Offenburg Corona-Prämie kommt im Dezember

Mit ihrem Dezember-Gehalt sollen Beschäftigte des Ortenau-Klinikums eine Corona-Prämie erhalten. Foto: Kästle

Offenburg - Mit ihrem Dezember-Gehalt sollen Mitarbeiter des Ortenau-Klinikums eine Corona-Prämie ausgezahlt bekommen – insgesamt rund 2,9 Millionen Euro. Das ist fast eine Million mehr, als der Klinik-Ausschuss vorgesehen hatte, trotzdem gibt es Kritik.

Prämie wird nur gezahlt weil Verdi sie erkämpft hat

Eigentlich hatte der Klinik-Ausschuss im April beschlossen, dass "besonders betroffene Berufsgruppe gemäß der definierten Risiko­bereiche" eine Prämie von 1500 Euro (drei Monate á 500 Euro) bekommen sollten.

Dafür vorgesehen waren maximal zwei Millionen Euro. Eine Einschränkung gab es jedoch: Sollte es anderweitige Corona-Prämien geben, sollten diese mit der des Kreises verrechnet werden.

Der Ausschuss für Gesundheit und Kliniken habe sicherstellen wollen, dass Klinik-Beschäftigte in besonders belasteten Bereichen auf jeden Fall, auch ohne Entscheidungen auf tariflicher, Bundes- und Landesebene, eine Prämie von insgesamt bis zu zwei Millionen Euro erhalten, erklärt Landrat Frank Scherer in einer Mitteilung des Ortenau-Klinikums.

"Dieses Ziel ist erreicht. Der Betrag von zwei Millionen Euro wird sogar um voraussichtlich fast eine Million Euro deutlich überschritten." Und das auch ohne, dass der Kreis die zwei Millionen Euro bereitstellt.

Als Anerkennung kann das Ortenau-Klinikum seinen Beschäftigten nach den Vereinbarungen der Tarifparteien und der Bundes- und Landesgesetzgebung Corona-Prämien in Höhe von voraussichtlich insgesamt rund 2,9 Millionen Euro auszahlen.

Voraussichtlich 1,8 Millionen Euro davon stellt das Ortenau Klinikum im Rahmen einer tariflichen Prämie zur Verfügung, rund 1,1 Millionen stammen aus Mitteln des Bundes und des Landes. Das Ortenau-Klinikum wird die Prämien mit dem Dezember­gehalt an seine Mitarbeiter überweisen.

"Ich freue mich, dass wir bis Jahresende die Prämien auszahlen und damit Dankbarkeit und Wertschätzung für die besonders belastende Arbeit im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie zum Ausdruck bringen können", so Scherer.

Mit dem aktuellen Ergebnis unzufrieden zeigt sich indes die Linke Liste Ortenau: "Die Prämie wird jetzt nur gezahlt, weil Verdi die 1,8 Millionen durch die Tarifverhandlungen erkämpft hat", betont deren Sprecher Yannik Hinzmann.

Sonderprämie für alle Beschäftigten in der Altenpflege

Die Tarifpartner – Bund, kommunale Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften – hatten sich Ende Oktober auf eine Corona-Prämie von bis zu 600 Euro für alle Beschäftigten des öffentlichen Diensts geeinigt.

Laut Hinzmann sei besonders ärgerlich, wie lange sich die Diskussion um die Prämie hingezogen habe. "Die Mitarbeiter haben sich verarscht gefühlt", macht er im Gespräch mit unserer Zeitung klar.

Dass es auch anders gegangen sei, habe der benachbarte Verbund "Klinikum Mittelbaden" gezeigt: Dieser habe gleich zu Beginn der Krise eine Prämie von 1500 Euro über drei Monate an seine Mitarbeiter ausgezahlt, so Hinzmann.

"Wirklich eine gute Tat wäre es, wenn der Kreis die ursprünglichen zwei Millionen Euro jetzt doch mit drauf packen würde und auf mindestens auf 1200 Euro, wenn nicht sogar 1500 Euro aufstocken würde"

Für Verärgerung sorgt die Situation auch bei Verdi Südbaden: "Wir sind der Meinung, dass Augenwischerei betrieben wird", erklärt Gewerkschaftssekretär Michael Herbstritt gegenüber unserer Redaktion.

Seiner Ansicht nach könne man eine speziell für Mitarbeiter des Ortenau-Klinikums beschlossene Zahlung nicht mit einer Prämie verrechnen, die nun aufgrund des Tarifabschlusses alle Beschäftigten des öffentlichen Diensts erhalten. Auch Herbstritt hätte sich eine begrenzte Aufstockung gewünscht.

Im Mai hat der Bund eine Sonderprämie für alle Beschäftigten in der Altenpflege beschlossen. Das Land Baden-Württemberg stockt diese Prämie auf bis zu maximal 1500 Euro auf, teilt das Klinikum mit. Die Beschäftigten in der Altenpflege des Pflege- und Betreuungsheims Ortenau erhalten damit insgesamt 240 000 Euro Pflege-Bonus.

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