Offenburg Tourismusbranche in der Krise

Ortenau - Das Landratsamt verkündete 2019 noch Tourismusrekorde, doch Corona machte dem Erfolgstrend ein Ende: Rund 60 Prozent Einbußen sind zu erwarten. Insgesamt hängen rund 84 000 Arbeitsplätze im Ortenaukreis direkt am Tourismus. Angefangen hatte dieses Jahr noch erfolgreich: Der Ortenaukreis verzeichnete im Vergleich zu Februar 2019 eine Steigerung der touristischen Ankünfte von mehr als 20 Prozent und einen Zuwachs an Übernachtungen von rund 25 Prozent, berichtet die Kreisverwaltung in einer Vorlage für den Kultur- und Bildungsausschuss. Diese wurde in seiner Sitzung am Dienstag über die aktuelle Lage – die katastrophalen Auswirkungen des sogenannten "Shutdowns" – informiert.

So gingen im März die Ankünfte und Übernachtungen aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie im Ortenaukreis um knapp 60 Prozent zurück. Der totale "Shutdown" führte im April sogar zu einem Einbruch um 97 Prozent. Trotz der Wiedereröffnung der Betriebe herrsche neben dem Rückgang der ausländischen Gäste vor allem im starken Segment des Tagestourismus deutliche Nachfrageeinbrüche, so die Kreisverwaltung.

Landratsamt will gerade Tagestouristen anlocken

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) bestätigte diese Einbrüche: An Pfingsten lagen bei zwei von drei Betrieben die Umsätze bei weniger als 25 Prozent des Vorjahresniveaus und die Buchungsanfragen für die ertragreichen Sommermonate sind bisher sehr verhalten. Insgesamt rechnet der Dehoga mit einem Umsatzrückgang der Hoteliers um durchschnittlich 59 Prozent.

Konkret könnte das für die Ortenauer ein Multi-Millionen-Defizit bedeuten: Der Tourismus sei durch den 2019 erzielten Bruttoumsatz von rund 1,3 Milliarden Euro und einer Gesamtwertschöpfung von mehr als 600 Millionen Euro ein bestimmender Wirtschaftsfaktor der Region, so die Vorlage. Die Tourismuswirtschaft im Ortenaukreis sei sehr wichtig, betonte daher auch Landrat Frank Scherer in der Ausschusssitzung.

Deutlich machen das die Besucherzahlen: Vor allem die jährlich mehr als 20 Millionen Tagesgäste tragen einen großen Teil zum erzielten Umsatz bei. Insgesamt seien 84 000 Arbeitsplätze im Ortenaukreis direkt auf den Tourismus zurückzuführen, betonte Landrat Scherer in der Ausschusssitzung und ergänzte: "Jeder siebte Arbeitsplatz ist bei uns vom Tourismus abhängig."

Daher sei das Tourismus-Team des Landratsamt in den vergangenen Wochen daran gewesen, gerade die Tagestouristen wieder in die Ortenau zu locken. Dabei wurden verschiedene Maßnahmen erarbeitet: So beispielsweise die Medien-Kampagne "Kuck Kuck". Gemeinsam wollen die Kommunen mit der Schwarzwald Tourismus Gesellschaft den "größtmöglichen Mediendruck für die Wiederbelebung des Tourismus im Schwarzwald" schaffen. Das Projekt "Die Tore der Zeit" soll Burgen und Schlösser beiderseits des Rheins besser vermarkten. Dabei arbeitet der Ortenaukreis mit dem Département Bas-Rhin und dem Illustrator der "Herr der Ringe"-Saga, John Howe, zusammen. Zudem soll der Radfahrwettbewerb Stadtradeln für Aufmerksamkeit sorgen. Auch von den insgesamt 14 neuen Weinrundwanderwegen und der Neugestaltung des Ortenauer Weinpfads erhoffen sich die Touristiker.

Nun hoffe man natürlich, dass die Menschen verstärkt in der Heimat Urlaub machen würden, so Landrat Scherer weiter. Nur, einen Nachholeffekt wie in anderen Branchen werde es hier nicht geben, ist er sich sicher. Auch der Blick auf die Buchungszahlen für den Sommer, so Scherer, seien nicht ermutigend: "Da sieht es noch sehr mau aus."

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das kreiseigene Freilichtmuseum Vogtsbauernhof in Gutach das 13. Mal in Folge Gewinne. Damit sei nun leider vorerst Schluss, erklärte Geschäftsführerin Margit Langer vor dem Ausschuss für Bildung und Kultur am Dienstagnachmittag. Denn der "Shutdown" beutelte in diesem Jahr auch den Museumsbetrieb heftig: Infolge der Corona-Pandemie konnte es erst am 10. Mai die Saison mit einer Verzögerung von sechs Wochen eröffnen.

    Es gelten nach wie vor Hygiene-Maßnahmen, die den Normalbetrieb verhindern. Aufgrund des Corona-Einbruchs erwartet die Kreisverwaltung einen Verlust von rund 1,2 Millionen Euro. Trotz Einsparungen und Investitionen, die verschoben werden, klafft im Haushaltsplan eine rechnerische Lücke von rund 620 000 Euro, die mit den erwirtschafteten Abschreibungen in den Folgejahren gedeckt werden sollen. Der Ausschuss sprach sich für die Anpassung des Finanzplans und der Ausweitung des Kassenkredits für das Museum auf einer Million Euro zu, um dieses vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren. Die Finanzierung der Investitionen der Jahre 2021 und 2022 sollen nun nur über Kredite erfolgen.

       Das Lob für die Arbeit von Langer und ihrem Team fiel dabei groß aus. Es sei wie in einer guten Ehe, formulierte Günther Klasen die Zustimmung der Grünen-Fraktion: "Wir versprechen Ihnen, wir stehen zu Ihnen – in guten und auch sehr schlechten Zeiten"

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