Offenburg Das neue "Emmaus" ist fertig

Große Freude bei den Verantwortlichen des neuen Emmaus-Baus. Mit dem Durchschneiden des roten Bands wurde das Seniorenheim offiziell eröffnet. Foto: Bohnert-Seidel Foto: Schwarzwälder Bote

Es ist soweit: Das neue Seniorenheim Emmaus in Oberweier ist fertig. Zur offiziellen Eröffnungsfeier kamen rund 150 Gäste. Neben den vielen Lobreden wurde auch viel Kritik an der derzeitigen Pflegersituation geübt.

Oberweier. "Erfüllt von Dankbarkeit sind wir für ein helles und freundliches Haus, mit einem traumhaften Standort, das allen älteren Menschen aus der Region ein freundlichen Zuhause schenkt", erklärte Heimleiterin Claudia Collet in ihrer Ansprache zur Einweihung des neues Emmaus. Gut 150 Gäste sind zur großen Feierstunde gekommen.

"Heute ist ein großer Tag, dem alle entgegen gefiebert haben", erklärte Hartmut von Schöning, Vorsitzender des evangelischen Stifts Freiburg. Alle Gäste bezeichnete er als "Ehrengäste", weil sie auf irgendeine Weise mit dem neuen Emmaus in Verbindung stehen würden.

Viel Lob für Charlotte Schubnell und Ralf Irslinger

Zwei Namen sind besonders hervorgestochen: Charlotte Schubnell, Vorsitzende des Freundeskreis Emmaus, sowie Hausmeister Ralf Irslinger. Beide erfüllten viele Aufgaben über ein besonderes Maß des Ehrenamts hinaus.

Kriti sche Worte wurden von den Rednern mehrfach in Richtung Politik gerichtet. "Was nützt uns ein Pflegepersonalstärkungsgesetz, wenn wir die Kräfte am Markt nicht bekommen", erklärte von Schöning. Der Pflegeberuf müsse attraktiver gestaltet werden. Karl-Heinz Schmidt, Referent des Diakonischen Werks Baden, beschrieb das Emmaus als Haus, das seinen Bewohnern Geborgenheit, Liebe und Fürsorge schenke. In der Einrichtung werde viel wert auf Selbstbestimmung und Selbstständigkeit gelegt.

Die Bundestagsabgeordneten Johannes Fechner (SPD) und Peter Weiß (CDU) lobten die Pflegekräfte und betonten: Pflegekräfte brauchten eine ordentliche Bezahlung, damit Pflege auch in Zukunft gewährleistet wird. "Ich freue mich, dass es das Emmaus in unserer Gemeinde gibt", sagte Bürgermeister Erik Weide. Kritisch erklärte er Richtung Politik: Große Hürden werden genommen hinsichtlich neuer Einrichtungen, die letztlich die Bürger zu bezahlen haben. Kommunen müssten Forderungen erfüllen, die nicht mehr mit Fördergeldern unterlegt werden.

"Kosten und Termin wurden beim Bau des Emmaus eingehalten", erklärte Projektmanager Axel Briese. Bevor Matthias Ryzlewicz von "Weisenburger Bau" zur offiziellen Schlüsselübergabe schritt, richtete Schubnell Worte des Dankes aber auch der Kritik. "Die Zuzahlungen zum Heimplatz sind höher als die gesetzliche Rente und die pflegebedingte Abhängigkeit von Sozialsystemen gewaltig. Im Pflegefall übernimmt die gesetzliche Versicherung nur einen Teil der Kosten, den Rest müssen die Patienten selbst finanzieren." Ein Umdenken sei dringend nötig. Sie fordert die Eigenanteile zu deckeln und alles, was darüber hinaus gehe, über die Pflegeversicherung zu tragen. "Wir alle müssen das notwendige Ziel einer zukünftigen wirtschaftlich gesunden Entwicklung dieses Hauses im Auge behalten", so Schubnell. Die Singenden Hausfrauen aus Friesenheim sowie Saxofonspieler Melicius Wüge umrahmten die Feierstunde musikalisch.

Im Jahr 1975 wurde das alte Emmaus in Oberweier gebaut. Seit 2009 ist die neue Landesheimbauverordnung in Kraft getreten. Zwingend schreibt diese Einzelzimmerbelegung in Pflegeeinrichtungen vor. Die Investitionssumme für den Neubau beläuft sich auf 9,5 Millionen Euro.