Offenburg Erinnerung an die Nacht des Tigerfischs

Blick vom Münsterturm: Freiburg liegt nach dem 27. November 1944 in Trümmern. Foto: Lahrer Zeitung

Von Ralf Deckert

Freibug. Zeitzeugen berichten noch davon, und im Freiburger Augustinermuseum kann man Grabungsfunde sehen, die andeuten, was sich in jener Nacht abspielte: Am 27. November 1944 bombardierten britische Kampfflieger im Rahmen der "Operation Tigerfish" die Stadt Freiburg. Etwa 2800 Menschen kamen im Flammenmeer ums Leben, knapp 10 000 wurden verletzt. Rund 300 Bomber waren im Einsatz, um in einem gezielten Flächenbombardement an die 15 000 Spreng- und Brandbomben abzuwerfen.

Ganze 20 Minuten dauerte der verheerende Angriff auf die Stadt, die einerseits zwar verkehrsgünstig lag, weshalb ihre Bahnanlagen ins Visier genommen wurden, die andererseits aber sonst praktisch keine kriegswichtige Industrie als Angriffsziel geboten hätte, weshalb sich die Stadtbevölkerung lange in falscher Sicherheit wiegte, nicht bombardiert zu werden. Ein tödlicher Irrtum, denn am Ende wurde etwa ein Drittel des Wohnraums in der Stadt zerstört. Es fielen, mit Ausnahme des Freiburger Münsters, zahlreiche Baudenkmäler dem Bombenhagel zum Opfer.

Wer heute in die Stadt geht und deren historische Anmutung genießt, erliegt einer Täuschung: Fast die komplette Freiburger Innenstadt wurde nach dem Krieg wieder ihrem ursprünglichen Aussehen folgend nachgebaut. Der Abtransport der Trümmer dauerte mehrere Jahre.

Zum 75. Jahrestag der Bombennacht fanden in Freiburg am Mittwoch bis in den Abend hinein verschiedene Gedenkveranstaltungen statt. Zentraler Ort des Gedenkens waren Münster und Münsterplatz, wo mit einer eigens errichteten Klanginstallation der Opfer gedacht wurde.

Im Münster nahmen am Abend unter anderem Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) und seine Amtskollegin aus Mühlhausen im Elsass, Michèle Lutz, an einer Gedenkfeier teil.

Auch wurden mehrere Stadtführungen im Zeichen des Gedenkens angeboten und ein Hörspiel aufgeführt, das den Angriff aus der Sicht einer damals vier Jahre alten Überlebenden und eines britischen Luftwaffen-Marschalls schildert.

Aktuell gibt es in der Stadt nicht nur Gedenkstätten an die Nacht der Zerstörung, sondern auch Alltagsorte, die an das Bombardement erinnern. So ist bis heute ein Wohngrundstück hinter dem Münster unbebaut geblieben, wo einst eine Bombe Menschenleben vernichtete. Ebenfalls in der Nähe des Münsters ist ein kleines Kaffee- und Spirituosengeschäft aus der Nachkriegszeit erhalten geblieben, das einst nur als Übergangsgebäude notdürftig errichtet wurde.

Zu den bekanntesten Denkmälern hingegen gehört im Stadtgarten die Figur eines Erpels, von dem die Legende sagt, dass er vielen Menschen mit seinem Geschnatter vor dem Bombenhagel das Leben gerettet haben soll, da die Passanten darin eine Aufforderung gesehen haben sollen, sich in Luftschutzräume zu begeben. Die große Konzerthalle, die an dieser Stelle stand, wurde nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut.

  • Bewertung
    0