Offenburg "Notfallversorgung ist gewährleistet"

Das Ortenau-Klinikum hat die Intensivstation der St. Josefsklinik in Offenburg vorerst auf unbestimmte Zeit mit der Klinik am Ebertplatz zusammengelegt. Coronabedingter Personalmangel nennt der Klinikverbund als eine Ursache. Foto: Armbruster

Offenburg - Das Ortenau-Klinikum hat die Intensivstation in der Offenburger St. Josefsklinik bereits seit Neujahr geschlossen. Die Linke Liste sieht eine verfehlte Personalpolitik als Ursache. Dem widerspricht das Klinikum: Corona führe zu einem Personalengpass.

Das Klinikum spricht auf Nachfrage unserer Zeitung von einem eher rein formalen Akt: Die beiden internistischen Intensivstationen (St. Josefsklinik und Ebertplatz) seien an der Betriebsstelle Ebertplatz zu einer großen Intensivstation zusammengelegt worden, teilt Klinik-Sprecher Christian Eggersglüß am Montag mit. Sie hätten ohnehin gemeinsame Stellen- und Dienstpläne. Über die Dauer der Zusammenlegung entscheide der Zentrale Krisenstab des Klinikums.

Aktuelle Pandemie-Situation belastet das Ortenau-Klinikum schwer

Und der eigentliche Grund für die Zusammenlegung? Die Antwort des Klinikums fällt schwammig aus: Die aktuelle Pandemie-Situation belaste das Ortenau-Klinikum schwer, so Eggersglüß. "Die intensivmedizinische Versorgung von Covid-19-Patienten ist personalintensiver als der Normalbetrieb."

Dies führe zu deutlich spürbaren Auswirkungen auf die Gesamtbelegungssituation. Die Notfallversorgung im Kreis sei aber in jedem Fall gewährleistet, versichert der Klinik-Sprecher. Der Personaleinsatz, insbesondere bei der Betreuung von Covid-19-Patienten, könne durch die Zusammenlegung besser organisiert werden. Darüber hinaus stärke sie die Versorgung von Notfallpatienten, die zu rund 50 Prozent in Offenburg versorgt würden.

Die Linke Liste Ortenau nannte die Schließung der Intensivstation in einer Mitteilung vom Samstag "eine Folge einer jahrelangen katastrophalen Gesundheitspolitik in der Ortenau" (wir berichteten).

Klinikum wehrt sich gegen Linken-Kritik

"Diese Aussage ist falsch", wehrte sich der Klinik-Sprecher am Montag. Hauptursache für die schwere Belastung sei die Pandemie. "Die aktuellen Infektionszahlen und in der Folge die Zahl der zu versorgenden schweren Covid-19-Erkrankungen ist nach wie vor deutlich zu hoch", erklärt er. Auch falle derzeit saison- und coronabedingt mehr Personal durch Krankheit aus.

Laut Intensivregister verfügt der Ortenaukreis über 82 Intensivbetten, etwa 16 Prozent – 13 Betten – waren am Montagnachmittag von Covid-Patienten belegt, fünf von ihnen werden invasiv beatmet. Allgemein setzt das Klinikum in der aktuellen Situation auf eine dezentrale Lösung: Covid-Patienten werden an allen Standorten versorgt. "Die intensivmedizinische Versorgung findet schwerpunktmäßig in Offenburg, Lahr, Achern und Kehl statt", erklärt Eggersglüß.

Die Frage, wie viele Plätze am jeweiligen Standort noch frei seien, lässt er unbeantwortet. Nur so viel sagt er: Bei Bedarf könne das Klinikum zusätzliche Intensivkapazitäten zur Verfügung stellen. "Ziel ist es, aktuell rund 50 bis 70 Prozent des OP-Betriebes weiterhin zu gewährleisten." Beatmungsgeräte, Monitore und weitere Geräte seien in ausreichender Anzahl vorhanden. Die Herausforderung liege darin, genügend Personal zur Verfügung zu stellen. "Pflegepersonal ist überall in Deutschland knapp, vor allem auch Personal für die Intensivpflege", so Eggersglüß. "Seit dem Frühjahr haben wir deshalb vermehrt Personal für den Einsatz in Intensivbereichen geschult."

Intensivregister

Die aktuellen Belegungszahlen der Intensivbetten im Ortenaukreis sind unter www.intensivregister.de unter dem Reiter "Kartenansicht" einsehbar. Auf dieser Kartenansicht muss der Mauszeiger auf den Ortenaukreises bewegt werden.

Die ausführliche Darstellung der aktualisierten Fallzahlen im Kreis (Altersgruppe, Geschlecht und Wohnort) gibt es immer mittwochs auf der Sonderseite des Ortenaukreises im Internet unter www.ortenaukreis.de/corona_fallzahlen.

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