Offenburg Jubiläumsband "mit Pauken und Trompeten"

Cornelius Gorka (von links), Martin Ruch und Leon Pfaff präsentierten vor der Musikkneipe Stud in Offenburg die erste und die 100. Ausgabe der wissenschaftlichen Zeitschrift "Die Ortenau". Foto: Achnitz

Offenburg - Das Präsidium des Historischen Vereins Mittelbaden hat sein Jahrbuch 2020 vorgestellt. Die 1910 gegründete Zeitschrift erscheint zum hundertsten Mal und beschäftigt sich aktuell mit der Musik der Region ab dem 16. Jahrhundert.

Schwerpunkt ist diesmal die Musik 

Die Präsentation des Jubiläumsbandes der Zeitschrift "Die Ortenau" fand am Dienstag an einem ungewöhnlichen Ort, in der Offenburger Kultur- und Musikkneipe "Stud", statt. Den Grund dafür nannte Cornelius Gorka, der zurzeit das vakante Amt des Vereinspräsidenten vertritt, gleich zu Beginn: "Die Wahl dieses Ortes hat mit dem diesjährigen Schwerpunktthema der Zeitschrift zu tun, denn in unserer ›Ortenau‹ ist diesmal im wahrsten Sinn des Wortes Musik drin", sagte Gorka.

"Wenn wegen der Pandemie schon kein großes Fest stattfinden kann, dann soll wenigstens das Jahrbuch mit Pauken und Trompeten daherkommen", scherzte er, denn der inhaltliche Schwerpunkt wird jeweils schon im Herbst des Vorjahres festgelegt.

14 Beiträge zu Badener Musikgeschichte 

Das umfangreichste Kapitel zur Musikgeschichte Mittelbadens hat Leon Pfaff beigetragen, der im Kulturförderverein Stud unter anderem für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Sein Aufsatz über die Jugend- und Musikkultur in Offenburg zwischen 1967 und 1976 ist aus seiner Bachelorarbeit hervorgegangen. Angefangen vom Konzert der Rockgruppe "The Who", die auf dem Höhepunkt ihrer Karriere 1967 in der Offenburger Oberrheinhalle auftraten, bis hin zum berühmten Sunrise-Festival am 6. Juni 1976 beschreibt er aus historischen Quellen und Zeitzeugengesprächen heraus die Musikkultur der Flower-Power-Generation in der Ortenau.

Den weiteren Inhalt stellte Martin Ruch vor, der das Jahrbuch des Historischen Vereins jetzt seit 20 Jahren als verantwortlicher Redakteur betreut. Nach Grußworten von Bruno Metz, dem Bürgermeister von Ettenheim und Wolfgang Zimmermann, dem Leiter des Generallandesarchivs Karlsruhe, widmen sich 14 Beiträge der Musikgeschichte Badens.

Die Themenspanne reicht vom Offenburger Musiker Wolfgang Dachstein, einem Studienfreund Martin Luthers (von Manfred Merker), über den Katholischen Kirchenchor Ettenheim bis Ende des 18. Jahrhunderts (Dieter Weis), den Hausacher Musiker Karl Schmider (Roland Uhl) sowie die Stadtmusik in Hausach (Bernhard Schmid) und ein neu entdecktes Flößerlied aus dem Schiltachtal (Hans Harter) bis zum "Musikwald" in Windschläg (Wolfram Graß).

Musikstücke gibt’s auch zum Anhören

Eine Besonderheit dieses Bandes sind die QR-Codes am Ende des Beitrags von Martin Ruch über den Synagogenchor in Offenburg: Mit ihnen lassen sich einige der behandelten Musikstücke gleich über das Handy aufrufen und anhören. Möglich macht das der Seitenweise-Verlag, auf dessen Internetseite die entsprechenden Dateien hinterlegt sind.

Weitere Beiträge zur Orts- und Regionalgeschichte beschäftigen sich mit den Herren von Wolfach und der Gründung der Burg Hausach im 14. Jahrhundert (Heiko Wagner), unbekannten Geroldsecker Bildern aus einem spätmittelalterlichen Manuskript (Thomas Foerster), Schiltacher Bürger- und Volkswehren um 1918/19 (Helmut Horn) oder Karl Heitz, dem langjährigen Bürgermeister von Offenburg (Michael Kitzing) und vielem mehr. Erwähnt sei noch der Beitrag von Andreas Morgenstern, der das Kinzigtal und den mittleren Schwarzwald in der Berichterstattung der DDR-Presse betrachtet.

Abwechslungsreiches und spannendes Programm 

Ein abwechslungsreiches und spannendes Programm habe man zusammengestellt, so Gorka. Er appellierte vor allem an die Jugend, sich wieder mehr einzubringen; die Rubrik "Junge Autoren" habe man mangels Beteiligung einstellen müssen. Der Band 2021 werde sich dem Schwerpunktthema "Wasser" zuwenden. Das Jahrbuch informiert auch über die Aktivitäten des Historischen Vereins für Mittelbaden, der mit seinen sechs Fach- und 28 Ortsgruppen sowie rund 2650 Mitgliedern einer der größten Geschichtsvereine Baden-Württembergs ist.

Der Jubiläumsband des Jahrbuchs hat einen Umfang von 600 Seiten und erscheint in einer Auflage von 2300 Stück. Ab sofort ist er im Buchhandel zum Preis von 35 Euro erhältlich (ISSN 0342-1503). Das Jahrbuch erscheint seit 1910; ältere Ausgaben (bis 2015) stehen digital über die Internetseite des Vereins auf www.historischer-verein-mittelbaden.de zur Verfügung.

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