Offenburg Kreis will psychisch Kranken helfen

Unter anderem soll das Angebot der Tagesstätten in der Ortenau weiter ausgebaut und attraktiver werden. Foto: Gollnow

Offenburg - Der Sozialausschuss des Kreistags hat sich am Dienstag einstimmig für einen Teilhabeplan ausgesprochen. Dieser enthält Vorschläge, wie in den nächsten Jahren die Lebenssituation psychisch Kranker im Kreis verbessert werden sollte. Rund 150 Seiten umfasst der nun beschlossene Teilhabeplan für den Ortenaukreis. Darin hat das Landratsamt das Ergebnis der Fachgespräche mit Wohlfahrtsverbänden, Angehörigen, Betroffenen, Fachärzten und dem Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) zusammengefasst, erläutert Sozialdezernent Georg Benz im Vorfeld der Ausschusssitzung. Das Fazit der Ist-Situation fällt laut Gerrit Grünes vom KVJS recht gut aus: Die Hilfsstrukturen in der Ortenau seien bereits gut ausgebaut.

Enthalten in dem neuen Plan sind Handlungsempfehlungen, wie die Lebenssituation von Menschen mit chronisch psychischen Erkrankungen noch weiter verbessert werden soll. Diese sind oft sehr allgemein gehalten: So sollen Maßnahmen ergriffen werden, um gerade niederschwellige Hilfsangebote attraktiver zu machen, erklärt Mirjam Schwab, Sozialplanerin im Landratsamt. An der Vernetzung zwischen Akteuren wie der Suchthilfe und Kinderpsychiatrie solle gearbeitet werden, auch die Versorgung durch niedergelassene Psychiater und Psychotherapeuten solle verbessert werden. Zudem wolle man mehr Arbeitgeber gewinnen, Betroffene zu beschäftigten, um einige zu nennen.

Doch auch konkretere Vorschläge sind enthalten: Ein wichtiges Anliegen sei es ihr, qualifizierte Patenschaften für die Kinder von psychisch kranken Eltern einzurichten, erklärt Schwab. "Kinder von psychisch kranken Eltern werden nicht automatisch krank, sie leiden aber unter eine Mehrbelastung." Dieser müsse man entgegenwirken. Ein Pate würde im Zweifelsfall ein Kind in Obhut nehmen, wenn Eltern in eine Klinik müssen.

Ehrenamtliche sollen eingebunden werden

"Der Teilhabeplan wird uns in den nächsten zehn Jahren begleiten", erklärte Benz weiter. Daher seien die Empfehlungen eher allgemein gehalten. "Es gibt keine feste Abfolge, was wir wann angehen", so der Dezernent. Es handele sich bei dem Plan jedoch um die Handlungsgrundlage der Kreispolitik für sozialpolitischen Fragen. "Wir werden schauen, wo wir möglichst schnell ohne große Hürden was umsetzen können", erklärte Landrat Frank Scherer gegenüber den Kreisräten.

Alle Fraktionen signalisierten schon vor der Abstimmung Zustimmung. Edith Schreiner, Sprecherin der CDU im Ausschuss, merkte an, dass viele Empfehlungen darauf basieren, Ehrenamtliche einzubinden. Es sei jedoch eine "große Herausforderung" so viele Menschen zu finden, die sich engagieren würden.

Heike Dorow von den Grünen gab zu bedenken, dass es sich bei vielen Betroffenen um Mischerkrankungen handele. "Wirklich passende Angebote für diese Menschen müssen erst noch entwickelt werden." Das Handlungsfeld Kinder von psychisch kranken Eltern zügig anzugehen, wünschte sich SPD-Vertreter Hans-Peter Kopp.

"Umsonst ist nichts, das ist klar", erklärte Landrat Scherer auf die Frage des AfD-Kreisrats Alexander Reichert nach den Kosten der Maßnahmen. Vor allem der Ausbau würde wahrscheinlich zusätzliche Finanzmittel brauchen. Für eine konkrete Aussage, wie viel welche Maßnahmen welchen Träger kosten werden, sei es jedoch zu früh, so Scherer. "Sobald die Maßnahmen konkret werden, gibt es auch ein Preisschild."

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