Offenburg Klimafreundliche Züge für den Kreis

SWEG-Vorstandsvorsitzender Tobias Harms (von links), Verkehrsminister Winfried Hermann und SWEG-Vorstand Thilo Grabo unterzeichneten den Vertrag mit "Siemens Mobility". Foto: Schubert

Offenburg - Dieselbetriebene Züge weg, dafür Umweltfreundlicheres her: Auch der Bahnverkehr soll in Zukunft möglichst klimaneutral werden. Deshalb wird ab Ende 2023 in der Ortenau eine Flotte von 20 batteriebetriebenen Zügen eingesetzt.

Bundesweit kommen die batteriebetrieben Züge nun als erstes in der Ortenau zum Einsatz. Die neuartigen Züge der Firma Siemens Mobility tragen den Namen Mireo Plus B. Nur noch in Österreich setzt der Hersteller diese Züge bisher ein. Damit diese auch wirklich kommen, wurden am Donnerstag die entsprechenden Verträge im Beisein von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) in Offenburg unterzeichnet.

"Mit diesem Vertrag schreiben wir Eisenbahngeschichte", erklärte Herrmann. Ihm zufolge hat sich das Land schon seit einigen Jahren Gedanken gemacht, wie der Schienenverkehr klimaneutral gestaltet werden kann. Als Alternative zu herkömmlichen Dieselfahrzeugen sollten durch eine technologieoffene Ausschreibung emissionsfreie Züge beschafft werden.

Die 20 zweiteiligen elektrischen Triebzüge mit jeweils 120 Sitzplätzen können durch ihren Batterie-Hybridantrieb auf Strecken mit und ohne Oberleitung fahren. Auf der Strecke können die Batterien an der Oberleitung und durch Nutzung der Bremsenergie aufgeladen werden.

Dort, wo es keine Oberleitung gibt, etwa in einigen Schwarzwald-Tälern, wird man eine Ladestation brauchen, so Johannes Emmelheinz, Kundendienst-Vorstand von "Siemens Mobility". Somit soll der Bahnverkehr auf dem bisher nicht elektrifizierten Drittel des baden-württembergischen Schienennetzes "lokal emissionsfrei" gestaltet werden.

Werkstatt soll in Offenburg entstehen

Ausgeliefert werden sollen die im Siemens-Werk in Krefeld gebauten Züge bis Dezember 2023. 80 Kilometer beträgt deren Reichweite im Batteriebetrieb unter realen Bedingungen. Neu bei diesem Vorhaben sei Hermann zufolge, dass das Land – mittlerweile Eigentümer von etwa 300 Zügen – die neuen Triebwagen nicht nur anschafft, sondern auch einen 30-jährigen Wartungsvertrag vereinbart.

Konkret bedeutet das: "Siemens Mobility" liefert die mit Lithium-Ionen-Batterien ausgestatteten Züge und hält sie für einen Zeitraum von 29,5 Jahren instand. Die Instandhaltung überträgt das Unternehmen dabei an die Südwestdeutschen-Landesverkehrsgesellschaft (SWEG).

Gewartet werden soll in einer Werkstatt, die ab 2022 in Offenburg gebaut werden soll. Ein auf solch lange Zeit angesetzter Wartungsvertrag – ein sogenannter Lebenszyklus-Ansatz – sei neu im Bereich des Schienenverkehrs, so Hermann. "Derjenige, der sich auf 30 Jahre Wartung einlässt, der hat natürlich Interesse, dass es ein gutes Fahrzeug ist. Damit er es nicht 30 Jahre reparieren muss."

"Es sind auch spannende Aufgaben und spannende Arbeitsplätze, die wir hier schaffen werden", erklärt SWEG-Vorstandsvorsitzender Tobias Harms. Neun bis zehn neue Arbeitsplätze sollen geschaffen werden, etwa im Bereich der Mechatronik und der Datenanalyse.

Die Züge seien wie ein fahrendes Datenzentrum, so Emmelheinz von "Siemens Mobility". "Mit diesen Daten werden wir natürlich Optimierungen machen können, etwa im Fahrverhalten, so dass beim Bremsen beispielsweise Energie zurückgewonnen werden kann."

"Das Ganze ist schon ein innovatives Projekt und es ist nicht so, dass das es schon zigfach auf der Welt ausprobiert wurde. Das ein oder andere wird an Erfahrungen entstehen. Man kann glaube ich schon sagen: Es wird nicht alles gleich zu hundert Prozent funktionieren. Es ist das erste Mal, aber wir steigen da jetzt ein", schließt Minister Hermann.

Nach Johannes Emmelheinz, Kundendienst-Vorstand von "Siemens Mobility", würden die batteriebetriebenen Fahrzeuge reparaturfreundlich designt. Die Lithium-Ionen-Batterien hätten eine lange Lebensdauer. "Wir gehen davon aus, dass wir die Batterien reparieren."

Genau wisse man allerdings noch nicht, wie lange die Batterien halten werden. Man prognostiziere aber, dass es deutlich länger als zehn Jahre sein werden. Anschließend würden sie recycelt. Deutschlandweit gebe es Emmelheinz zufolge noch insgesamt 2900 dieselbetriebene Züge.

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