Offenburg Klinik-Neubau: Kreistag stimmt für "Holderstock"

Mit großer Mehrheit stimmte der Kreistag am Dienstagnachmittag für den "Holderstock" als Standort für den Offenburger Klinik-Neubau. Foto: Armbruster

Offenburg - Nach dem Klinik-Ausschuss und dem Offenburger Gemeinderat folgte am Dienstag der Kreistag: Mit großer Mehrheit stimmten die Mitglieder für den "Holderstock" als Standort des Ortenauer Klinik-Neubaus.

Trotz der vielen Diskussionen im Vorfeld lief die Debatte und Beschlussfassung des Kreistags zum zukünftigen Klinik-Standort in Offenburg am Dienstag unspektakulär ab. Zuvor hatte der Offenburger Gemeinderat am Montag "mit klarer Mehrheit beschlossen, dem Kreis den Standort Holderstock vorzuschlagen", berichtete Landrat Frank Scherer zur Eröffnung der Sitzung.

Sowohl die Kreisverwaltung, als auch die Stadt Offenburg waren zum Schluss gekommen, dass der Standort zwischen Bühl, Bohlsbach und Offenburg "maximal geeignet" sei (wir berichteten). Über alle Fraktionen hinweg stimmte die überwiegende Mehrheit des Kreistags der Einschätzung von Landratsamt und Stadt zu und beschloss die Annahme des Offenburger Vorschlags.

Ganz ohne Murren und Bedenken lief die Abstimmung jedoch nicht ab: So kritisierte Kreistag Karlheinz Bayer (FDP) die Methode zur Bewertung der geprüften Standorte. "Es ist willkürlich", so Bayer über das Verfahren, bei dem Schulnoten vergeben wurden. Wichtige Kriterien wie die Anbindung von Kehl und Oberkirch seien vernachlässigt worden. Unter den Zuhörern der Sitzung fand seine Kritik Zustimmung in Form von Applaus. Die Methode "haben nicht wir erfunden", erwiderte Michael Loritz, zuständiger Dezernent. Diese sei bereits bei anderen Projekten angewendet worden.

"Auch gute Entscheidungen haben ihren Preis", fasste Alfred Baum die Stimmung der Grünen-Fraktion zusammen. Bei der für einen Klinik-Neubau nötigen Flächenversiegelung und der zu erwartenden Luftverschmutzung durch erhöhtes Verkehrsaufkommen, handele es sich "nicht um leicht zu schluckende Kröten". Jedoch: "Wir werden keinen Standort finden, der uns oder der Natur nichts abverlangen wird", so Baums Fazit.

Ettenheims Bürgermeister Bruno Metz (CDU) gab die zu erwartende "Sogwirkung" eines Groß-Klinikums zu bedenken. In Villingen-Schwenningen habe das dortige Klinikum zur Ansiedlung von Ärztehäusern, Apotheken und Hotels geführt. Der maximale Flächenverbrauch von 20 Hektar am neuen Klinik-Standort in Offenburg solle konkreter untersucht werden, damit die Orte, an denen Kliniken geschlossen würden, nicht auch noch unter abwandernden Arztpraxen zu leiden hätten.

Kehls OB Toni Vetrano (CDU) betonte, dass der "Holderstock" zwar für Offenburg am besten sei, sich dessen Eignung für den Kreis jedoch erst zeigen müsse. "Daher werde ich mich enthalten."

Neben der Abstimmung über den "Holderstock" befürwortete der Kreistag auch einen "städtebaulichen Vertrag" zwischen der Stadt Achern und dem Ortenaukreis. Das Vertragswerk ist Grundlage für den Neubau und den Betrieb eines neuen Klinikums in Achern, das im Rahmen der Agenda 2030 im vergangenen Juli vom Kreistag beschlossen worden ist. Der Vertrag mit Achern soll nun auch für den Neubau des Ortenau-Klinikums in Offenburg als Vorlage dienen.

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