Offenburg Offenburg-Debatte kocht weiter hoch

In der Diskussion um den Neubau eines Krankenhauses in Offenburg kochen die Emotionen hoch. Doch Landrat Scherer glaubt nicht, dass deshalb die schmerzhafte Debatte um die Agenda 2030 nochmals neu aufbricht. Am 7. Mai wird entschieden.

Lahr/Offenburg. Offenburg braucht ein neues Krankenhaus, weil die beiden bisherigen nicht vernünftig ausbaubar sind. Für den Standort dieser neuen Klinik gab es zuletzt zwei Optionen: Holderstock und Windschläg, jeweils im Norden Offenburgs gelegen. Windschläg ist nun aber aus dem Rennen und genau das löst im nördlichen Kreisgebiet hitzige Debatten aus. Der Vorwurf: Im Landratsamt, beziehungsweise in dessen Klinik-Verbund, sei der Standort Windschläg nur ein Alibi gewesen und man habe Holderstock von vornherein für den Neubau favorisiert.

Wie reagiert der Landrat?

Er ist gelinde gesagt sauer. Dass Windschläg nur ein Alibi-Standort gewesen sei, sei "völliger Murks". Man habe mit Nichts hinterm Berg gehalten. Doch die gründlichere Betrachtung der beiden Standorte habe einfach nahe gelegt, dass Windschläg "faktisch unmöglich" geworden sei.

Weshalb das?

Gegen Windschläg spreche, dass sich der neue Offenburger Bahntunnel um bis zu zwei Jahre verzögern würde und viele Millionen Euro zusätzlich für einen Bahnhalt nötig würden. Außerdem gebe es dort in der Nähe eine Gießerei, deren Gestank direkt in Richtung des geplanten Krankenhauses ziehen würde.

Kommt kein anderer Standort in Frage, vielleicht außerhalb von Offenburg?

Nein, sagt der Landrat. In der grundlegenden Klinik-Entscheidung des Kreistages vorigen Sommer sei klar geregelt geworden, dass ein neues Krankenhaus in Offenburg zu bauen sei. Nirgends anders. Es waren jüngst Stimmen laut geworden, die eine neue Debatte um den Standort forderten.

Reißt jetzt alles neu auf?

Frank Scherer erwartet nicht, dass die Debatte die ganze harte, hitzige Diskussion um die Agenda 2030, also die Schließung vieler kleiner Häuser im Kreis, neu befeuert. Er schätzt, dass die Entscheidung zugunsten von Holderstock in Klinik-Ausschuss und Kreistag nach Ostern durchgeht. Er sehe keine Mehrheit im Kreistag, alles nochmals neu aufzureißen, was 2018 mühsam beschlossen worden sei.

Warum dann der Wirbel?

"Es geht vor allem darum, Aufregung zu erzeugen", pfeffert Scherer seinen Kritikern entgegen. Wir hatten berichtet, dass sich Kreistagsmitglieder zu Wort gemeldet und eine Hau-Ruck-Entscheidung moniert hatten. Scherer hält nun dagegen. "Diktatorische Züge", die ihm vorgeworfen worden seien, könne er an sich nicht feststellen.

Und was läuft in Lahr?

Das Klinikum in Lahr bleibt ein sogenanntes Haus der Maximalversorgung, also der besten Krankenhaus-Klasse. Ganz unabhängig von der Offenburger Standort-Debatte würden aktuell die Planungen für die Lahrer Sanierungen und Ausbauten laufen, erklärte Klinikum-Geschäftsführer Christian Keller auf Nachfrage unserer Zeitung bei einem Pressegespräch am Montag. Da gebe es keinen Stillstand. Lahrs OB Wolfgang G. Müller hatte zuletzt die Lahrer Politik aufgefordert, diese Pläne wachsam zu verfolgen und die Interessen Lahrs stark zu vertreten.

Was läuft in Ettenheim?

Dieses Krankenhaus soll laut Grundsatzbeschluss bis 2030 geschlossen werden, sofern eine erneute Überprüfung bis 2015 nichts anderes ergibt. Bis dorthin werde aber investiert, versicherte Klinik-Chef Keller gegenüber unserer Zeitung. Man sei für Ettenheim "auf einem guten Weg, das Krankenhaus funktioniert stabil". Zunächst gehe es darum, frei werdende Personalstellen bei führendem medizinischen Personal neu besetzt zu bekommen. Da gebe es noch 2019 "Bedarf an Entscheidungen". Man wolle "die Chance für die Überprüfung wahren", betonte Landrat Scherer in diesem Zusammenhang.

Voriges Jahr wurde der Grundsatzbeschluss zu den Kliniken im Landkreis getroffen. Bis 2025 soll es nun zu einer Überprüfung kommen, welche Kliniken vielleicht doch noch länger offen bleiben. Ettenheim, zum Beispiel. Diese Überprüfung wird aber nicht erst 2023 oder 2024 laufen, sondern schon früher, schätzt die CDU im Kreistag. Ihr Sprecher Wolfgang Brucker meint, dass wegen Fördergeld-Anträgen viel eher klar sein müsse, welche Klinik bis 2030 tatsächlich dicht gemacht wird.

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