Amt und Klinikum suchen Freiwillige Kreis wird "Region der Lebensretter"

Maßnahmen zur Wiederbelebung – hier ein Foto eines Ersthelfertrainings – sollten nach dem Herzkreislaufstillstand möglichst schnell einsetzen. Foto: Armin Weigel/dpa

Offenburg - Rund 100 Notrufe gehen in der Ortenau jährlich nach einem Verdacht auf Herzstillstand ein. Dann ist schnelle Hilfe wichtig. Um die überall zu gewährleisten, wollen Kreis und Klinikum ein Netz an Ersthelfern etablieren – und suchen Freiwillige.

Bleibt das Herz stehen, werden der Körper und vor allem das Gehirn nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff versorgt. Schnelle Hilfe ist dann extrem wichtig, betont das Klinikum in einer Pressemitteilung. Werde nicht innerhalb von drei bis fünf Minuten mit der Wiederbelebung begonnen, sind die Chancen auf ein Überleben der Betroffenen ausgesprochen gering.

Um die medizinische Versorgung von Menschen mit Herzkreislaufstillstand in der Ortenau zu verbessern und die schnellstmögliche Hilfe sicherzustellen, wollen Kreis und Ortenau-Klinikum ein Netz an freiwilligen Ersthelfern aufbauen. Dabei setzen die Partner, zusammen mit den DRK-Kreisverbänden Offenburg, Lahr, Kehl und Wolfach, auf die bereits bundesweit eingesetzte Lebensretter-App von "First-AED/ Region der Lebensretter". Diese wurde bereits in der Integrierten Leitstelle (ILS) Ortenau in Betrieb genommen. "Dadurch ist es den dortigen Leitstellendisponenten möglich, freiwillige, qualifizierte Ersthelfer in der Nähe eines Notfallortes über das private Smartphone zu lokalisieren und gezielt dorthin zu navigieren", erklärt die Kreisbehörde.

Die Ersthelfer werden nur bei einem möglichen Kreislaufstillstand zusätzlich zum Regelrettungsdienst durch die ILS alarmiert. So kann bei Betroffenen möglichst schnell eine Wiederbelebung beginnen, ihre Überlebenschancen steigen dadurch erheblich.

Das Smartphone-App basierte System "First-AED" aus Dänemark wurde 2018 bis 2020 im Rahmen eines Pilotprojekts in Freiburg und dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald etabliert, an die rettungsdienstliche Struktur in Baden-Württemberg angepasst und weiterentwickelt. Im Freiburger System sind mittlerweile 1100 Ersthelfer registriert, damit treffen die Ersthelfer im Mittel nach weniger als fünf Minuten am Notfallort ein. Das vom Verein Region der Lebensretter mit Sitz in Freiburg etablierte System wurde bereits in fünf Landkreisen im schwäbischen Raum übernommen, weitere Landkreise möchten sich dem System anschließen. Die im März 2021 veröffentlichten internationalen Leitlinien für die Wiederbelebung empfehlen den flächendeckenden Ausbau von App-Systemen für Ersthelferalarmierung. Der Verein möchte nun das Ersthelfer-Netzwerk zu einem landesweiten System ausbauen.

"Ich freue mich, dass wir mit diesem zukunftsweisenden Projekt die Versorgung von Patienten mit Herzkreislaufstillstand in der Ortenau deutlich werden verbessern können", betont Landrat Frank Scherer. Das Projekt lebe ganz wesentlich von der Beteiligung freiwilliger Ersthelfer. "Ich hoffe, dass sich viele ehrenamtliche Retter beteiligen und danke schon jetzt für ihr Engagement. Im Notfall zählt jede Sekunde. Die Smartphone-App kann im Ortenaukreis einen wichtigen Beitrag leisten, hilfsbedürftige Personen noch schneller zu erreichen."

Auch Ortenau Klinikum-Geschäftsführer Christian Keller begrüßt das Projekt: "Was sich bereits in städtischen Strukturen bewährt hat, kann gerade auch im ländlichen Bereich der Ortenau nachhaltig die Patientenversorgung verbessern und die Schnittstelle zwischen Rettungsdienst und unseren Kliniken optimieren." Er sei zuversichtlich, dass aus dem Klinikum zahlreiche Beschäftigte an dem Projekt teilnehmen werden.

Gesucht werden freiwillige Ersthelfer, die als Mitarbeiter von Kliniken, medizinischen Einrichtungen und von Hilfsorganisationen Erfahrung und Kenntnisse in der Reanimation besitzen und regelmäßig an Fortbildungen teilnehmen. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und weiteren medizinischen Einrichtungen können sich über das DRK per E-Mail an ortenau@regionderlebensretter.de melden. Beschäftigte des Klinikums werden gebeten, sich an Chefarzt Philipp Diehl unter E-Mail pd@regionderlebensretter.de) zu wenden.

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