Offenburg Richter appelliert an Angeklagten

In Hand- und Fußfesseln wurde der Angeklagte am Donnerstag von Justizbeamten in den Gerichtssaal geführt. Foto: Armbruster Foto: Lahrer Zeitung

Der Angeklagte im Arztmord-Prozess bestreitet auch weiterhin, die Tat begangen zu haben – trotz des richterlichen Appells, seine Haltung zu überdenken. Neben dem psychiatrischen Gutachten kam auch die Rechtsmedizin zu Wort.

Offenburg. Nachdem am fünften Prozess im Offenburger Landgericht der psychiatrische Sachverständige sein Gutachten vortrug, wurde Gewissheit, was die Zeugenaussagen und das Verhalten des Beschuldigten bereits nahe legten: der mutmaßliche Mörder des Offenburger Arztes ist psychisch krank. Die Diagnose lautete "paranoide Schizophrenie" (wir berichteten).

Absolute Stille herrschte im Raum als der medizinische Gutachter seinen Bericht begann. Im Detail schilderte er, in welchem Zustand er das Opfer am Tatort vorfand. Die Gesichter der Zuhörer – auf der Richterbank als auch im Publikum – waren von Entsetzen gezeichnet. Mit größter Brutalität habe der Täter auf den Mediziner eingestochen. 30 Schnitt- und Stichverletzungen habe das Opfer davon getragen – sieben am Kopf und zehn am Hals. Zum Tod habe der massive Blutverlust geführt.

Der Angeklagte fühlte sich verfolgt und bedroht

Die beim Angeklagten nach der Verhaftung festgestellten Handverletzungen würden, laut Experte, zur Tatwaffe und der Wucht, mit der auf das Opfer eingestochen wurde, passen. Den Ausführungen des Rechtsmediziners lauschte der Angeklagte schweigend, beinahe unbeteiligt.

Der vorsitzende Richter forderte den Angeklagten nachdrücklich dazu auf, seine Einstellung zu überdenken. Die Beweise hätten den Verdacht gegenüber dem Beschuldigten verdichtet. "Alles was wir gehört haben, spricht dafür", so der Richter. "Es geht um sehr viel für Sie". Auch für die Hinterbliebenen gehe es um viel, weil sie nicht begreifen könnten, wieso ihnen der Mann oder der Vater genommen wurde. Der Angeklagte blieb bei seiner Unschuldsbeteuerung. Sichtlich frustriert endete der Vorsitzende seinen Appell: "Es ist wenig sinnvoll, bei diesen Beweisen zu sagen: Ich war es nicht".

Die meisten Zeugenaussagen drehten sich am Donnerstag aber um die geistige Gesundheit des Angeklagten. Unter anderem wurden Mitarbeiter der Stadt, die mit ihm Kontakt hatten, befragt. Diese beschrieben den Beschuldigten als wortkarg, aber sonst nicht sonderlich auffallend. Ihnen war jedoch im Gedächtnis geblieben, dass der mutmaßliche Täter auch im Sommer oft in Winterjacke und Strickmütze unterwegs war.

Mit der Diagnose Schizophrenie bestätigte sich auch die Vermutung des 69-jährigen Rentners, der den Angeklagten in den Jahren 2016 und 2017 ehrenamtlich begleitete. Der ehemalige Sozialarbeiter habe zunächst einen positiven Eindruck des Angeklagten bekommen. Der Senior habe ihm geholfen zwei Jobs zu bekommen: in einer Auto-Werkstatt und später in einem Kunststoffunternehmen.

Dann hätten jedoch die Probleme begonnen: der Angeklagte habe sich verfolgt gefühlt, er habe die Vorstellung gehabt, dass ihm sein Chef Böses wolle und jemand seine persönlichen Daten im Internet verbreite. "Auch mir gegenüber war immer mehr Misstrauen da", erinnert sich der Rentner. Die Aussage eines früheren Chefs des Beschuldigten bestätigte dies. Der Kontakt sei dann auch immer sporadischer geworden und schließlich abgebrochen. "Ich nehme an, er hat eine posttraumatische Belastungsstörung", sagte der 69-Jährige abschließend.

Die Plädoyers werden am 21. Februar gehalten. Das Urteil im Mord-Prozess wird für den 12. März erwartet. Bei der Gelegenheit hat auch der Angeklagte das letzte Wort.

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