Offenburg Raubt Corona Ortenauern den Schlaf?

Wer schlecht schläft, ist tagsüber oft weniger leistungsfähig. Vor allem chronische Schlafstörungen könnten die Leistungsfähigkeit des Betroffenen sogar so stark einschränken, dass sie zu Unfällen führen, erklärt der Mediziner Hans-Peter Zipp. Foto: AOK

Ortenau - Gesunder Schlaf ist wichtig, doch immer mehr Menschen haben Probleme genug davon zu bekommen. Rund 7000 Ortenauer Versicherte zählt die AOK, die wegen dieses Problems in ärztlicher Behandlung sind – Tendenz stark steigend.

Immer mehr Menschen leiden unter Schlafstörungen. Das meldet die AOK Südlicher Oberrhein. Einer Auswertung der Krankenkasse zufolge wurden allein im Ortenaukreis 2019 mehr als 7000 ihrer Versicherten um den Schlaf gebracht – Tendenz stark steigend. Das wird auch im Fünf-Jahresvergleich deutlich. "2015 zählten wir noch 5663 Versicherte, die wegen massiver Schlafstörungen ihren Arzt um Hilfe baten", berichtet Tobias Rauber, Leiter des AOK-Kundencenters in Offenburg.

Rund vier Prozent der Versicherten waren 2019 wegen Schlafstörungen in ambulanter oder stationärer Behandlung. Das entspricht im Fünf-Jahresvergleich einem mittleren jährlichen Zuwachs von vier Prozent. Zwar werden Schlaf- und Einschlafstörungen schon im Kinder- und Jugendalter festgestellt, "die größten Ausschläge gibt es dann aber in den Altersklassen 55 bis 69 Jahre", so Rauber.

Doch was raubt unter anderem den Ortenauern den Schlaf? Die Ursachen können unterschiedlich sein. "Dazu zählen Stress, Lärm und Sorgen, aber auch hormonelle Veränderungen, Erkrankungen, Medikamente, Alkohol oder Drogen", erklärt AOK-Mediziner Hans-Peter Zipp. Er vermutet hinter dem Anstieg von Schlafstörungen auch Termin- und Leistungsdruck, aber auch der Glaube, immer und überall erreichbar sein zu müssen sowie zu viel abendliche TV- und Computer-Nutzung (siehe Info).

Mediziner rät von Schlafmitteln ab

"Ich bin davon überzeugt, dass Corona diese Zahlen weiter stark steigen lässt", erklärt Tobias Rauber. "Viele Menschen nehmen die Sorge um die eigene Gesundheit oder um die der Angehörigen mit ins Bett und immer wieder kreisen ihre Gedanken um die Fragen, wie es weitergeht und ob sie gesund durch die Pandemie kommen werden."

Mit ärztlicher Hilfe können die Gründe für Schlafstörungen herausgefunden und Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. "Bei erheblichen Schlafstörungen und Schlafmangel kann eine Untersuchung in einem Schlaflabor helfen", so der Arzt.

Es gibt vieles was ausprobiert werden kann, um wieder besser zu schlafen. Dazu gehören Entspannungstechniken oder eine Veränderung der Schlafgewohnheiten. Mit zu den am häufigsten eingesetzten Hausmittel zählen zum Beispiel ein Glas warme Milch oder Baldriantee, körperliche Bewegung oder ein heißes Bad.

"Auf verschreibungspflichtige Schlafmittel sollte nach Möglichkeit verzichtet werden", rät Zipp. "Auf verschreibungspflichtige Schlafmittel sollte nach Möglichkeit verzichtet werden." Diese hätten zahlreiche Nebenwirkungen und machen schnell abhängig. "Viele Menschen sind auch am Tag nach der Einnahme noch schläfrig und unkonzentriert. Das kann bei älteren Menschen das Sturzrisiko erhöhen", so der Experte.

Eine von der AOK in Auftrag gegebene Forsa-Studie zeigt, dass zwei Drittel der Baden-Württemberger ab 18 Jahre abends einen Computer, einen Laptop, ein Tablet oder ein Smartphone nutzen. 44 Prozent von diesen schalten es erst unmittelbar vor dem zu Bett gehen aus, 23 Prozent nehmen es sogar mit ins Bett. Laut AOK-Mediziner Hans-Peter Zipp ist dieser Medienkonsum eine mögliche Ursache für die Schlaflosigkeit vieler Betroffenen.

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