Offenburg Ehefrau getötet – Tat verjährt

Das Landgericht Offenburg sprach den 48-Jährigen von der Anklage des Mordes frei. Die Mordmerkmale konnten ihm nicht nachgewiesen werden. Foto: Seeger Foto: Lahrer Zeitung

Das Landgericht Offenburg hat den 48-jährigen Ehemann vom Vorwurf des Mordes freigesprochen. Die Tötung seiner Ehefrau im Jahr 1996 wird als Totschlag gewertet. Da diese nach 20 Jahren verjährt ist, geht er nun straffrei aus.

Offenburg/Gengenbach . Die Strafkammer fällte ihr Urteil früher als angekündigt. Am Tag der Plädoyers verkündete die erste Große Strafkammer, die als Schwurgericht tagte, den Freispruch. Den hatte neben der Verteidigung auch die Staatsanwaltschaft beantragt. Der 48-Jährige hätte nur verurteilt werden können, wenn ihm ein Mord nachgewiesen worden wäre, denn Mord verjährt nicht. Deshalb lautete die Anklage auch auf Mord mit den Mordmerkmalen Habgier und niedrige Beweggründe. Beide konnten ihn aber nicht nachgewiesen werden. Das Mordmerkmal niedrige Beweggründe hat keine inhaltliche Bestimmung. Beweggründe sind niedrig, wenn sie nach allgemeiner sittlicher Wertung auf tiefster Stufe stehen, durch hemmungslose triebhafte Eigensucht bestimmt sind und deshalb besonders verachtenswert sind.

Das Mordmerkmal Habgier konnte ebenfalls nicht nachgewiesen werden. Der 48-Jährige versuchte sich zunächst nach der Tötung seiner Ehefrau das Leben zu nehmen. Nach Wertgegenständen suchte er in der Wohnung nicht. Und auch die Tatsache, dass er nach der Tat vom Konto seiner Frau 1000 D-Mark abhob, um seine Flucht zu finanzieren, sei kein Tatmotiv gewesen. "Um sich an ihr zu bereichern, wie die Mordanklage ausführt, habe ich sie nicht getötet", sagte er mit einer Dolmetscherin an der Seite vor Gericht.

Er stamme aus einer wirtschaftlich gut aufgestellten Familie, erklärte er. "Mit Geld hatte das nichts zu tun." Er hätte ein Boot in Bodrum gehabt, wo er 1991 im Türkeiurlaub seine Frau kennenlernte. Der 48-Jährige schilderte die Tötung als eine Art Unfall, er sprach von einem Unglück, bei einem Gerangel im Fallen sei das Messer in sie eingedrungen. Er erklärte jedoch, für den Tod seiner Ehefrau verantwortlich zu sein. "Der größte Fehler war, dass ich das Messer aus der Küche genommen habe."

Die beiden hatten sich zu diesem Zeitpunkt getrennt, über eine Scheidung gesprochen und er hatte sich nach langem Zögern entschieden, zurück in die Türkei zu gehen. Obwohl ihm dort eine Haftstrafe drohte, da er das Land mit dem Pass seines Cousins verlassen hatte, ohne seinen Militärdienst abzuleisten. In Deutschland hätte er jedoch keinen Fuß gefasst. Er fing an zu rauchen und zu trinken. Den Führerschein zu machen und einen Deutsch-Kurs zu belegen, gelang ihm nicht.

Der einzige Grund, weshalb er in Deutschland war, sei die Beziehung gewesen. Und die zerbrach. Als alles geklärt war, machten die beiden getrennte Urlaube. Bei ihrer Rückkehr an jenem 20. Juni 1996 fragte er nach einer Urlaubsaffäre und wollte mehr erfahren. Als er alles erfuhr, "wurde ich wütend. Ich verlor meine Kontrolle." Er nahm das Messer aus der Küche und sie packte ihn am Handgelenk. So sei das Gerangel entstanden mit dem tödlichen Stich ins Herz beim Fallen.

Das Spurenbild, erklärte der Vorsitzende Richter Heinz Walter am ersten Verhandlungstag, sei mit der Schilderung des Angeklagten in Einklang zu bringen. Die getötete Ehefrau hatte Schnittverletzungen an der Hand und am Arm, die einer Rangelei entstammen konnten. Als der Angeklagte im Juni nach Deutschland einreiste, wurde er zu seiner Überraschung verhaftet. Für die fünfmonatige Untersuchungshaft wurde ihm von der Strafkammer eine Entschädigung versagt. Laut Landgericht legte er gegen diese Entscheidung keine Rechtsmittel ein.

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