Offenburg Impfen: Selbst Ärzte müssen warten

Offenburg - Räume, Technik, Personal – alles ist reichlich vorhanden, nur der Impfstoff nicht. Das bekommen unter anderem sogar Ärzte zu spüren: Nur wer älter als 80 Jahre ist oder einen zwingenden Grund hat, wird derzeit in Offenburg geimpft.

Wer aktuell impfberechtigt ist, lässt sich grundsätzlich schnell am Geburtsdatum festmachen. Wer älter als 80 Jahre ist, gehört automatisch zur höchsten Kategorie. Schwieriger sei das bei anderen Gruppen mit der "Priorität 1", erklärt Doris Reinhardt, Pandemie-Beauftragte der Kassenärztlichen Vereinigung, beim Pressetermin im Zentralen Impfzentrum (ZIZ) Offenburg am Mittwoch.

Ärzte, Pfleger und Physiotherapeuten sind impfberechtigt, insofern sie einem "sehr hohem Expositionsrisiko" ausgesetzt sind, so Reinhardt. Die Regelung gelte aber eben nicht für jeden Hausarzt oder jede Pflegekraft. Aktuell sind die rund 1000 Mitarbeiter der Intensivstationen aus den fünf Landkreisen Emmendingen, Rottweil, Tuttlingen, Ortenaukreis und Schwarzwald-Baar zur Impfung aufgerufen.

Impfstoff wird nach wie vor gut vertragen

"Wenn wenig Impfstoff da ist, muss nochmals priorisiert werden", betont Reinhardt. Das sorgt wohl immer wieder für Verwirrung und zu Diskussionen vor den Türen des Impfzentrums. "In Offenburg trauen wir uns auch, Menschen wegzuschicken", erklärt die Medizinerin.

Das komme täglich vor. Daher appelliert sie an ihre Kollegen: In acht bis zwölf Wochen seien sicher mehr Impfungen möglich. "Jeder Doktor, Rettungsassistent und Krankenpfleger muss sich fragen: Brauche ich diese Impfung in den nächsten acht Wochen wirklich?"

Doch selbst wer das Alterskriterium erfüllt, wird derzeit Schwierigkeiten haben, einen Termin zu bekommen. Zwar sei am Montag mit 946 Impfdosen ein Tageshoch erreicht worden, trotzdem sei man mangels Impfstoff noch weit von einer Vollauslastung entfernt, so Reinhardt.

Bis einschließlich Dienstag wurden durch das ZIZ insgesamt 8374 Personen geimpft, berichtet Messe-Chefin Sandra Kircher. Davon entfallen 4228 Impfungen auf die mobilen Impfteams (MIT). Bis zum Ende der Woche sollen es insgesamt 12.500 bis Ende Januar 15.500 Impfungen sein.

Immerhin werde der Impfstoff nach wie vor gut vertragen, erklärt Reinhardt. Zwar steckten die Impflinge die zweite Impfung in der Regel etwas schlechter weg. Mehr als leichte Schmerzen an der Einstichstelle gebe es aber kaum. Seit der Inbetriebnahme am 5. Januar sei es noch zu keinem Notfall gekommen.

Nur noch Erst-Termine können gebucht werden

Seit Montag stellt das ZIZ nur noch Termine für eine Erst-Impfung in das Vergabesystem ein. Dass der Erst- und Zweit-Termin nicht verpflichtend im gleichen Zentrum stattfinden müsse, habe zu Schwierigkeiten geführt, erläutert Kircher. Reserven seien zunächst zurückgehalten und nachträglich freigegeben worden. Impflinge bekommen den zweiten Termin nun bei der ersten Impfung im ZIZ oder spätestens sieben Tage danach mitgeteilt, so Kircher.

Wie knapp der begehrte Impfstoff ist, weiß auch Dezernentin Diana Kohlmann vom Landratsamt, Leiterin der Kreis-Impfzentren (KIZ) in Offenburg und Lahr. "Mir tun die Leute leid, die täglich umsonst anrufen", erklärt sie. Mit jeweils 42 Impfungen täglich wollen die KIZ am Freitag den Betrieb aufnehmen – ausgelegt sind sie auf bis zu 750 pro Tag und Standort.

Die 1170 Impf-Termine für die kommenden sieben Wochen seien innerhalb von nur zwei Stunden ausgebucht gewesen, berichtet die Dezernentin. "Wir bekommen einfach nicht mehr Impfstoff", so Kohlmann. Besserung sei aber in Sicht – spätestens, sobald es einen festen Lieferturnus gebe. Wann es so weit sein wird, ist jedoch noch unklar.

Neue Termine sind verfügbar

Die für Donnerstag erwartete Impfstofflieferung hat das Zentrale Impfzentrum Offenburg frühzeitig erreicht, teilt Messechefin Sandra Kircher am Mittwochnachmittag mit. Deswegen werden laut Kircher am heutigen Donnerstag, 21. Januar, um 9 Uhr weitere Termine freigeschaltet. Diese können dann unter Telefon 116 117 oder auf der Internetseite www.impfterminservice.de gebucht werden. Es ist jedoch damit zu rechnen, dass diese verfügbaren Termine sehr zügig vergeben sein werden.

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