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Offenburg Lehrerin schmuggelt Drogen in Knast

Im Offenburger Gefängnis haben drei Insassen Marihuana und die Ersatzdroge Subutex an Mithäftlinge verkauft. Foto: JVA Offenburg

Ein Fall wie aus dem Krimi: Drei Häftlinge der JVA Offenburg stehen seit Montag wegen Drogenhandels hinter Gittern vor Gericht. Den Stoff soll eine 55-jährige Lehrerin ins Gefängnis geschmuggelt haben. Sie hatte ein Verhältnis mit einem der Mitangeklagten.

 

Offenburg. Dass im Gefängnis schwere Jungs sitzen, die ihre kriminellen Machenschaften mitunter noch hinter Gittern fortsetzen, ist nicht unbedingt überraschend. Aufsehen erregt das bereits im April 2015 aufgeflogene Drogengeschäft in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Offenburg vor allem wegen ihrer Helferin: Eine im Gefängnis als Gewerbeschullehrerin beschäftigte Frau hatte den drei Insassen in zwei Fällen jeweils 250 Gramm Marihuana sowie mehrfach auch die Ersatzdroge Su­butex gebracht. Diese verkauften die Drogen dann an Mithäftlinge.

Die heute 55-Jährige räumte beim Prozessauftakt vor dem Offenburger Landgericht als einzige der vier Angeklagten abermals ein, in sechs Fällen Drogen in ihrer Handtasche in die JVA geschmuggelt zu haben. Warum? Sie hatte beim Unterricht den heute 29-jährigen, in Tadschikistan geborenen Insassen kennengelernt und eine sexuelle Beziehung mit ihm begonnen. Details dazu wurden unter zeitweiligem Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt. Der Anwalt der Frau hatte geltend gemacht, dass gewisse Umstände ihres Lebens nicht in die Öffentlichkeit gehörten.

Ihre drei mittlerweile getrennt voneinander inhaftierten Mitangeklagten – neben dem 29-Jährigen sind das ein in Ulm geborener 28-Jähriger und ein 31-jähriger Gernsbacher – ließen sich abgesehen von persönlichen Angaben nicht auf weitere Aussagen ein. So blieb auch noch ungeklärt, ob der 29-Jährige, laut Anklage der Chef der Bande, tatsächlich die Strippen gezogen hatte.

Aufgeflogen war der Drogenhandel schließlich, weil die Lehrerin auf frischer Tat dabei erwischt wurde, als sie 20 Subutextabletten ins Gefängnis schmuggeln wollte. Kollegen hatte sie offenbar verraten. Einer von ihnen war als Zeuge geladen, konnte sich jedoch – trotz damaliger Aussage – angeblich an nichts mehr erinnern. Bei der Befragung versicherte er, keine Angst vor den drei mutmaßlichen Drogendealern zu haben und auch nicht bedroht worden zu sein. Er wisse schlicht nichts mehr. Andere geladene Zeugen aus dem Familienkreis der Angeklagten waren teils nicht erschienen, hätten aber ohnehin von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen können.

Die 55-Jährige sagte aus, ursprünglich nicht gewusst zu haben, was sie da in den Päckchen in die Offenburger JVA geschmuggelt habe. Sie habe sich nur darauf eingelassen, weil sie dem damals 27-jährigen Freund 1000 Euro für einen Rechtsanwalt vorgestreckt hatte und das Geld zurückhaben wollte. Darum habe sie ihm die in Plastik verpackten Päckchen gebracht, die gelegentlich nach Pflanzen gerochen hätten. Sie habe nie wissen wollen, was darin war. Das ehemalige Liebespaar würdigte sich am ersten Verhandlungstag nur weniger Blicke.

Für die drei Männer geht es angesichts ihrer bisherigen Vorstrafen samt langjähriger Gefängnisaufenthalte um viel. Für den Prozess sind drei weitere Verhandlungstage angesetzt – der letzte ist am 13. November geplant. Die ehemalige JVA-Lehrerin, die nicht vorbestraft ist, bleibt derweil auf freiem Fuß.

INFO

Das ist Subutex

Subutex ist der Handelsname für Buprenorphine, ein starkes Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide. Wie Methadon wird Subutex häufig als sogenanntes Substitutionsmittel verwendet, also als Ersatzdroge in der Therapie einer Abhängigkeit von Opioiden.

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