Offenburg Obstbau: Mundraub ist nicht erlaubt

Ortenau - Deutlich früher als in den vergangenen Jahren beginnt diesmal die Apfelernte in der Ortenau. Für manche Bäume kommt sie fast zu spät: Ihre Äste biegen sich unter der Fruchtlast bis zum Brechen.

"Es ist ein besonderes Apfeljahr", sagt Barbara Ennemoser. Die Gartenbauingenieurin in Diensten des Ortenaukreises verrät auch, warum dies so ist: "In Folge der Spätfrostereignisse im Frühjahr 2017 waren die meisten Kernobstbäume in der letzten Saison praktisch leer." Doch darauf hätten die Bäume reagiert. Fachleute bezeichnen das Phänomen als "Alternanz". Daher sei der Blütenbesatz in diesem Jahr sei sehr hoch gewesen. "Die Bäume hängen nun brechend voll", sagt die Obstbauberaterin.

Besonders stark sei das in Hausgärten und Streuobstwiesen zu erkennen. Denn da sei – im Gegensatz zu den größeren Anlagen – im vergangenen Jahr nicht mit Frostschutzmitteln gearbeitet worden. Dort ist die Ausbeute auch groß, aber eben nicht so viel größer als sonst.

Der Unterschied zwischen wirtschaftlich genutzten Anbauflächen und Streuobstwiesen zeige sich auch beim Behang. Im Erwerbsanbau wird Überbehang reguliert, "die Früchte werden ausgedünnt mit dem Ziel eines regelmäßigen Fruchtbehangs, möglichst ohne Schwankung von Jahr zu Jahr", erläutert Barbara Ennemoser.

Dennoch zieht auch Wendelin Obrecht, Vorsitzender des Obstgroßmarkts Oberkirch, eine positive Zwischenbilanz: Er spricht von einer reichlichen Ernte in "bester Qualität". Allerdings ist dieses Jahr auch für ihn etwas Besonderes: "Wir haben schon mit der Ernte der Hauptsorten begonnen." Das Zeitfenster sei um zwei bis drei Wochen nach vorn verschoben worden. "Elstar und Gala sind sogar schon geerntet."

Die gute Ausbeute sei eine Auswirkung des warmen Sommers, berichtet Obrecht. Ohne Bewässerung wäre das Ergebnis jedoch nicht so positiv. "Im Ertragsobstbau werden etwa 80 Prozent der Flächen bedarfsgerecht bewässert." Da, wo das nicht der Fall sei, seien die Früchte bloß etwas kleiner.

Für 2019 sieht Obrecht aufgrund der langen Trockenheit trotzdem keine gravierenden Probleme für die Apfelbäume im Landkreis. Auch Barbare Ennemoser gibt sich zuversichtlich. Allerdings schränkt sie ein: " Je nach Standort, Bodenart und Tiefgründigkeit der Wurzel des Baumes leiden die Pflanzen mehr oder weniger stark unter der Trockenheit." Besonders stark betroffen seien jüngere Bäume und Gehölze auf leichten sandigen Böden, die ein geringes Wasserspeichervermögen besitzen. "Sie haben eindeutig Stress", sagt die Expertin.

Erste Anzeichen gebe auch: "Äpfel beginnen bereits im Juni mit der Anlage der Blütenknospen fürs Folgejahr. Es steht zu befürchten, dass die Bäume in diesem Jahr wenig Energie erübrigen können für die Blütenknospenanlage für 2019."

Obwohl es sehr viele Äpfel gibt: Einfach vom Baum pflücken oder Fallobst aufsammeln ist nicht erlaubt. Darauf weist das Landratsamt hin. Lediglich bei wildlebenden Pflanzen – außerhalb von Naturschutzflächen – dürfe man Früchte "in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen".

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