Offenburg "Man muss Zugänge schaffen"

Für manche Senioren ist der Umgang mit Tablet und Smartphone kein Problem, andere tun sich eher schwer, berichtet Referent Michael Doh. Foto: Woitas

Offenburg -  "Älterwerden mit der Digitalisierung" ist kürzlich der Titel eines Angebots des Seniorenbüros Offenburg gewesen. Die Stadt nahm das zum Anlass, mit dem Referenten Michael Doh von der Katholischen Hochschule Freiburg über Digitalisierung und ihre Chancen und Herausforderungen für Senioren zu sprechen.

Herr Doh, wie haben denn ältere Menschen Ihrer Erfahrung nach digitale Angebote bislang angenommen?

Das ist sehr heterogen, da gibt es große Unterschiede, es kommt drauf an, welche Gruppe man mit "älteren Menschen" meint. Da gibt es technikaffine, vor allem jüngere und bildungsnahe Ältere, die schon längst mit den digitalen Medien umgehen können bis hin zu technikdistanten Personenkreisen, wie zum Beispiel alleinlebende Frauen im hohen Alter oder auch einkommensschwache und bildungsferne Schichten.

Gibt es besondere Schwierigkeiten und Lehrmethoden?

Im Vordergrund steht die Erweiterung der Teilhabe, dabei hat es sich bewährt, die verschiedenen Gruppen zusammenzuführen. Also alte und jüngere Menschen, digital fitte Senioren mit technischen Neulingen. In den letzten Jahren ist das sogenannte "Peer-to-Peer"-Konzept populär geworden.

Das bedeutet, dass Ältere Älteren helfen und sie begleiten, indem – zumeist jüngere – Ältere sich ehrenamtlich als digitale Technik-Botschafter engagieren und technikunerfahrenen Älteren den Umgang mit digitalen Geräten und dem Internet erklären. Dabei hat sich das "Eins-zu-eins"-Prinzip bewährt, also die Einzelbegleitung und -beratung.

Gibt es Hilfsangebote bei technischen Problemen?

Da gibt es zwar Fernhilfe und Service Angebote von kommerziellen Anbietern, aber ich denke da sind auch die Kommunen gefragt. Einrichtungen wie die Volkshochschulen und Anlaufstellen für Senioren spielen dabei eine große Rolle. In jedem Quartier müsste es eine Technik-Beratung geben, dafür müssten Gelder freigestellt werden.

Jetzt ist es ja schon so, dass seitens Senioren-Internet-Initiativen oftmals Sprechstunden angeboten werden von Einzelpersonen, die auf diesem Gebiet fit sind und ihre Kenntnisse in Präsenz und auch online weitergeben können.

Besteht die Gefahr, dass digitale Angebote nur die Senioren erreichen, die ohnehin schon fit in Sachen Digitalisierung sind?

Ich denke, man muss einfach Zugänge im Alltag schaffen, den Nutzen und die Vorteile deutlich machen. Alltagsnah sein heißt, zum Beispiel auch in Senioreneinrichtungen Tablets zur Verfügung zu stellen und am konkreten Fall aufzeigen, was sich damit machen lässt.

In einem Heidelberger Seniorenzentrum gab es ein digitales Erzählcafé, wo beispielsweise junge Geflüchtete und Senioren sich gegenseitig auf dem Tablet ihre Fluchtgeschichten nach Deutschland und Lebensgeschichten aufgezeigt haben.

Wie kann es gelingen, diese Ängste abzubauen?

Wenn – am besten im Quartier – niedrigschwellige Zugänge geschaffen werden und Senioren die Möglichkeit haben, digitale Geräte kennenzulernen und auszuprobieren. Hierzu sind nicht nur Bildungsträger aufgerufen, sondern auch Vereine und Kirchen, Arztpraxen und Kommunen. Eine wichtige Grundvoraussetzung ist eine frei verfügbare Wlan-Anbindung im öffentlichen Raum.

Info

Michael Doh ist seit März an der Katholischen Hochschule Freiburg Professor für Digitale Transformation im Sozial- und Gesundheitswesen. "Digitale Teilhabe und Digitale Bildung im Alter" sind zwei seiner Forschungsschwerpunkte.

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