Offenburg Busse: Früher hin und später heim?

In vielen Schulbussen herrscht quälende Enge, hier auf der Strecke Reichenbach-Lahr. Um den Andrang zu entzerren, rät die SWEG nun, dass Schüler doch bitte früher oder später heimfahren sollten. Die Idee finden aber nicht alle gut. Foto: Lübke

Ortenau. Neue Idee wegen Corona: Um randvolle Schulbusse zu vermeiden, sollen Schüler morgens früher los- und mittags später heimfahren. Das empfiehlt der Chef der Verkehrsgesellschaft SWEG, Tobias Harms. Doch er bekommt gleich Gegenwind.

Gestaffelte Unterrichtszeiten als wichtiger Beitrag

In der Diskussion um volle Schulbusse wünscht sich die Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG (SWEG) mit Sitz in Lahr mehr Flexibilität von den Schulen. "Unterrichtsbeginn und -ende müssen anders gestaltet werden, damit sich die Schüler besser auf das zur Verfügung stehende Busangebot verteilen", fordert Tobias Harms als SWEG- Chef.

"Gestaffelte Unterrichtszeiten sind ein wichtiger Beitrag, um die Fahrgastzahlen in Stoßzeiten zu entzerren." Harms will dies auf Landesebene ansprechen. "Leider gab und gibt es aber bisher keine Bewegung seitens der Schulträger, obwohl diese hierfür die Möglichkeiten hätten", beklagt Harms. In der Ortenau habe es jedoch noch keine konkreten Gespräche mit Schulen gegeben.

Die SWEG arbeite auch daran, Zusatzbusse zur Verfügung zu stellen, und verstärke bereits mehrere Linien zu den Schülerverkehrsspitzen. In der Ortenau sei es gelungen, die Kapazität in der Schülerspitze mit 30 Fahrten zu erweitern.

Häufig sei die Unterstützung lokaler Partner wichtig. "Busse und Fahrer stehen leider nicht unbegrenzt zur Verfügung", so Harms. Mehrere Tausend Schüler befördere die SWEG alleine in der Ortenau, genaue Zahlen lägen nicht vor.

SWEG-Chef Tobias Harms appelliert auch an die Eigenverantwortung der Schüler. Diese sollten zum Beispiel morgens einen Bus früher nehmen oder (nach-)mittags einen Bus später als regulär, um die Busse zu entlasten.

Stundenpläne anpassen um Druck aus den Bussen zu nehmen

Die Lahrer Gesamtelternsprecherin Christine Marrek zeigte sich am Dienstag auf LZ-Nachfrage "erstaunt" vom Vorstoß der SWEG: "Bisher hat es doch immer geheißen, es gäbe keine Probleme mit der Schülerbeförderung."

Dass die Eltern das anders sehen, ist bekannt: Schon vor Wochen wiesen sie auf vollgestopfte Busse am Morgen hin. Mittlerweile hat das Land reagiert: War es nach alter Corona-Verordnung in Ordnung, wenn bis zu 40 Prozent der Stehplätze besetzt waren, sollen nun bereits mehr Busse eingesetzt werden, wenn alle Sitzplätze belegt sind. Dafür hat Stuttgart zusätzliche Gelder bereitgestellt.

Den Stundenplan anzupassen, um buchstäblich Druck aus den Bussen zu nehmen, hält die Elternvertreterin für nicht angemessen: "Das würde die personell ohnehin auf Kante genähten Schulen weiter belasten." Für Kopfschütteln sorgt bei Marrek die Forderung von SWEG-Chef Tobias Harms, Schüler mögen sich bei den Fahrzeiten flexibel zeigen.

"Morgens ist das wegen mangelnder Verbindungen meistens schlicht nicht möglich, abends habe ich vor allem bei Unterstufenschülern große Bedenken. Gerade in der dunklen Jahreszeit sollten die Kinder bei Zeiten nach Hause kommen."

Marrek fordert, dass mehr private Busunternehmen zur Unterstützung rekrutiert werden. "Das hätte man schon viel früher und intensiver machen können." Überfüllte Busse seien bereits vor Corona ein Problem gewesen, "nur hat es da keinen interessiert".

Mehr Busse, weniger Fahrgäste: Auch die SWEG spürt den Corona-Kostendruck. Doch Dank der Rettungsschirme für die ÖPNV-Verkehrsunternehmen von Bund und Land werden sich die wirtschaftlichen Auswirkungen für die SWEG "im beherrschbaren Rahmen halten", heißt es auf Nachfrage unserer Zeitung.

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