Offenburg Gemeinsam für den Kinderschutz

Für einen guten Ablauf in grenzüberschreitenden Kinderschutzfällen wollen der Ortenaukreis und Département Bas-Rhin die jeweils anderen Strukturen kennenlernen. Foto: Polizeiberatung

Ortenau (red/ma) - Der Ortenaukreis hat mit dem französischen Département Bas-Rhin das Kinderschutzprojekt "Alterna" auf den Weg gebracht. Beide wollen gemeinsam bessere Lösungen für den grenzüberschreitenden Kinderschutz entwickeln. Nur wenige deutsche Familien kennen sich wahrscheinlich mit den hiesigen Bestimmungen, Anlaufstellen und Hilfsangeboten rund um den Kinderschutz aus. Richtig verwirrend wird es dann, falls ein Fall sich auf beiden Seiten des Rheins abspielt – für eine zunehmend zusammenwachsende Region keine Unmöglichkeit mehr. Welche Abläufe, welche Verfahren gelten im jeweils anderen Land? Auch die Experten vom Jugendamt wissen da nicht auf Anhieb über alles Bescheid. Drum haben das nördliche Elsass und die Ortenau nun ein weiteres grenzüberschreitendes Projekt gestartet: "Alterna – Innovationen und Alternativen zur Fremdunterbringung über Grenzen hinweg".

Zweisprachige Broschüre für Familien in Planung

"Die Maßnahme soll Fachkräften des Kinderschutzes im Jugendamt und den Erziehungs- und Beratungsstellen nicht nur Wissen und Praktiken über das Nachbachland vermitteln, sondern auch eine wissenschaftliche Analyse zum Thema Fremdunterbringung und Alternativen hierzu im grenzüberschreitenden Kontext bieten", erläutert Jugendamtsleiter Heiko Faller.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen des Kinderschutzverfahrens mit seinen verschiedenen Präventionsstufen sollen in einer zweisprachigen Broschüre für Familien veröffentlicht werden, die Angebote und Maßnahmen auf beiden Seiten des Rheins zusammenführt. "Dieses Projekt kommt den Fachämtern, Eltern und den Vereinen auf beiden Rheinseiten zu Gute. Es wird allen Beteiligten sowohl eine Übersicht der existierenden Angebote und Maßnahmen, als auch praktisches Werkzeug für den Arbeitsalltag liefern", so Faller weiter. Für Kinderschutzexperten, die im grenzüberschreitenden Kontext arbeiten, sei es unabdingbar, die Strukturen in beiden Ländern zu kennen sowie die eigenen Praktiken zu reflektieren, betont der Amtsleiter.

Kinderschutz – ein Thema, dass gerade in der aktuellen Krise an Brisanz gewonnen hat. "Die Corona-Pandemie stellt uns alle vor enorme Herausforderungen, besonders gefordert waren und sind Familien, die während des ›Lockdowns‹ weitestgehend auf ihre Grundversorgung mit Bildung und Betreuung verzichten mussten und gleichzeitig Home-Schooling, Home-Office, Kleinkindbetreuung und Haushalt zu organisieren hatten" erklärt Landrat Frank Scherer.

Mit diesen Belastungen hätten deutsche wie französische Familien gleichermaßen zu kämpfen gehabt. Deshalb sei es gerade mit Blick auf den Kinderschutz wichtig, dass die Jugendämter auf beiden Rheinseiten die jeweiligen Kinderschutzstrukturen kennen, um bei grenzüberschreitenden Fällen im Ernstfall schnell reagieren zu können, betont der Landrat.

Beide Seiten wollen voneinander lernen

"Eines der Themen des ›Alterna‹-Projekts betrifft die Fremdunterbringung von Kindern, die in Obhut des Départements oder des Ortenaukreises genommen werden und welche Alternativen hierzu vorhanden sind", erläutert Département-Präsident Frédéric Bierry. Diese Fragestellung sei im deutsch-französischen Kontext besonders interessant, da beide Länder unterschiedliche Herangehensweisen, Angebote und Maßnahmen verfolgten. "Aus diesem Grund können sie voneinander lernen und gemeinsame Lösungen erarbeiten", sagt Bierry.

Das Projekt wird von der EU über das Interreg-Programm für eine Zusammenarbeit über Grenzen hinweg mit rund 40 000 Euro gefördert. Das Euro-Institut in Kehl wird das Projekt als Träger über die Dauer seiner Laufzeit von Herbst dieses Jahres bis Herbst 2021 koordinieren. Mit dabei sind unter anderem die Hochschulen für Sozialarbeit in Straßburg und Freiburg.

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