Offenburg Ortenau-Klinikum geht von 19 Millionen Euro Verlust in zwei Jahren aus

In der Eingangstür zur St. Josefsklinik spiegelt sich ein Gebäudetrakt des 1956 eröffneten Hauses im Westen Offenburgs, das Teil des Ortenau-Klinikums ist. 2030 soll der Standort – wie andere auch – aufgegeben werden. Foto: Merck

Ortenau - Es gibt sowohl positive als auch negative Effekte und jede Menge Unsicherheit: Dennoch ist Christian Keller, Geschäftsführer des Ortenau-Klinikums, überzeugt, einen kaufmännisch sauberen Wirtschaftsplan ausgearbeitet zu haben.

"Wir sind mitten in der Umbruchphase", erläuterte Keller in einem Pressegespräch. Das gelte sowohl für die strukturellen Änderungen etwa mit der Verlagerung der Orthopädie vom Standort Gegenbach nach Kehl als auch für die wirtschaftlichen Eckdaten. Daher kommen für den Geschäftsführer die erwarteten Planverluste von 11,2 Millionen Euro im kommenden und 7,7 Millionen Euro im übernächsten Jahr auch nicht überraschend. Das sei schon 2016 so berechnet worden.

Investitionen von mehr als 82 Millionen Euro für die Bestandssicherung

Der erwartet Verlust ist aber nur eine Seite der Medaille: In den kommenden zwei Jahren will das Ortenau-Klinikum laut Vermögensplan mehr als 82 Millionen Euro investieren. Zu den großen Brocken zählen da die interdisziplinäre Notaufnahme in Lahr mit 3,6 Millionen Euro, die Nachfinanzierung des OP in Ettenheim, die Sanierung der Haustechnik in Achern mit 4,5 Millionen und mehrere Arbeiten an den Standorten in Offenburg und Kehl für zusammen 37 Millionen Euro. Ein Grund für diesen großen Kostenpunkt ist die Verlegung von Abteilungen und der Ausbau von OP-Möglichkeiten. Diese Investitionen stehen dabei nicht unmittelbar mit der Agenda 2030 im Zusammenhang, sondern dienen der Umstrukturierung nach dem sogenannten Modell Landrat.

Durch die Schließung des Standorts Gengenbach inklusive der Verlegung der Fachabteilung verfügt der Klinikverbund nun über 104 Betten weniger. Das wolle man nutzen, um die Auslastung in allen Häusern zu erhöhen, deutete Keller an. Denn an den jährlichen Fallzahlen werde sich kaum etwas ändern: 2018 dürften es 78 000 sein, im kommenden Jahr rechnet Keller mit nur knapp 1000 weniger.

Ein leichtes Plus verspricht sich der Geschäftsführer beim Personal. Zwar werde einiges durch Umschichtungen zwischen den Funktionsbereichen abgefedert, das lasse sich im ärztlichen Sektor jedoch nicht bewerkstelligen. "Wir müssen vermehrt auf Leih-Ärzte bauen, obwohl das nicht unser Wunsch nicht." Denn zum einen wären die in der Bezahlung teurer, zum anderen identifizierten sie sich nicht mit dem Klinikum, erläuterte Keller in einem Gespräch am Vormittag. Am Nachmittag präsentierte er den Wirtschaftsplan dem Ausschuss für Gesundheit und Kliniken (AGK).

Dort stießen die Aussagen des Geschäftsführers auf eine positive Resonanz, und auch die prognostizierten Verluste wurden als verständlich erachtet. Bei einer Enthaltung empfahl der Ausschuss daher dem Kreistag die Annahme des Plans. Am Dienstag, 18. Dezember, um 15 Uhr hat der seine nächste Sitzung.

  • Bewertung
    0