Lahr Mit Möhren auf der Landesgartenschau musiziert

Die Gälfiäßler bei ihrem Konzert auf der Landesgartenschau (von links): Herbert Paul Wieber, Klaus Himmelsbach, Wolfgang Miessmer, Franz Schüssele und Berni Weiss. Foto: Haberer

Lahr - Bei ihrem Konzert auf der Landesgartenschau zu ihrem 40-Järigen sind die Gälfiäßler in Originalbesetzung angetreten. Mehr als 1000 Zuhörer erlebten einen Mundartabend mit viel Musik, Klamauk und schrägem Humor.

 

Die Herzen der Fans haben die Gälfiäßler mit ihrer charmanten und chaotischen Art erobert, der Fähigkeit, altes Liedgut und Mundart, Rock’n’Roll und schrägen Humor unter einen Hut zu bekommen. Sie sind seit vier Jahrzehnten Kult und haben ganz nebenbei auch den Weg ins Guinnessbuch der Rekorde gefunden, weil sie bei ihren Konzerten ein kurioses Sammelsurium an zu einem großen Teil selbst gebastelter Instrumente zum Einsatz bringen. Der Gruppe ist so gut wie nichts heilig mit Ausnahme der Mundart und dem immer wieder mit viel Herzblut hinausposaunte Bekenntnis zur badischen Seele.

Alte Volkslieder sorgen für rührende Momente

Bei ihrem Jubiläumskonzert zum 40-Jährigen sind sie nun wieder in Originalbesetzung mit Franz Schüssele, Bernhard Weiss, Herbert Wieber und den beiden Ehemaligen Klaus Himmelsbach und Wolfgang Miessmer angetreten. Gemeinsam gingen sie am Samstagabend noch einmal mehr als zweieinhalb Stunden lang musikalisch in die Vollen: Sie servierten ein Konzert, das mit schrägem Sound und derben Lumpenliedern aufwartete. Bei dem alte Volkslieder für anrührende Momente sorgten, bevor am Ende das Badenerlied und "Die Gedanken sind frei", die Hymne aller Protestbewegungen im deutschsprachigen Raum, angestimmt wurden.

Mit dabei war Goldkehlchen Juliane Winter vom Kirchenchor Friesenheim, mit der die Gälfiäßler auf den Spuren der Schwarzwälder Stubenmusik wandelten. Mundartdichter Ludwig Hillenbrand hat der Gruppe ein Gedicht zum 40. Geburtstag gewidmet, das er an dem Abend vortrug. Hier tauchen Verse auf wie "Nix isch normal bei denne Patrone. Dann päbert’s un lärmt’s, dann bämmert’s un schäppert’s Un du hebsch dr d’Ohre machsch e Gsiicht a bedäpperts." Der Südwestrundfunk hatte seine Moderatoren Regina Keller und Klaus Gülker geschickt, die den Gälfiäßler live auf der Bühne auf den Zahn und die Fußzehen gefühlt haben.

Der besondere Reiz lag aber einmal mehr in der von der Truppe wunderbar kultivierten Mischung, in der Gaudi und Klamauk nahezu ungebremst auf das Bekenntnis zum Alemannischen und die Musik der Väter und Großväter prallen. Gartenschlauch und Abwasserohr, Möhre und Kürbis, Fahrradlenker und Spätzlebrett gesellen sich zu Quetschkommode, Gitarre und Waschbrett, Tuba, Rauschpfeife und Alphorn. Es gibt nichts, womit sich nicht musizieren lässt­ – diese Erkenntnis hat auch dieses Gälfiäßler-Konzert vermittelt. Die Mohrrübe musste nach dem Aufbohren aber gewässert werden, damit sie auch wie eine Klarinette klingt.

Die Gälfiäßler stellten bei der LGS Mundartlieder neben rockige Riffs, huldigten musikalisch dem Revolutionär Friedrich Hecker, Pfarrer Heinrich Hansjakob und Freiherr Karl von Drais, dem Vater des Fahrrads. Juliane Winter stimmte "Klein Waldvögeli" und "In Mutters Stübele" an, Miessmer jagte zwischendurch die Wildsau durch die Hohlwege im Kaiserstuhl, während Hillenbrand auf Alemannisch rappte.

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