Offenburg "Kleinunternehmer sind außen vor"

Für Dachdecker und Handwerker ist die Lage noch etwas besser, aber auch sie leiden unter dem Lockdown. Foto: Wüstneck

Ortenau - Die Verlängerung des Lockdowns bis zum 14. Februar ist für viele Betriebe in Südbaden eine Hiobsbotschaft – besonders für kleine und mittlere Unternehmen. Sie leiden trotz des Abholangebots enorm, berichten mehrere Verbände.

"Die Verlängerung des Lockdowns bis 14. Februar ist eine Hiobsbotschaft für die Wirtschaft" – das sagt die Vereinigung Badischer Unternehmerverbände (VBU) und fordert mehr Unterstützung für kleine und mittelständische Unternehmen.

Nina Hartmann, Vorsitzende des Verbands deutscher Unternehmerinnen (VdU) in Baden, prognostiziert "im Schnitt verheerende Folgen und große Unsicherheit zumindest bis Mitte des Jahres". Besonders für Betriebe, die aktuell zu großen Teilen von Staatshilfen abhängig sind, sei die finanzielle Lage katastrophal. Trotz Beantragung der Novemberhilfen hätten laut VBU bisher nur wenige ihr Geld erhalten.

Internethandel ist nur für wenige eine Option

"Bei allem Verständnis für die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie – es hat den Eindruck, dass die Entscheidungsträger die Bedürfnisse der KMU kaum im Blick haben. Das muss sich endlich ändern", sagt Michael Hafner, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung Badischer Unternehmerverbände.

Einige Händler freuten sich zwar im Online-Bereich über steigenden Umsatz, doch das sei bei Weitem nicht die Masse, sagt Nina Hartmann.

Auch wenn in Baden-Württemberg inzwischen die Bestellung zum Abholen, das sogenannte Click and Collect, für herkömmliche Betriebe erlaubt ist, ließen sich damit nur wenige Geschäfte erfolgreich betreiben und für viele Kleinunternehmer sei der Internethandel keine Option.

Landwirte berichten von Ansturm auf Hofläden

Relativ gut gehe es bisher dem Baubereich. Viele Betriebe hätten zwar immer noch Aufträge, aber es gäbe auch deutliche Zeichen für eine Verschlechterung, so Cornelia Rupp-Hafner, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsverbände Holzbau Baden, des Fachverbands Ausbau und Fassade Baden und des Verbands Schreiner Baden.

Einen Grund für die geringere Zahl an Aufträgen sieht sie im Rückgang der Baugenehmigungen. In Freiburg etwa seien im vergangenen Jahr nur 668 neue Wohnungen genehmigt worden, im Jahr 2019 waren es mit 1302 fast doppelt so viele, so Rupp-Hafner. Damit sei das von der Stadt selbst gesetzte Ziel von rund 1000 neuen Wohnungen pro Jahr "leider weit unterschritten."

Auswirkungen durch die Corona-Pandemie spüren auch die Mitglieder des "Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands" (BLHV), so die Pressesprecherin Padraig Elsner. Besonders betroffen seien Lieferanten für die Gastronomie oder Hotels, Pensionen und andere Beherbergungsbetriebe.

Fokus solle auf Pragmatismus gesetzt werden

Anders sehe die Lage bei Direktvermarktern aus: Diese Landwirte berichteten hingegen von einem regelrechten Ansturm auf ihre betriebseigenen Hofläden.

Mehr Planungssicherheit von der Politik wünscht sich der Landwirtschaftsverband für die Mitglieder, die Unterkünfte für Touristen anbieten: "Wenn im Sommer Urlaubsreisen voraussichtlich wieder möglich sein werden, sollte ein geeigneter Rahmen für frühzeitiges Planen für landwirtschaftliche Betriebe mit Beherbergungsangeboten geschaffen werden", so Elsner.

Nina Hartmann von der VDU fordert von den Entscheidungsträgern, künftig bei den Corona-Maßnahmen "den Blick hin zur Realität zu öffnen und Pragmatismus und Zielorientierung in den Fokus zu stellen."

Die Vereinigung

Die Vereinigung Badischer Unternehmerverbände (VBU) mit Sitz in Freiburg ist die wirtschafts- und gesellschaftspolitische Dachorganisation der südbadischen Wirtschaft. Sie hat 11 Mitgliedsverbände und etwa 6000 Unternehmensmitglieder aus Branchen wie dem Einzelhandel, der Gastronomie und dem Tourismus.

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