Offenburg Rufe hallen durch den Winterwald

Waldkäuze verschmelzen aufgrund der Färbung ihres Gefieders regelrecht mit der Rinde der Bäume, in denen sie hausen. Foto: Nabu

Ortenau - Die Balzrufe des Waldkauzes sorgen derzeit auch in der Ortenau für ein besonderes Schauspiel – quasi vor der eigenen Haustüre. Wer früh morgens oder abends in der Dämmerung am Waldrand genau lauscht, kann sie umeinander werben hören.

Etwas Glück und Geduld braucht es laut dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) trotzdem. Am Besten stünden die Chancen in der Dämmerung. Vor allem alte Bäume in der Nähe von Waldstücken oder große Parks sind bei den mittelgroßen Eulen beliebt. "Besonders eindrucksvoll ist es, ihre Rufe in der Dunkelheit aus nächster Nähe zu hören", heißt es in einer Mitteilung.

Das Männchen rufe durchdringend sein hallendes "Huu-hu-huhuhuhuuuuu", das Weibchen antworte etwas rauer – ein Krimi-Duett mit Gänsehautgarantie, wie es oft in entsprechenden Filmen erklingt, so der Nabu. Mit ihrem Gesang weisen Käuze der "Dame ihres Herzens" den Weg zu geeigneten Bruthöhlen. Diese antwortet oft mit einem schrillen und scharfen "Ku-wItt".

Waldkäuze sind vor allem in windstillen Nächten zu hören

Das Werben erneuert bei bereits bestehenden Partnerschaften die Paarbildung, wer unverpaart ist, sucht ein neues Pendant. Einmal verbunden, hält die Eulen-Ehe meist ein Leben lang. Doch nicht nur die Partner verständigen sich mit ihren nächtlichen Tönen, auch die Reviernachbarn halten sich so auf Abstand.

Waldkäuze sind generell sehr ruffreudig, besonders in trockenen, windstillen Nächten sind sie zu hören. Auch ausdauernd sind die Tiere: Die Balz beginnt bereits im Herbst und dauert den ganzen Winter bis ins zeitige Frühjahr hinein. Anschließend wird gebrütet.

War das Werben erfolgreich, liegen wenig später zwei bis vier Eier im Nest, die das Weibchen alleine ausbrütet. Das Männchen macht nur in Brutpausen und zur Nahrungsübergabe eine Stippvisite. "Es verteidigt das Revier jedoch mit allen Kräften. Störenfriede werden im Flug angegriffen", sagt Martin Klatt vom Nabu Baden-Württemberg.

Nach drei Monaten bereits selbstständig

Nach vier Wochen schlüpfen die Küken, etwa einen Monat später sitzen sie als "Ästlinge" meist auf Zweigen in der Nähe. "Sie wirken oft scheinbar verlassen, können aber nur einfach noch nicht fliegen", erklärt Klett.

Mit etwa drei Monaten sind sie selbstständig, im Herbst vertreiben die Elternvögel sie aus dem Revier und schon im darauffolgenden Jahr gründet der Nachwuchs in einem Nachbarrevier seine eigene Familie – und das Krimi-Duett kann von Neuem beginnen.

Fakten rund um den Waldkauz

Aussehen: 40 bis 42 cm lang mit kompaktem Körperbau, gut getarnt dank rindenfarbigem Gefieder, große dunkle Knopfaugen, gelber, gekrümmter Schnabel.

 Nistplätze: Gern bezieht er große Bruthöhlen in alten Bäumen. Auch geschützte Nischen, mitunter sogar an Gebäuden, werden bezogen.

 Besonderheiten: Mittelgroße Eulenart, fliegt nahezu geräuschlos.

 Vorkommen: Der Waldkauz ist unsere häufigste einheimische Eulenart. Er kommt in ganz Baden-Württemberg nahezu überall vor. Im Südwesten leben rund 8000 Brutpaare. Auch in städtischen Parkanlagen, Gärten oder auf Friedhöfen hört man ihn rufen.

 Nahrung: Er ernährt sich von allerlei Kleinsäugern, verschmäht aber auch kleine Vögel oder gar Würmer nicht.

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