Offenburg Gesundheit: "Komasaufen" bleibt ein Problem

Laut Statistik trinken Jugendliche oft zu viel Alkohol. Für viele gehört der Alkoholkonsum zum Zusammensein dazu – so wie hier auf dem Augustinerplatz in Freiburg. Foto: Seegers

Offenburg - Die Zahl alkoholbedingter Klinikaufenthalte von Minderjährigen ist in der Ortenau gestiegen. Allein 2017 mussten 91 Jugendliche wegen Alkoholvergiftung behandelt werden. Verschiedene Akteure halten mit Präventionsprogrammen dagegen.

Offenburg. Das Rauschtrinken bei Kindern und Jugendlichen bleibt weiter ein Problem. Im Vergleich zu 2016 stieg die Anzahl der Betroffenen sogar um rund 20 Prozent, schreibt die DAK-Gesundheit in einer Pressemeldung. "Viele Jugendliche überschätzen sich und glauben, Alkohol gehört zum Feiern und Spaß haben dazu", erklärt Udo Westermann, von der DAK-Gesundheit in Offenburg den landesweiten Trend.

Landesweit sind häufig junge Männer betroffen

Laut Zahlen des Statistischen Landesamts gab es in Baden-Württemberg im Jahr 2017 insgesamt 2733 Fälle von alkoholverursachten Klinikaufenthalten bei 13- bis 19-Jährigen. Mädchen konsumieren den Daten zufolge früher zu viel Alkohol als Jungs; ab dem 16. Lebensjahr dreht sich das Verhältnis jedoch um. Insgesamt greifen junge Männer aber häufiger zum Alkohol. Den 1575 männlichen Alkoholkonsumenten standen 2017 nur 1158 junge Frauen gegenüber. Mit 91 Fällen liegt der Ortenaukreis, bezogen auf die Einwohnerzahl in der Landesstatistik, im unteren Viertel der Landkreise. Die Quote ist mit 71 Fällen pro 10 000 Einwohnern in Freudenstadt am höchsten.

Trotz des statistischen Anstiegs ist die subjektive Wahrnehmung bei der Drogenberatung Offenburg-Kehl eine andere: "Das gab es schon immer", sagt der Sozialpädagoge Michael Sauer. Seit 15 Jahren sei er in der Suchtberatung tätig, die Fallzahlen in der Ortenau blieben stabil. Im vergangenen Jahr seien 62 Jugendliche unter 18 Jahren von der Drogenberatung betreut worden. "Mit 14 geht es los", erläutert Sauer.

Eltern müssen für ihre Kinder ein Vorbild sein

Nur 30 junge Menschen hätten mehr als einen Termin mit den Sozialpädagogen und Psychologen der Drogenhilfe gebraucht. Damit würde der Alkoholmissbrauch nur vier Prozent ihrer Klienten ausmachen. Beim Rest handele es sich um den Konsum von illegalen Drogen, so der Experte. "Mit dem Ortenau-Klinikum haben wir eine Kooperation", erläutert Sauer weiter. Werden dort Alkoholpatienten eingeliefert, bekommen diese ein Kontaktformular überreicht. Sehr oft wird dann freiwillig oder im Fall von Minderjährigen auch auf Zureden der Eltern ein Beratungstermin vereinbart. "Meist bleibt es dann eine einmalige Sache", freut sich Sauer über die interne Statistik. Er sieht vielfältige Ursachen für den Griff zum Alkohol: "Oft ist es jugendliche Neugier." Zudem gelte es auch als normal, Alkohol zu trinken.

Eltern könnten hier vor allem mit ihrer Vorbildfunktion Prävention betreiben. Totschweigen helfe jedoch nicht: "Jugendliche müssen mit dem Thema konfrontiert werden", so Sauer mit Blick auf die Omnipräsenz des Rauschmittels. Den Wert der Prävention sieht auch die DAK: "Eine regionale Alkoholprävention ohne erhobenen Zeigefinger bleibt für uns unverzichtbar", sagt Westermann "Solche wichtigen Gesundheitsthemen sollten in den Schulalltag einfließen."

Genau das beschäftigt die Sozialpädagogin Laura Hogenmüller, die zuständig für präventive Programme bei der Drogenhilfe ist. Sie setze vor allem auf "Multiplikatoren": diese seien häufig Lehrer, die besonders geschult werden, um das Thema "Umgang mit Alkohol" in die Klassen zu tragen. Für Zuhause gelte: "Wichtig ist eine vertrauensvolle Basis miteinander."

Weitere Informationenfinden Sie unter: www.feelok.de

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