Offenburg "Für einen Wandel in der Politik"

Etwa 500 Schüler versammelten sich Mitte Februar für eine Demonstration vor dem Rathaus Offenburg. Jetzt wollen die Organisatoren der "Fridays for Future"-Bewegung die Schulstreiks auf Kehl und Lahr ausweiten. Foto: Röckelein Foto: Lahrer Zeitung

Offenburg. In der Ortenau braut sich etwas zusammen. Begonnen hat es am Freitag, 18. Januar, in Offenburg: rund 500 Schüler blieben dem Unterricht fern und demonstrierten vor dem Rathaus für einen Wandel in der Klimapolitik. Damit war die internationale "Fridays for Future"-Bewegung auch in der Ortenau angekommen. Der Streik kam bei Offenburger Schulleitern nicht überall gut an (wir berichteten). Wir sprachen mit der 17-jährigen Jana Schwab, Sprecherin der Offenburger Ortsgruppe von "Fridays for Future".

Frau Schwab, wofür oder wogegen streiken Sie?

Wir streiken für eine bessere, radikalere Klimapolitik, weil wir der Ansicht sind, dass die Politik zu wenig tut und zu langsam reagiert. Die Themen Umwelt und Klimawandel sollten ernster genommen werden.

Warum engagieren Sie sich in diesem Bereich?

Ich engagiere mich in vielen Bereichen. Das Thema Umwelt ist mir deshalb besonders wichtig, da wir nur einen Planeten haben. Wenn wir diesen zerstören, gibt es keine Alternative. Die Friday for Future Bewegung ist total vielfältig: wir haben ganz viele, unterschiedliche Personen dabei. Ich finde schön, Teil einer großen Bewegung zu sein.

Wie finden Ihre Eltern Ihr Engagement?

Meine Eltern waren anfangs nicht dafür. Mittlerweile sind sie nicht mehr dagegen und unterstützen mich. Sie haben sich damit abgefunden, da sie auch nichts dagegen tun können. Sie finden die Themen, für die ich mich einsetze, gut. Meine Eltern selbst sind total unpolitisch.

Wie kommt Ihr Verhalten in der Schule an?

Unterschiedlich: Es gibt Lehrer, die richtig gut finden, was wir tun. Das dürfen sie offiziell natürlich nicht sagen. Andere verstehen nicht, wieso wir gerade während der Schulzeit streiken.

Wieso streiken Sie während der Schulzeit?

Wir haben gesehen, dass es nichts bringt, wenn man sich in seiner Freizeit auf einer Demonstration am Samstagmorgen die Zehen abfriert. Wir werden einfach nicht ernst genommen und wir sehen keine andere Wahl als nun die Schule zu boykottieren. Die Politik will, dass wir weiterhin brav zum Unterricht gehen. Wir üben über unsere Verweigerung Druck aus, damit wir ernst genommen und unsere Forderungen angehört werden.

Wie reagieren Ihre Mitschüler?

Viele meiner Mitschüler sind auch engagiert und kommen mit zum Streiken. Diejenigen, die nicht mitgekommen sind, hatten Angst vor den angedrohten Konsequenzen. Unser Schulleiter hat gemeint, das könne Nachsitzen sein oder auch ein Eintrag ins Zeugnis. Da haben viele gesagt, dass sie das Risiko nicht eingehen möchten.

Wie sahen die Konsequenzen dann aus?

Die Konsequenzen waren letztendlich, dass unser Schulleiter uns zu einem Gespräch eingeladen hat. Wir sollten zudem aufschreiben, warum wir gestreikt haben. Das finde ich sehr sinnvoll. In der Schule kann man schon viel verändern, auch gemeinsam als Schulgemeinschaft kann man Druck auf die Politik ausüben. Die Schule muss sich ja fragen: Wie sollen wir unsere Schüler auf eine bessere Gesellschaft vorbereiten?

Wie sind Sie organisiert?

Seit dem Streik hat sich vieles getan. Neben der Ortsgruppe in Offenburg gibt es nun auch Gruppen in Lahr und in Kehl. Wir werden jetzt auch zunehmend in den Dörfern mobilisieren, zum Beispiel in Willstätt, wo es auch eine Gesamtschule gibt. Da besteht vielleicht auch Interesse am Streik teilzunehmen. Wir sind wirklich mehr geworden. Die Ortsgruppen organisieren sich über WhatsApp-Gruppen. Jede Ortsgruppe hat zwei bis drei Delegierte, die sind dann in bundesweiten Chat-Gruppen drin. So kann man Informationen durchgeben und Aktionen planen. Einmal in der Woche gibt es auch eine Telefonkonferenz in der besprochen wird, was geplant ist. Wir haben die Aufgaben aufgeteilt. Manche kümmern sich um die Organisation der Aktionen. Ich bin für die Kommunikation mit der Presse verantwortlich.

Wie schätzen Sie die Motivation der Streikenden ein?

Ich glaube nicht, dass Schüler dabei sind, die nur schulfrei wollen. Es gibt ja die Konsequenzen. Wenn man das tut, steht man auch dahinter. Wenn man Schule schwänzen möchte, kann man auch an einem anderen Tag fehlen und muss sich nicht zum Frieren auf den Marktplatz stellen. Zudem verpasst man ja auch Unterricht und schadet sich damit auch irgendwie selbst. Das tut man nur, wenn man dahintersteht.

Wie geht’s mit der Aktion weiter?

Wir haben uns überlegt, dass wir nicht nur streiken werden. Wir wollen jetzt auch so Sachen wie Flashmobs machen. Wir haben uns zum Beispiel überlegt mit Kreide einzelne Insel auf den Boden zu zeichnen die durch den Meerspiegelanstieg untergehen. Auch andere, kreative Aktionen. Zum Beispiel im April planen wir gemeinsam mit der Linke Liste Ortenau, der Linksjugend und anderen ein Straßenfest. Der nächste Streik soll am 15. März stattfinden, dann wird international gestreikt. Da machen wir auf jeden Fall was in Offenburg, in Kehl und in Lahr.   Fragen: Marco Armbruster

Die Jugendbewegung "Fridays for Future" nimmt sich die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg als Vorbild. Diese bestreikt seit Monaten jeden Freitag die Schule, um für den Klimaschutz und die eigene Zukunft einzustehen. Weltweit haben sich Schüler und Studenten entschlossen, Thunbergs Beispiel zu folgen – so auch in der Ortenau. Am 15. März findet ein internationaler Streik statt.

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