". Für zwei Jahre und drei Monate muss der Angeklagte hinter Gitter.

Offenburg/Kehl. Eine Sechs-Liter-Wodka-Flasche, Methusalem genannt, für 1500 Euro, ein Geschäftsmodell, das laut Strafkammer des Landgerichts in kürzester Zeit viel und teuren Alkohol ausschenkt und die Gäste noch zu ihren Autos begleitet, ein in Frankreich flüchtiger Angeklagter – der Prozess wegen versuchten Mordes, der nach dem Urteil am Amtsgericht hätte verhandelt werden können, hatte beachtlichen Stoff.

"Er gewährte Einblick in eine Lebenswelt, eine Lebensrealität und in ein Geschäftsmodell, das vorher schwer vorstellbar war", wie der Vorsitzende Richter Heinz Walter bei der Urteilsverkündung erklärte. Die Shisha-Bar "Honey Room" öffnet zwar bereits um 20 Uhr. So richtig feucht wird es jedoch erst ab Mitternacht. Zum 40-prozentigen Wodka werden Luftballons gefüllt mit Lachgas ausgegeben. "Es ist ein Lokal in Kehl von Franzosen für Franzosen, wie es in Straßburg nicht möglich wäre", so der Vorsitzende Richter.

Ein nun wegen vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilter Franzose kam am 24. August 2018 in Begleitung von zwei Frauen und zwei Männern in das Nachtlokal. Der 25-Jährige steuerte einen geklauten Renault Clio. Er verfügte über keine Fahrerlaubnis und hätte sich eigentlich in Frankreich im Knast aufhalten sollen. Als Freigänger im August 2018 war er aber nicht mehr in die Haftanstalt zurückgekehrt.

Laut Staatsanwaltschaft, die eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten beantragt hatte, ist der Franzose "keiner, der sich leicht fügt". Als gegen 4.30 Uhr in der Tatnacht, kurz vor dem offiziellen Schluss um 5 Uhr die fast ausgetrunkene Methusalem-Flasche zu Bruch ging, entschloss sich die Lokalleitung zur Räumung des Lokals. Das Licht wurde eingeschaltet.

Zwei Security-Mitarbeiter, darunter das spätere Opfer, begleiteten die Gäste auf den Parkplatz. Die Gruppe um den Angeklagten zeigte sich über den Abbruch nicht amüsiert. Trotz erheblichem Alkoholkonsum konnte der Angeklagte, der bübchenhaft im Gerichtssaal wirkte, das Lokal auf den Füßen verlassen. Schwankend und mit verwaschener Aussprache. Als ihm der Stress mit den Türstehern nicht gefiel, erklärte er jedoch deutlich, aus seinem Auto sein Pfefferspray zu holen.

Er parkte aus, hielt an, nahm seine weibliche Begleitung auf und fuhr dann auf einen der Türsteher zu, um diesen aus dem offenen Fahrerfenster mit Pfefferspray zu besprühen. Der 48-Jährige wurde gewarnt, drehte sich um und "geriet in die Fahrlinie des Autos", so die Strafkammer. Der im Hauptberuf als Soldat tätige Türsteher knallte auf die Motorhaube und mit der Stirn auf die Windschutzscheibe, die zersplitterte.

Der Türsteher erlitt Prellungen, Schürfungen und Schnittwunden im Gesicht. In zahlreichen Operationen wurden ihm die Splitter aus dem Gesicht entfernt. Den letzten Splitter, an den ein Arzt sich nicht heranwagte, holte sich der Soldat selbst heraus. Ein Schneidezahn zerbrach und musste durch ein Implantat ersetzt werden. Aufgrund der körperlichen wie psychischen Folgen hat der Soldat, so das Landgericht, kaum noch Beförderungschancen.

Nach der Attacke raste der Angeklagte auf das Ende der Sackgasse zu. Das Kreischen der Frauen im Wagen ließ ihn wieder bremsen. Er wendete wieder und raste davon – zwei Kilometer, bis er den Wagen auf Eisenbahnschienen setzte. Die Insassen flüchteten zu Fuß.

Bereits in den Plädoyers war klar geworden, dass die Attacke mit dem Auto nicht als versuchter Mord zu werten war. "Er wollte ihn nicht töten", so die Schwurgerichtskammer. Der 25-Jährige blieb nach der Tat auf der Flucht, bis er im Juli 2019 in Kehl bei einer Kontrolle festgenommen wurde. Das Urteil ist rechtskräftig.

  • Bewertung
    0