Offenburg Natur: Landwirte in Sorge vor dem Wolf

Noch ist zwar wenig passiert – die Landwirte im Kinzigtal sorgen sich aber dennoch vor Wolfsrissen. Unser Symbolbild zeigt einen Artgenossen des Schwarzwälder Wolfs. Foto: Stratenschulte

Ortenau - Auch wenn es bisher kaum Fälle gibt, haben Weidetierhalter in der Region Angst vor Wolfsrissen. Verbandsvertreter sehen gar die Zukunft der Landwirtschaft und des Tourismus in Gefahr.

Es war Ende Januar, als der Wolf zum ersten Mal in der Region zugeschlagen hatte. Im Wolfacher Ortsteil Kirnbach riss das Tier mit der Abkürzung "GW852m" ein Schaf. Ein Schock sei das damals gewesen, sagt Ulrich Müller. Er ist Chef des Kreisverbands Wolfach des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands BLHV. Der Bauernverband hat mit deutlichen Worten in seinem neuen Positionspapier erklärt, warum eine Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung im Schwarzwald nicht möglich sei.

Wolfssichere Zäune nur schwer zu unterhalten

Darin heißt es, dass im Schwarzwald aufgrund der Topografie und Wirtschaftlichkeit der Weidetierhaltung keine der bekannten Herdenschutzmaßnahmen flächendeckend umgesetzt werden könne. Und diese könnten sogar unter idealen Bedingungen keinen wirklichen Schutz vor dem Wolf bieten, erklärt der BLHV. Vor allem die wolfssicheren Zäune wären auf Dauer nicht zu unterhalten, sagt Müller. Auch, wenn es Zuschüsse für die Errichtung gebe. "Aber die Arbeitskosten sind extrem hoch im Schwarzwald", sagt Müller. Allein das Mähen der Wiese unterhalb des Zauns wäre ein immenser Aufwand, sagt Müller, der selbst Rinder hält.

"Ich mache mir echt Sorgen", sagt er. Auch sein Verbandskollege im Bezirk Offenburg, Egon Busam, blickt skeptisch auf die mögliche Ausbreitung des Wolfes. "Ich habe große Sorge, dass die Weidetierhaltung komplett aufhört", sagt er. Denn genau das befürchtet er als Konsequenz, sollte sich der Wolf in den Tälern ansiedeln. "Dort sind die Leute schon sehr verunsichert", sagt er. Und ebendiese Täler würden ohne Weidetiere zuwachsen. Das würde dann die ganze Kulturlandschaft treffen.

Wenn sich der Wolf ungehindert im Schwarzwald ausbreite, sei das das Aus der Weidetierhaltung, so wie wir sie kennen, schlussfolgert auch der BLHV. Denn die allermeisten Weidetierhalter würden ohnehin schon finanziell drauflegen, sagen Müller und Busam. Darum müsste der Wolf in Weidegebieten schnell und unbürokratisch bejagt werden, sobald er Probleme verursacht, fordert der Bauernverband. "Wir müssen ihn dort halten, wo er ist", sagt Müller.

Und auch der Tourismus wäre betroffen, wenn sich der Wolf in der Region heimisch fühlen würde. "Wenn er im Schwarzwald sichtbar wäre, wäre es auch den Touristen nicht wohl", mutmaßt er. Zudem fordert der BLHV in seinem Positionspapier eine unbürokratische Entschädigung für vom Wolf gerissene Nutztiere sowie eine vollständige Kostenübernahme der Herdenschutzmaßnahmen – auch der Arbeitskosten – durch das Land.

Unterstützung bekommt der Bauernverband auch vom Schwarzwaldverein, der sich ebenfalls Sorge um die Kulturlandschaft macht. Bei der Vorstellung des Positionspapiers "Wölfe im Schwarzwald" in der Landespressekonferenz in Stuttgart machte der Wander- und Naturschutzverband deutlich, dass die Rückkehr des Wolfes nicht konfliktfrei verlaufen wird. "Die Rückkehr des Wolfes in den Schwarzwald gefährdet die Weidetierhaltung. Das verändert unsere Kulturlandschaft, so wie wir sie kennen", ist sich Georg Keller, Präsident des Schwarzwaldvereins, sicher.

Auch die Wanderdestination Schwarzwald, die einen hohen Anteil zur Wertschöpfung des Tourismussektors im Land beitrage, sieht der Schwarzwaldverein durch den Wolf beeinträchtigt. Vor allem würden freilaufende Herdenschutzhunde die Wanderer verschrecken. Auch werde die freie Zugänglichkeit der Landschaft auf den markierten Wanderwegen des Schwarzwaldvereins durch wolfssicher eingezäunte und nicht mehr durchquerbare Weidegebiete massiv eingeschränkt. "Wenn die Beweidung der Landschaft zurückgeht, weil immer mehr Landwirte ihre Arbeit einstellen, wird der Schwarzwald seine Anziehungskraft verlieren", befürchtet Keller.

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