Offenburg Ein Sammelbecken mit vielen verschiedenen Probleminseln

Hans-Christoph Guth (links) und Jochen Becker waren die ersten "Aufsteher" in der Ortenau. Foto: Merck Foto: Lahrer Zeitung

Offenburg. Zufrieden und neugierig, wie es weitergehen wird. Auf diesen Nenner bringen es Jochen Becker und Hans-Christoph Guth. Die beiden Männer hatten den Impuls für die regionale Aufstehen-Gruppe in der Ortenau gegeben. Am Montagabend kam es zum ersten Treffen von Interessierten an der linken Sammlungsbewegung.

Mehr als 50 Menschen hatten den Weg in die Mensa des Schulzentrums Nord-West in Offenburg gefunden. Einige von ihnen waren mit konkreten Ideen gekommen, andere wollten sich an diesem Abend ein Bild machen. Eine durchorganisierte Tagesordnung hatten die fünf Macher der ersten Zusammenkunft – neben Becker und Guth waren dies Daniel Matt, Alexander Mutter und Frank Sauter – nicht. Nach einer kurzen Begrüßungsrunde und einer eher generell gehaltenen Vorstellung der von Sahra Wagenknecht vor einem Jahr initiierten Sammlungsbewegung, ging es um die Gründe, warum man aufstehen wolle – im Sinne der Bewegung. Den Anfang machte Sauter: "Ich stehe auf, weil ich mehr soziale Gerechtigkeit will."

Danach waren die Besucher an der Reihe. Wer wollte, durfte das Mikrofon nehmen und frei sprechen. Dabei wurde deutlich, dass die Themenblöcke soziale Gerechtigkeit, Aufrüstung und Krieg sowie Migration von Bedeutung waren. Neben vielen sachlichen Beiträgen, die grundlegende Entwicklungen oder sogar Ideen zum Inhalt hatten, gab es auch andere.

Presse soll "endlich die Wahrheit schreiben"

So wurden die Vertreter der Presse direkt aufgefordert, "mal die Wahrheit zu schreiben", da die "Mainstream-Medien" dies ja nicht mehr machen würden. An andere Stelle wurde behauptet, "dass das intellektuelle Deutschland abgeschafft wird" oder das kaum ein Hartz-IV-Empfänger sein Geld nach "realen Berechnungsgrundlagen" erhalte. Zustimmenden Beifall erhielten alle Beiträge, kritisch hinterfragt wurden diese selten.

"Es war eine lebhafte Debatte", bilanzierte Alexander Mutter nach knapp zwei Stunden erfreut. Bei der viele Probleminseln – wie es eine Teilnehmerin formuliert hatte – aufgezeigt worden waren. Das sah auch Guth so: "In anderen Regionen war der Zulauf beim ersten Treffen nicht so stark." Allerdings sei das nur der Anfang. Wie es weitergehe, entscheide die Gruppe. Per Handzeichen fanden sich am Ende der Veranstaltung Menschen aus gleichen Orten, um sich lokal zu vernetzen, etwa in Lahr, Achern, Offenburg und im Kinzigtal. Ein gemeinsames Treffen wurde für Januar ins Auge gefasst. Dann zeige sich auch, in welche Richtung die regionale Aufstehen-Gruppe gehe. "Uns war es wichtig, erstmal alle Menschen an einen Tisch zu bringen", so Becker.

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