Offenburg Kieswerke am Oberrhein kämpfen

Ortenau - In Europa wird gebaut. Der Hunger der Branche nach Beton – und damit auch nach Sand und Kies ist groß. Das klingt großartig für Kieswerke. Ist es aber nur bedingt.

 

Mit einem lauten Rauschen verschwinden Tonnen von Kies in einem Waggon. An der Eisenbahn-Verladung des Kieswerks Uhl in Friesenheim wird an diesem Dienstagmorgen einiges an Staub aufgewirbelt. Noch verlassen wöchentlich zwei mit Kies beladene Güterzüge den Standort Richtung Villingen-Schwenningen, erläutert Florian Buchta, Geschäftsführer des zur Hermann Uhl KG in Schutterwald gehörenden Betriebs. Die Betonung liegt auf "noch". Am Oberrhein wird der Kies knapp – aus verschiedenen Gründen.

Zum einen sorgt der Bauboom für eine stetig wachsende Nachfrage nach Sand und Kies, zum anderen sind die Abbaumöglichkeiten des begehrten Rohmaterials begrenzt. "Neue Abbaustätten genehmigt zu bekommen, ist nahezu unmöglich", berichtet Buchta. Selbst die Erweiterung vorhandener Baggerseen gestaltet sich sehr schwierig. "Außerdem ist jede Genehmigung nur 15 Jahre gültig. Das heißt, dass wir selbst an bestehenden Förderstätten nur eine begrenzte unternehmerische Sicherheit haben."

Mit seiner kritischen Einschätzung ist Buchta nicht allein. Auch Heinz Schlecht blickt mit Sorgen in die Zukunft der Branche. Er ist verantwortlich für das Kieswerk Meißenheim, das der "Rhein Main Kies und Splitt Gesellschaft" (RMKS) gehört. An der Förderstätte eines Betriebs in der unmittelbaren Nachbarschaft habe man ein Naturschutzgebiet eingerichtet, berichtet er: "So hat man aus einer Fläche, aus der man 20 Jahre Kies hätte holen können, eine Fläche für nur noch sieben Jahre gemacht." Mit solchen Unsicherheitsfaktoren "können Kiesbetriebe nicht mehr zukunftssicher planen und investieren", moniert er für die Branche. "Kein Betrieb weiß, ob er Erweiterungen genehmigt bekommt oder ob er den Standort verliert."

Und noch etwas ärgert Schlecht: "In Meißenheim haben wir zu Beginn die Grundfläche unseres Sees hergestellt und müssen nur noch in die Tiefe. Das wurde so genehmigt." Allerdings fordere das laufende Genehmigungsverfahren, "dass wir 10 Prozent der Seefläche als Flachwasserzone herstellen". Damit wird die abzukiesende Fläche zum einen kleiner, zum anderen müsste die RMKS aus Böschungen, die auf zwei Meter Breite einen Meter in die Tiefe gehen, nun aufkiesen, um sie zu Flachwasserbereichen zu machen. Denn die Forderung besagt, dass diese Zonen nicht erst zum Abschluss der Förderung herzustellen sind, sondern bereits jetzt. Auch das trage nicht zur Planungssicherheit bei, ist sich Schlecht sicher.

Regulierungen sorgen für planerische Unsicherheit

Der Oberrhein liefert ein ausgewogenes Verhältnis aus Steinen und Sand. "Im Norden ist der Sandanteil viel größer, je näher zu den Alpen abbaut wird, desto höher ist der Anteil an Steinen", erläutert der Geschäftsführer der Hermann Uhl. Buchta macht zudem einen weiteren Punkt geltend: "Wir Kieswerke können jede Tonne Kies nur einmal verkaufen. Daher müssen wir mit den Vorkommen so haushalten, dass wir unsere Unternehmen mit ihren Mitarbeiten langfristig sichern." Natürlich könne man jetzt, wo die Nachfrage groß ist, die Kapazität massiv erhöhen. "Und danach?", fragt er rhetorisch.

Für ihn bedeutet das, die Produktion zum einen so zu steuern, dass sie langfristig funktioniert. Zum anderen geht man bei Uhl – wie bei manch anderen Produzenten – dazu über, nicht nur das Rohmaterial zu veräußern, sondern es zu veredeln. Da werden dann entweder Beton produziert und verkauft oder aus Steinen und Beton Pflastersteine hergestellt. "Die Kieswerke müssen, wie andere Branchen auch, schauen, wie sie mehr aus ihren Rohstoffen machen können." Zwei Kieswerke am Oberrhein – im Landkreis Rastatt – haben ihre Arbeit im vergangenen Jahr eingestellt. Wenn es nach Buchta und Schlecht geht, sollen es nicht mehr werden.

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