Offenburg Millionenprojekt am Kahlenberg

Ortenau - Mehr als 13 Millionen Euro sollen in den kommenden zwei Jahren auf der Deponie in Ringsheim investiert werden. Es geht dabei um "Rohstoffrückgewinnung aus Ersatzbrennstoffen". Details Noch nicht spruchreif ist ein neues Projekt des Zweckverbandes Abfallbehandlung Kahlenberg (ZAK), das in der jüngsten Verbandssitzung zur Sprache kam. Thema der Sitzung auf der Deponie in Ringsheim war der Wirtschaftsplan des Doppelhaushaltes für die Jahre 2019 und 2020. Die geplanten hohen Investitionen für diesen Zeitraum in Höhe von rund 4,34 Millionen Euro im ersten und rund 9,5 Millionen Euro im zweiten Jahr – mehr als das Doppelte des Vorjahrs – zeigen auf, dass es um ein größeres Projekt geht. Dessen Name lautet "Rohstoffrückgewinnung aus Ersatzbrennstoffen" und ist mit Gesamtkosten von rund 25 Millionen Euro ausgewiesen ist. Nähere Details sollen vorerst in der Kreistagssitzung des Ortenaukreises besprochen werden, wie am Rande der Sitzung zu erfahren war.

Die Höhe der Investitionen nährt zumindest die Vermutung, dass womöglich ein zusätzliches Kraftwerk auf dem Deponiegelände diese Ersatzbrennstoffe selbst zur Energiegewinnung nutzen wird. Die bisherige Abgabe der Ersatzbrennstoffe an andere Verbrennungsanlagen lassen sich die Abnehmer von der ZAK gut bezahlen. Für den Abfallzweckverband also ein Verlustgeschäft.

Europaweite Ausschreibung

Das Zukunftsprojekt wurde im Gemeinderat von Ringsheim noch nicht öffentlich behandelt. Aus den Erfahrungen der Entwicklung der Deponie mit Emmissionsbelastungen wird die Ringsheimer Bevölkerung im Verlauf der Planung das neue Projekt mit Interesse und wohl auch mit einem Stück Skepsis verfolgen. Nach dem bisher erstellten Zeitrahmen wurden erste Berechnungen bereits angestellt, denen eine Reihe von Gutachten folgen soll. Im Mai kommenden Jahres soll eine europaweite Ausschreibung erfolgen. Zu Beginn 2020 ist die Ausschreibung der ersten und Mitte des Jahres der zweiten Projektstufe geplant. Die Inbetriebnahme der Gesamtanlage ist für Mitte des Jahres 2022 vorgesehen.

Zum ersten Mal stellte die neue Leiterin des Finanz- und Rechnungswesens, Jutta Bindek, den Wirtschaftsplan des Doppelhaushalts vor. Sie löste Werner Hanselmann ab. Die Erträge und Aufwendungen sind mit rund 27 Millionen Euro in etwa gleichlautend für beide Jahre. Im Zusammenhang mit dem Projekt Ersatzbrennstoffe (EBS) sind erhebliche Investitionen vorgesehen. Dennoch sind Kreditaufnahmen nicht geplant, wie Bindek feststellte. Die Betriebskostenumlage für die Landkreise ist mit rund 27 Millionen Euro relativ konstant, ist jedoch bei größeren Aufwendungen um rund zwei Millionen Euro höher als 2018. Die Umlage soll sich 2020 auf 22,3 Millionen Euro verringern.

Die größten Posten bei den Aufwendungen sind 8,1 Millionen Euro für den Materialaufwand, die Entsorgungskosten mit 6,37 Millionen Euro, die Personalausgaben von 5,2 Millionen Euro und die Abschreibungen mit 4,2 Millionen Euro an. Als Einnahmen will ZAK in den kommenden Jahren drei Millionen Euro an Zuschüssen für das Projekt EBS verbuchen. Der Vermögensplan weist Einnahmen und Ausgaben in Höhe von 6,55 Millionen Euro für 2019 und 11,37 Millionen Euro für 2020 aus. Zur Rekultivierung des Abschnittes Süd ist eine Nachsorgerückstellung von 300 000 Euro pro Jahr erforderlich.

Materialaufwand ist der größte Kostenbrocken

Durch die gute Konjunktur sind die verfügbaren Flächen für Erdaushub in der Ortenau nahezu erschöpft. Pro Kubikmeter Erdaushub fallen im Kreis sechs Euro an, pro Tonne Hausmüll sind es 110 Euro, informierte Rechnerin Bindek. Seit 2005 werden die angefallenen Kosten für die Deponienachsorge aus der Planstelle Nachsorgerückstellung mit jährlich zwischen 1,6 bis 1,8 Millionen Euro finanziert.

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