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Offenburg Gutachter-Wahl mit pikantem Detail

Bei der Amtsübergabe im Sommer 2016 (von links): Christian Keller, Geschäftsführer des Ortenau-Klinikums, Amtsvorgänger Manfred Lörch, Petra Spitzmüller, Vize-Geschäftsführerin der AOK Südlicher Oberrhein, und Landrat Frank Scherer. Ein Jahr später stößt vielen Kreisräten auf, dass Keller eine Gutachterfirma für das Klinikum beauftragte, die er einst selbst gegründet hat. Foto: Archiv

Die Diskussion um die Schließung von Krankenhäusern im Ortenaukreis nimmt an Schärfe zu. Ein pikantes Detail sorgt nun für Aufsehen: Klinikchef Christian Keller war früher mit der Gutachterfirma, die nun zu  Schließungen rät, persönlich verbunden.

 

Von Jörg Braun, Stefan Maier, Felix Bender und Wolfgang Achnitz

Offenburg. »Das wussten wir bei der Beratung über das Gutachten nicht«, erklärte ein Mitglied des Kreistages zur Tatsache, dass Christian Keller vor seiner Tätigkeit als Klinikchef der neun Krankenhäuser im Ortenaukreis für das Unternehmen CMK tätig war. »Bei der Klausurtagung hat Herr Keller das mit keinem Wort erwähnt«, sagt der Kreisrat. Zwischenzeitlich haben aber auch er und andere Kollegen erfahren, dass Keller gar Gründungsmitglied der Beraterfirma »Consults Morar Mutter & Keller« (CMK) gewesen ist. 1999 wurde diese Beraterfirma von drei Partnern gegründet.

Vom Start weg bis 2010 war Christian Keller bei der CMK im Einsatz, erfährt man aus seinem beruflichen Lebenslauf. Zwölf Jahre lang arbeitete er in mehr als 150 Kliniken als Klinik-Berater, in den Bereichen Strategie, Reorganisation, Sanierung, Betriebskonzeption und Marketing. NeunJahre lang war er danach Chef zweier Krankenhäuser in Hessen mit rund 450 Betten, bevor er im Juli 2016 neuer Geschäftsführer für das Ortenau-Klinikum wurde.

Das umstrittene Gutachten wurde von der Abteilung Einkauf und Logistik des Klinikums nach einer beschränkten Ausschreibung im November 2016 vergeben, also mit Keller als Chef. Drei Angebote seien eingeholt worden, erklärt Kliniksprecher Christian Eggersglüß auf Anfrage unserer Zeitung. CMK sei der günstigste Anbieter gewesen, mit Kosten im »mittleren fünfstelligen Eurobetrag«.

Kellers berufliches Vorleben sei den Mitgliedern des Ausschusses beim Bewerbungsverfahren bekannt gewesen und Kellers Vita bei der Gutachterfirma sei im Internet öffentlich einsehbar. Keller habe das Unternehmen 2010 verlassen. »Seitdem bestehen keine vertraglichen Verbindungen mehr zwischen Herrn Keller und dem Unternehmen CMK. Das Unternehmen CMK Krankenhausberatung GmbH gehört seit 2013 zur Mannheimer Redcom-Group und ist damit gesellschaftsrechtlich ein ganz anderes Unternehmen als zur Zeit, als Christian Keller Berater des Unternehmens war«, so Kliniksprecher Eggersglüß.

Christian Keller selbst sagt: «CMK hat bereits vor meiner Tätigkeit als Geschäftsführer für den Klinikverbund wie auch einzelne Häuser  Beratungsleistungen erbracht. Als eines der anerkanntesten Beratungsunternehmen in Strategieberatung in Baden-Württemberg kann CMK zahlreiche Referenzen vorweisen. Da ich seit 2010 keinerlei vertragliche Verbindungen mehr zu dem Unternehmen habe, sollte man ein so renommiertes Unternehmen nicht grundsätzlich von einer Beratungstätigkeit für das Ortenau Klinikum auszuschließen.«

Das sieht Ettenheims Bürgermeister Bruno Metz, dessen Klinik ganz oben auf der Abschussliste steht, etwas anders, wie er gestern im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich machte: »Vorsichtig gesagt, wirkt das Ganze etwas unglücklich.« Während der Ausschusssitzung waren bekanntermaßen einige »kitzlige Fragen« zu dem Strategiepapier aufgekommen. »Wenn man weiß, dass das Gutachten, das da so vehement verteidigt wird, von Ex-Kollegen stammt, steht das in einem anderen Licht, als wenn komplett unabhängige Experten daran gearbeitet hätten.«

Apropos unabhängige Experten: Noch bevor die brisanten Pläne zu den Ortenauer Krankenhäusern enthüllt wurden, genau gesagt am 25. April, hat Metz im Namen der CDU-Kreistagsfraktion eine Anfrage an die Klinikleitung gestellt. Inhalt: Wie viele Gutachter sind derzeit in den Krankenhäusern unterwegs, in welchen Bereichen, mit welcher Zielsetzung und vor allem – was kostet das? »Man hört immer wieder, dass externe Fachleute vor Ort seien«, erklärt der Ettenheimer Rathauschef. Grundsätzlich nichts Verwerfliches. »Über die Dimensionen wüssten wir aber schon ganz gerne Bescheid.« Eine Antwort gab es bislang noch nicht.

Lukas Oßwald, Kreisrat der Linken und Mitglied im Krankenhausausschuss, wählte deutliche Worte: »Das ist skandalös«, sagte er zu der Verbindung zwischen Klinikum- Geschäftsführer Christian Keller und der Krankenhaus-Beratungsgesellschaft CMK. Das sei »ein absolutes No-Go« und ein Interessenskonflikt. Oßwald fordert, dass Keller deswegen zur Rechenschaft gezogen wird. Das Gutachten der Firma CMK müsse man jetzt »in die Tonne treten«, ein neues Gutachten müsse erarbeitet werden. Am eigentlichen Problem ändere sich allerdings nichts, so der Kreisrat: »Die Klinik-Standorte wurden systematisch kaputtgespart. Wenn man das macht, geht es irgendwann nicht mehr weiter«.

Landrat Frank Scherer als  oberster Dienstherr für das kreiseigene Ortenau-Klinikum bleibt vorerst bei seiner Linie, nichts zur aktuell brennenden Debatte zu äußern. Auf Nachfrage unserer Redaktion hieß es lediglich, bis zur  nächsten Sitzung des Krankenhausausschusses werde sich Scherer nicht mehr erklären. Diese findet kommenden Dienstag, 23. Mai, statt.

INFO

Das ist die CMK

Die »CMK Krankenhausberatung« in Mannheim berät Kliniken. Die Firma gehört gemeinsam mit der Redcom Unternehmensberatung und der Redcom Medizincontrolling zur Redcom-Group. Alle Unternehmen firmieren unter derselben Adresse in Mannheim. Geschäftsführer und vertretungsberechtigte Gesellschafter der CMK sind Rene Morar, Dirk Reddel und Björn Dettmar. Das Unternehmen exisitierte von 1999 bis 2012 unter dem Namen »CMK Partnerschaft Dr. Morar, Mutter & Keller«. Nach eigenen Angaben im Internet war Christian Keller, der aktuelle Geschäftsführer der Ortenau-Klinik, einst Mitbegründer der CMK Unternehmensberatung und dort von Mai 1998 bis September 2010 tätig.

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