Offenburg Kein Anschluss unter dieser Nummer

Digitale Funkgeräte finden sich bereits in vielen Fahrzeugen der Feuerwehren. Doch sie fristen ein ruhiges Dasein: Denn genutzt werden können sie nicht. Eigentlich hätte der Startschuss vor mehr als zwölf Jahren erfolgen sollen.

Ortenau. Michael Wegel zuckt mit den Schultern. "Ich weiß es nicht", sagt der Kommandant der Feuerwehr Achern und Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbands. Wie viele Verantwortliche, darunter auch Urs Kramer, der Leiter des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz im Landratsamt, kann er nicht sagen, wann die neue Kommunikationstechnik zum Einsatz kommt. Verantwortlich für deren Einführung sind die Bundesanstalt für den Digitalfunk und die Bundesnetzagentur.

Techniker für analoge Geräte selten zu finden

"Der Ortenaukreis hat hier keinerlei Partizipationsmöglichkeiten, um den Prozess der Einführung des Digitalfunks zu beschleunigen oder zu beeinflussen", berichtet Kramer auf Anfrage unserer Zeitung. "Eine konkrete Zeitschiene zur Einführung des Digitalfunks wurde seitens des Ministeriums für Inneres, Digitales und Migration nicht benannt".

Angedacht war die Einführung des Digitalfunks im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Sie sollte die analoge Technik, die zuletzt in den 1990er-Jahren optimiert worden war, ersetzen. "Sollte", wie Wegel betont. Das Problem: In Erwartung der neuen Funktechnik wurden Investitionen anfangs zurückgestellt, um keine unnötigen Kosten durch eine spätere Umrüstung zu verursachen. Allein das digitale Funkgerät mit Antenne, Kabelsatz und Hörer schlägt – ohne Einbau – mit mindestens 2000 Euro zu Buche. "Allein in Achern brauchen wir 34 Geräte", sagt Wegel, um die Dimension zu verdeutlichen. Wenigstens 64 000 Euro würde allein deren Beschaffung kosten. Mittlerweile werden neue Fahrzeuge entweder mit zwei Funksystemen ausgestattet oder mit einer Vorbereitung für die digitale Einheit, berichtet der 45-Jährige.

Ähnliches gilt für den Ortenaukreis, so Kramer. Obwohl das Amt wenige direkte Einflussmöglichkeiten auf die Einführung und Umstellung vom derzeitigen analogen Funknetz auf Digitalfunk hat, "werden im Zuge der aktuellen Ertüchtigung der Leitstellentechnik der Integrierten Leitstelle Ortenau die Voraussetzungen geschaffen, um den Digitalfunk bedienen zu können". Das heißt, dass die technischen Voraussetzungen wie Zuleitungen und Technik geschaffen und andererseits die Software für das Einsatzleitsystem sowie das Kommunikationsmanagement installiert werden.

Das Amt für Brand- und Katastrophenschutz befinde sich im regelmäßigen Austausch mit dem Regierungspräsidium Freiburg und dem Ministerium, um mögliche Maßnahmen zur Einführung des Digitalfunks zu erkennen und entsprechend reagieren zu können, macht Kramer deutlich. Denn auch dort sieht man der Einführung des Digitalfunks für die Kräfte von Katastrophenschutz, Rettungsdienst und der Feuerwehren erwartungsvoll entgegen.

Doch statt Zukunftsmusik geht es Michael Wegel um das Heute. Denn es gebe ein Pro­blem, auf das die Wehren in ihrer täglichen Arbeit manchmal treffen: Für die alte Technik gibt es nur wenig Ersatz und noch weniger Servicetechniker, die bei einem Defekt für Abhilfe sorgen. "Da sind ja zum Teil Bauteile verarbeitet, die 30 Jahre oder älter sind. Die fallen eben mal aus." Gravierende Probleme habe es bisher keine gegeben, aber die Gesprächsqualität sei mitunter kritisch. "Da muss man dann schon ein- oder zweimal nachfragen, weil das Rauschen so stark ist."

Der Digitalfunk soll die Kommunikation zwischen der Leitstelle, den Einsatzfahrzeugen und den beteiligten Organisationen wie Rotes Kreuz, Polizei oder THW verbessern. Die Einsatzkräfte selbst behalten ihre althergebrachten Funkgeräte, weil der Digitalfunk innerhalb von Gebäuden nicht immer gesichert funktioniert.

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