Offenburg Einzelhändler machen "dicht"

Offenburg - Viele Kleinunternehmer protestieren derzeit gegen die Verschärfung der Pandemie-Maßnahmen. Auch in Offenburg hat sich eine Initiative gebildet, die vor der dauerhaften Schließung von Geschäften warnt – und schon mal einen Vorgeschmack gibt.

Handel befürchtet Kettenreaktion

Die strengeren Maßnahmen sind den weiterhin hohen Zahlen von Neu-Infizierten und Todesfällen geschuldet. Doch sie treiben auch viele, vor allem kleinere Geschäfte, an den Rand ihrer Existenz. Bundesweit finden sich daher immer mehr Einzelhändler zu Aktionen zusammen, mit denen sie auf ihre prekäre Lage hinweisen wollen. Mit dem Slogan "Wir machen auf" hatte ein Krefelder Einzelhändler gar Kleinunternehmer dazu aufgerufen, ihre Geschäfte im Januar illegal zu öffnen.

Eher das Gegenteil geschieht jetzt in Offenburg: Dort werden die Schaufenster prominenter Geschäfte in der Innenstadt mit schwarzer Folie und Packpapier verklebt oder mit Kartons zugestellt. Mit dieser zeitlich unbefristeten Aktion möchte der Verein Werbegemeinschaft City-Partner den Bürgern einen optischen Eindruck davon vermitteln, wie die Innenstadt nach den drohenden Geschäftsaufgaben aussähe – leer, trostlos und unattraktiv.

Aufforderung an alle Unternehmen zum Mitmachen

"Wir fordern alle Unternehmen auf, sich der Aktion anzuschließen. Lasst eure Schaufenster zugeklebt, bis der Lockdown ein Ende findet. Der Einzelhandel benötigt Hilfe", heißt es dazu in einer Pressemitteilung des Vorstands. Wenn Teile des Einzelhandels die Krise nicht überleben, drohe "eine durch Konkurse unattraktiv gewordene Innenstadt", was Auswirkungen auf den Tourismus und die Kultur hätte, heißt es weiter.

Dadurch würden langfristig der Wochenmarkt sowie die Gastronomie und der noch verbleibende Handel weitere Umsätze verlieren und ebenfalls in existenzielle Nöte geraten. Wegen ausbleibender Werbeaufträge kämen lokale Medien in finanzielle Schieflage.

Die Gewerbesteuereinnahmen würden sinken, kommunale Investitionen müssten zurückgefahren werden: "Eine Negativspirale käme in Gang, die – so zeigen Erfahrungswerte anderer Städte – kaum aufzuhalten wäre."

Die City-Partner fordern kurzfristige und unbürokratische Hilfen. "Wir hoffen, dass die Aktion auch von hiesigen Vertretern der Landes- und Bundespolitik wahrgenommen wird und dass diese sich für eine stärkere Unterstützung des Einzelhandels einsetzen.

Ziel ist, dass die Aktion in anderen Städten, beispielsweise in Lahr, Nachahmer findet und so ein Zeichen an die Politik gesendet werden kann", sagt der erst im September zum Vorsitzenden der Offenburger Werbegemeinschaft gewählte Stadtrat Tobias Isenmann (Freie Wähler).

Initiative fordert Bürokratieabbau

Die aktuellen Überbrückungshilfen gingen am effektiven Bedarf vorbei, die Zugangshürden seien zu bürokratisch, so Isenmann. Ein vom Handelsverband Deutschland vorgeschlagenes Fixkostenmodell auf Basis der Handelsspanne solle daher zügig umgesetzt werden.

Die Maßnahmen zum Schutz vor der Pandemie will der Verein damit nicht kritisieren: "Wir sind weder Coronaleugner noch Querdenker! Das Ziel ist nicht, über die getroffenen Maßnahmen zu diskutieren", betont Isenmann. Von rund 60 City-Partnern beteiligen sich dem Augenschein nach ein knappes Dutzend.

Silvano Zampolli, Vize-Vorsitzender und FDP-Stadtrat, hat in seinem Eiscafé schon im Sommer mit Flyern vor schädlichen Wirkungen der Pandemie-Maßnahmen gewarnt. Jetzt sind auch die Schaufenster seines Eiscafés mit Packpapier verklebt – während der kalten Jahreszeit war es in den vergangenen Jahren allerdings ohnehin geschlossen.

Der Verein

Seit 1972 engagieren sich Einzelhändler, Gastronomen, Freiberufler und Dienstleister in der Offenburger Werbegemeinschaft City-Partner Offenburg für ihren Einzelhandelsstandort. Heute sind es mehr als 60. Der Verein will eine positive Entwicklung der Innenstadt fördern, indem er die Attraktivität des Standortes zu steigern versucht. Zudem will er die Erlebnisqualität für Bewohner und Besucher verbessern.

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