Offenburg So wird Weinbau-Abwasser sauber

Die stolzen Mitglieder des Konsortiums »Photopur« machen eine neuartige und umweltfreundliche Weinbaugerätereinigung möglich. Foto: Hochschule Offenburg

Offenburg - Das Konsortium "Photopur", zu dem auch die Hochschule Offenburg gehört, hat einen Prototyp entwickelt, der Abwasser aus Weinbergen von Pflanzenschutzmittel-Rückständen reinigt.

Warme Temperaturen sind gut für Weinherstellung 

Die derzeit warmen Temperaturen sind gut für einen edlen Tropfen, beflügeln aber auch den Schädlings- und Pilzbefall der Reben, der nur mit Pflanzenschutzmitteln zu bekämpfen ist. Diese Substanzen werden durch Regen allerdings auch in naheliegende Gewässer gespült. Und auch beim Reinigen der Sprühgeräte kann das Gift in die Abwässer gelangen und somit Bäche und Seen verunreinigen.

Um dies zu vermeiden, haben die Wissenschaftler von "Photopur" ein neues Verfahren zur Abwasserreinigung entwickelt. Bei der Photokatalyse wird durch UV-Licht eine chemische Reaktion ausgelöst, die organische Verbindungen abbaut. Übrig bleiben unbedenkliche Abbauprodukte. Dafür wird das Reinigungswasser in einen Tank am Gerät gefüllt und vorgefiltert. Von dort aus zirkuliert es so lange langsam an dem Photokatalysator vorbei durch den Reaktor, bis es gereinigt ist.

Verfahren soll bald markttauglich werden

Die Energieversorgung, Prozesstechnik und -automation wurden am Institut für Energiesystemtechnik der Hochschule Offenburg in zwei Bachelorarbeiten entwickelt und anschließend zum Demosystem ausgebaut. Dieses wurde zuletzt noch um das Reaktormodul für den photokatalytischen Prozess erweitert. Nun ist das Gesamtsystem als mobile Einheit verfügbar und wurde den Partnern für intensive Freiland-Tests übergeben.

Mit dem Prototyp haben die Winzer nun eine Möglichkeit, ihre Pflanzenschutzgeräte umweltfreundlich und mobil zu reinigen und somit den Eintrag der schädlichen Stoffe in die Gewässer zu reduzieren. Ökosysteme in Bächen, Teichen und Seen sowie Trinkwasserreservoirs wären direkt positiv betroffen.

Gerät lange und ohne Strom einsetzbar 

"Der Einsatz unseres Geräts ist nachhaltig", unterstreichen Elmar Bollin, der das Projekt bis zu seinem Ruhestand geleitet hat, und sein Nachfolger Michael Schmidt. Der Photokatalysator brauche sich während der Reaktion nicht auf und sei somit theoretisch für eine unbegrenzte Zeit einsetzbar. Auch sei das Gerät energieautark und benötige keine Stromversorgung vom Netz, um Pumpen, Motoren oder Steuerung zu betreiben. Überschüssige Energie werde für den späteren Gebrauch in modernen Hochleistungsakkus gespeichert.

Ziel sei es, gemeinsam mit einem Anlagenbauer das Gerät bedienerfreundlicher zu gestalten. In zwei Jahren soll das Gerät dann nicht nur im Weinbau, sondern in allen landwirtschaftlichen Betrieben und in Gärtnereien zum Einsatz kommen können.

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