Offenburg "Es war brutal – einfach der Wahnsinn"

Jörg Scheiderbauer während der größten Herausforderung seines Lebens. Der Offenburger Triathlet ist in unter 48 Stunden über den Westweg von Pforzheim bis an die Schweizer Grenze gelaufen und hat dabei Spenden für krebskranke Kinder gesammelt. Foto: Stefan Weiler

Offenburg - Von Donnerstag bis Samstag ist der Offenburger Triathlet Jörg Scheiderbauer 280 Kilometer über den Westweg gelaufen. Am Ende erreiche er zwei Ziele: Er schaffte es in unter 48 Stunden und sammelte mehr als 10 000 Euro für den guten Zweck.

Bestleistung 2019 beim Ironman auf Hawaii 

Es gibt sportliche Leistungen, die nötigen einem Respekt ab. Absolviert zum Beispiel ein Athlet den legendären Ironman auf Hawaii in 9:04:25 Stunden, dann nickt man anerkennend. Der Offenburger Triathlet Jörg Scheiderbauer ist in dieser Zeit 2019 ins Ziel gekommen, es ist seine Bestleistung.

Das alles ist jedoch nichts gegen das, was Scheiderbauer von Donnerstag- bis Samstagmorgen geleistet hat. In 47:15 Stunden ist der 43-Jährige den Westweg von Pforzheim bis an die Schweizer Grenze in Weil am Rhein gelaufen. 280 Kilometer und rund 8000 Höhenmeter hat er damit zurückgelegt, schneller war noch niemand vor ihm auf der Fernwanderstrecke, die 1900 vom Schwarzwaldverein ausgeschildert wurde.

Hitzschlag vor Hausach bringt den Zeitplan komplett durcheinander

"Das war brutal, einfach Wahnsinn", sagte Scheiderbauer am Sonntag im Gespräch mit der Lahrer Zeitung. "Am Ende bin ich muskulär komplett am Limit gewesen." Allein für den letzten Kilometer bis ins Ziel habe er rund 25 Minuten gebraucht. "Das war nur noch Kopfsache", erinnert sich der ehemalige Profi-Mountainbiker an den Zieleinlauf am Samstagmorgen um 4.15 Uhr.

Eigentlich wollte er schon gegen 19 Uhr die Schweizer Grenze erreichen, eine zweite Nacht hatte er nicht durchlaufen wollen. Nach den ersten 100 Kilometern sah es auch sehr gut aus, er lag voll im minutiös berechnetem Zeitplan. Dann aber der Schock: Scheiderbauer kämpfte mit einem Hitzschlag. Kurz vor Hausach musste er sich 15 Minuten in die Wiese legen und ausruhen.

"Ich hab gedacht, das war’s jetzt", gesteht er. Doch nach einer längeren Pause konnte er weitermachen, der Zeitplan wurde über den Haufen geworfen. Doch Scheiderbauer läuft weiter, neben dem Rekord spornt ihn der gute Zweck an. "Es hatten einige gesagt, dass sie noch mal spenden, wenn ich es in unter 48 Stunden schaffe", sagt Scheiderbauer, der während des Laufs von einem SWR-Kamerateam begleitet wurde.

Um sein Ziel zu erreichen stellte er auf der Strecke seine Verpflegung um, statt Powergels gab’s Nudelsuppe, erzählt Scheiderbauer lachend. Und siehe da: es hilft. Von Freitagmorgen an lief er 24 Stunden nahezu durch. Wo er auch hin kam, wurde er von Zuschauern angefeuert. "Ich bin nachts um drei durch Lörrach gelaufen und die Leute haben aus den Fenstern geklatscht – das war unglaublich für mich", erinnert sich Scheiderbauer. Und am Ende hat es gereicht, nach 47:15 Stunden war er im Ziel. Es sei eine Grenzerfahrung mit Höhen und Tiefen gewesen, sagt er.

Mehr als 10 000 Euro für krebskranke Kinder gesammelt

Diese wird seinen Körper wohl noch lange beschäftigen. "Ich habe eine Art Herzschlag in meinen Füßen, das kenn ich so von einem Ironman nicht", erzählt er. Und auch wenn die Füße irgendwann wieder abschwellen, ist an intensive Einheiten erst mal nicht zu denken. "Das wird so drei Monate dauern", schätzt Scheiderbauer, der sich vor allem über die Spendenbereitschaft freut.

Mehr als 10 000 Euro für den Förderverein für krebskranke Kinder Freiburg seien zusammen gekommen, sagt Scheiderbauer. "Es ging mir auch nicht um den Rekord, sondern um die gute Sache." Daher kann er sich auch gut vorstellen, mal wieder eine Aktion für den guten Zweck zu machen – allerdings nicht mehr auf dem Westweg.

Und auch im Triathlon hat der Offenburger große Ziele. 2021 will er Ironman-Weltmeister auf Hawaii werden. Der Termin im Februar – aufgrund der Corona-Pandemie wurde der Termin von 2020 ins nächste Jahr gelegt – sei jedoch keine Option für ihn, sagt Scheiderbauer. In Hamburg will er sich im Sommer 2021 für Hawaii qualifizieren. "Dieses Jahr gibt’s also keinen Ironman für mich", sagt er. Die Höchstleistung des Jahres hat er sowieso schon auf dem Westweg erbracht.

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