Offenburg Landrat: "Bittere Einschränkungen"

Straßburg ist wie ganz Frankreich seit Donnerstagabend Corona-Risikogebiet. Foto: Silvant

Ortenau/Elsass (red/af) - Die Region Grand Est ist wie ganz Frankreich seit Donnerstagabend Risikogebiet. Landrat Frank Scherer erklärt, was das nun für die Deutschen und Franzosen, die über die Grenze reisen wollen, bedeutet.

Landrat Frank Scherer äußert sich zu möglichen Grenzschließungen und den Auswirkungen für deutsche und französische Reisende. "Das wird unmittelbar den Alltag vieler Bürger im Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau betreffen", heißt es in der Mitteilung. Die Inzidenzzahl im Nordelsass lag zwischenzeitlich in den vergangenen Wochen bei fast 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern und Woche.

"Die Bewohner unserer beiden Grenzregionen sind tagtäglich durch persönliche und berufliche Beziehungen miteinander verbunden, deshalb haben wir uns in enger Absprache mit unseren französischen Partnern dafür eingesetzt, tief einschneidende Grenzschließungen oder Grenzkontrollen wie im Frühjahr zu verhindern", erklärt Landrat Frank Scherer.

Wenn die Region Grand-Est nun zum Risikogebiet erklärt werde, gäbe es bei zwingend notwendiger Einreise keine Auswirkungen auf den ungehinderten Grenzverkehr. Berufspendler, Schüler, Kindergartenkinder, Studenten und Arbeiter könnten beispielsweise die Grenze weiterhin passieren. Auch ein Kurztrip ins Elsass und die Region Grand-Est sei weiterhin erlaubt. Besuche in ausländischen Risikogebieten seien für eine Dauer von bis zu 48 Stunden ohne Quarantänepflicht möglich.

Einreise-Quarantäne-Testung

"Ich hätte mir gewünscht, dass die lange angekündigte neue Corona-Verordnung ›Einreise-Quarantäne-Testung‹ des Landes endlich auf dem Tisch liegt. Ich verstehe nicht, warum es bei uns im Grenzgebiet keine Quarantäne-Ausnahmeregelung gibt, die sich beispielsweise an der Lösung im Saarland orientiert. Dort dürfen Personen für ihre täglichen beruflichen, privaten und auch familiären Angelegenheiten grundsätzlich bis zu 24 Stunden ins Saarland reisen, ohne den Quarantäneregelungen zu unterliegen", erklärt der Landrat.

So gäbe es noch bittere Einschränkungen, so Scherer. "Unsere französischen Nachbarn können aus rein privaten Gründen, etwa zum Einkaufen oder zum Besuch von Freunden oder Verwandten ohne besonderen Anlass dies nur noch, wenn sie ein negatives Testergebnis, das nicht älter als 48 Stunden ist, vorlegen können", so Scherer. Der Nachweis ist nur in deutscher oder englischer Sprache gültig. Auch Restaurant- oder Bar-Besuche sowie Hotelübernachtungen seien ohne Test nicht mehr möglich.

Weiterhin möglich seien Besuche in der Familie, wenn triftige Gründe vorliegen wie etwa ein geteiltes Sorge- oder ein Umgangsrecht. Auch der Besuch des nicht unter gleichem Dach wohnenden Lebenspartners, der Beistand oder die Pflege schutzbedürftiger Personen, die Betreuung von Kindern sowie die Teilnahme an Hochzeiten oder Beerdigungen sind weiterhin möglich.

Die 12 000 französischen Pendler, die in Betrieben am südlichen Oberrhein arbeiten, könnten laut IHK weiterhin über die Grenze an ihre Arbeitsstätte fahren. Stichproben-Kontrollen in der Grenzregion um Grand-Est seien jedoch wieder möglich. "Wir hoffen, dass diese Kontrollen keine so langen Wartezeiten mit sich ziehen, wie wir sie bei den Grenzschließungen im Frühjahr hatten", sagt Dieter Salomon, Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein. "Ungehinderter Waren-, Personen- und Güterverkehr ist nach den vergangenen Monaten, die der Wirtschaft enorm geschadet haben, wichtiger denn je", betont er.

Chaos in Kehl

Gerüchte von einer Grenzschließung führten gestern in Kehl zu Staus, Hubkonzerten auf den Straßen und zum Ausnahmezustand im Einzelhandel. Im City Center bildeten sich laut Mitteilung der Stadt vor dem Aufzug Menschentrauben, die bis zu fünf Minuten ausharren mussten, um mitfahren zu können. Eine Menschenschar sei in der Stadt unterwegs gewesen.

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