Offenburg Lieber die eigenen Mitarbeiter fördern und unterstützen

Personalleiterin Sabine Brodbeck berichtet von ihrer Berufspraxis in einem mittelständischen Unternehmen. Foto: Möschle Foto: Lahrer Zeitung

Von Miriam Möschle

Offenburg. "Wie man nicht nur die falsche Führungskraft einstellt, sondern die dann auch noch verkehrt behandelt": Zu einem Vortragsabend unter diesem Motto hatte die Wirtschaftsregion Offenburg Ortenau (WRO) in die "E-Welt" des E-Werks Mittelbaden eingeladen. Zielgruppe der schon nach kurzer Zeit ausgebuchten Veranstaltung waren Geschäftsführer und Personalverantwortliche von Unternehmen aus dem Ortenaukreis.

Die Themen des Abends steckten bereits im Namen der Veranstaltung: Fehler, die bei der Besetzung von Führungspositionen entstehen können und wie sie vermieden werden können. Insbesondere gingen die Referenten jedoch auf die Weiterentwicklung von Mitarbeitern, die das Potenzial zur Führungskraft besitzen, ein.

Zunächst berichtete Werner Schumacher, Geschäftsführer bei der Firma Bechtle in Esslingen, erfrischend ehrlich über Fehlentscheidungen, die er selbst schon bei der Einstellung einer Führungskraft getroffen hat. Sei eine solche Position mit einem ungeeigneten Mitarbeiter besetzt, könne das dem Unternehmen finanziell erheblich schaden. "Ich habe die falsche Person eingestellt, weil ich in diesem Fall einfach zu wenig Zeit für den Einstellungsprozess hatte", erinnert sich Schumacher.

Auch Sabine Brodbeck bereicherte die Runde mit Berichten aus ihrer Berufspraxis als Personalleiterin in einem mittelständischen Unternehmen. Sie ging dabei besonders auf das Vorstellungsgespräch ein: Optimalerweise liege der Redeanteil der Bewerber bei 70 bis 80 Prozent, der des Unternehmens bei 20 bis 30 Prozent. Häufig sei jedoch das Gegenteil der Fall. Dann handle es sich meist um ein eher unstrukturiertes Vorstellungsgespräch.

Damit das nicht passiert, gab Brodbeck den Zuhörern ein paar Hinweise mit auf den Weg: Es solle nicht nur theoretisches Wissen abgeprüft, sondern auch eine sogenannte "Verhaltensabklärung" vorgenommen werden. Anhand von konkreten Beispielen könne man Schlüsselqualifikationen besser herausarbeiten. Dabei berichtet ein Bewerber von einer konkreten Situation, seiner Rolle und seinem Verhalten darin und dem Resultat seiner Aktionen.

Einen auf das Verhalten bezogenen Ansatz verfolgt auch Jürg Bihn vom Institut für Verhaltensentwicklung in Zürich. In seinem Vortrag erläuterte er die Anwendung eines sogenannten "Verhaltensentwicklungsprozesses" in der Personalarbeit. "Die persönliche Entwicklung eines Mitarbeiters benötigt Zeit", erläuterte Bihn. "Daher spreche ich von einem Prozess." Bei der Weiterentwicklung eines Mitarbeiters zur Führungskraft könne man von einer Dauer von acht bis zwölf Monaten ausgehen. Anhand einer Art Rechenaufgabe mit den Vortragsbesuchern erklärte Bihn, wie seine Arbeit konkret abläuft: Es gehe zunächst um die Bewusstmachung von unbewusstem Wissen, das dann in einem zweiten Schritt aktiviert werden soll. "Nur mit aktiviertem Wissen im Bewusstsein kann Verhalten geändert werden", betonte der Experte. Doch der Prozess dorthin ist häufig auch unbequem – ein Grund, weshalb sich viele Menschen vor persönlicher Veränderung scheuen.

Werner Schumacher bilanzierte die Vortragsveranstaltung mit der Feststellung, dass es für ein Unternehmen oft günstiger sei, die eigenen Mitarbeiter in ihrer persönlichen beruflichen Entwicklung zu fördern und so neue Führungskräfte für den Betrieb zu gewinnen.

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